Versus: Nightwatch – Nachtwache (1994) vs. Freeze – Alptraum Nachtwache (1997)

 
Nightwatch-Cover
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Overview
 

Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Sofie Gråbøl, Kim Bodnia (1994) Ewan McGregor, Nick Nolte, Patricia Arquette (1997)
 
Regie: Ole Bornedal
 
Drehbuch: Ole Bornedal
 
Länge: 107 min / 101 min
 
FSK: ab 16 / ab 16
 
Land: Dänemark / USA
 


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Posted 21. Juni 2012 by

Dass ein Regisseur sein eigenes Werk neu verfilmt ist sehr selten, kommt aber vor. Takashi Shimuzu drehte JU-ON gleich 2-mal in der japanischen Heimat und legte dann noch ein US-Remake (THE GRUDGE) oben drauf. Auch Ole Bornedal ging nur drei Jahre nach NIGHTWATCH gen Amerika um dort seinen Film erneut zu drehen. Ob seine Motivation dafür Geld war, die Chance einen Fuß in die Tür des großen US-Marktes zu bekommen, die Möglichkeit mit internationalen Schauspielern zu arbeiten, Geld, eine bessere Umsetzung des eigenen Drehbuchs oder doch nur Geld, ist nicht überliefert.

Klar ist hingegen, dass für das Remake nicht gekleckert, sondern geklotzt und prominent besetzt wurde. Ewan McGregor (TRAINSPOTTING), Nick Nolte (KAP DER ANGST), Patricia Arquette (LOST HIGHWAY), Josh Brolin (PLANET TERROR) und Brad Dourif (HALLOWEEN) trifft man nicht an jeder Straßenecke und um auf Nummer sicher zu gehen, wurde Bornedal als Co-Schreiber Steven Soderbergh (SOLARIS)zur Seite gesetzt.

Viel geändert wurde am Skript auf den ersten Blick nicht: Jura-Student Martin nimmt einen Job als Nachtwächter im Leichenschauhaus an. Die Arbeit ist im Grunde langweilig, die Ruhe, Dunkelheit und die nächtlichen Rundgänge zwischen den Toten machen dem jungen Mann aber zu schaffen, zumal man ihm eine Geschichte von einem ehemaligen Kollegen erzählt, der seine nekrophilen Neigungen auslebte. Außerdem macht ein Serienmörder Jagd auf Prostituierte, die Leichen landen natürlich ebenfalls bei Martin. Dass sein Kumpel Jens/James (die Figuren tragen unterschiedliche Namen) ihn immer wieder zu Mutproben auffordert, scheint da zunächst eine willkommene Abwechslung. Erst nach und nach bemerkt er, dass zwischen allem eine Verbindung besteht.

Über weite Teile bewegt sich das Remake sehr nah am Original: viele Dialoge, Schnitte und Kameraeinstellungen wurden 1:1 übernommen. Damit geht man einerseits auf Nummer sicher – immerhin hat das bereits in Europa funktioniert – andererseits macht es einen Vergleich leicht. Insbesondere bei den Schauspielern fällt im Remake ein leichter Hang zum Overacting auf. Der alte Nachtwächter, der Martin einweist ist in der dänischen Version einfach ein alter Kauz, in der US-Variante könnte man denken, er habe sich den Crypt-Keeper als Vorbild genommen. Auch der ansonsten sehr geschätzte Nick Nolte gibt sich betont mystisch und schießt damit manchmal über das Ziel hinaus. Hauptdarsteller Ewan McGregor spielt hingegen souverän und ist keinen Deut schlechter als sein dänisches Gegenstück Nikolaj Coster Waldau (beide hatten übrigens 2001 einen Auftritt in BLACK HAWK DOWN).

Inhaltlich tauchen erst beim genaueren Hinsehen Abweichungen auf. Zwar bleiben die Themen Nekrophilie und Prostitution erhalten und es wird nackte Haut gezeigt, auf den Blowjob im Restaurant muss Martin aber ebenso verzichten, wie auf Sex in der Leichenhalle mit Freundin Kalinka/Katherine. Letzteres ist vom voyeuristischen Standpunkt aus verzeihlich, für die weitere Handlung aber bedauerlich, da hiermit im Remake später ein Logikloch geöffnet wird, das niemand zu stopfen versucht.
Das dänische Original ist um einige Minuten länger als das Remake, was vor allem darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die Mutproben zwischen Martin und Jens/James reduziert wurden. Die sind zwar unterhaltsam, lenken aber tatsächlich von der Basishandlung ab. Auch wenn in der Neuverfilmung die lustige Szene fehlt, in der Jens/James in eine vollbesetzte Kirche kotzt, führt das Weglassen zu einer Verdichtung der Thrill-Elemente.

Andererseits war es womöglich genau die (vermeintliche) Sinnlosigkeit dieser Parallelhandlung, die dem Original die nötige Lockerheit gab, denn dem Remake ist Phasenweise eine gewisse Lustlosigkeit anzumerken. Kein Wunder, denn Bornedal versucht im Gegensatz zu anderen sehenswerten Remakes der letzten Jahre gar nicht erst sich oder den Film neu zu erfinden, sondern ackert sich durch die Schritte, die er kennt.

Zur visuellen Aufmachung bleibt zu sagen, dass der nur unwesentlich ältere dänische Film einer recht zeitlosen Optik unterliegt, während das Remake nach typischer Mode der 90er aussieht und damit schon heute alt wirkt. Während die dänischen Orte und Räumlichkeiten wie reale Schauplätze aussehen, nämlich teilweise bieder und langweilig, glaubt man es im Remake des Öfteren mit speziell gebastelten Kulissen zu tun zu haben.

Auch wenn die US-Version für Kenner des Originals überflüssig ist, sprechen wir über keinen fürchterlichen Film, sondern nur über einen, der hinter dem Original zurück bleibt. Für Bornedal hat sich das Remake sicher in verschiedener Hinsicht gelohnt, denn der Mann ist bis heute in den USA tätig und wird in diesem Jahr mit THE POSSESSION einen weiteren Horrorthriller herausbringen.

 

 

 

 

 

Bewertung:

NIGHTWATCH – NACHTWACHE (1994)
8,5/10

FREEZE – ALPTRAUM NACHTWACHE (1997)
6,5/10

 

 

 

 

 

 

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