Wir müssen reden: Arschlöcher im Kino

 

Es gibt Themen über die es keine zweite Meinung gibt.
Wenn ein Politiker sich beliebt machen will, verspricht er Freiheit, denn jeder liebt Freiheit.
Wenn man ein Kind glücklich machen will, kocht man Spagetti, denn kein normales Kind wird zu Spagetti nein sagen.
Ebenso wenig gibt es Menschen, die gerne im Kino gestört werden. Das gilt für Horrorfilme wie für jedes andere Genre.  Ich kenne absolut niemanden, der Freude dabei empfindet, wenn sich ein paar Pissnelken während der Vorstellung über ihre Jobs und Autos unterhalten, schon gar nicht, wenn man gerade für 2 Tickets und ein paar Snacks 30€ hingeblättert hat.

Inzwischen scheint es eine Verordnung zu geben, die in jedem Kinosaal mindestens einen Superdeppen vorschreibt, der keine zwei Minuten die Zähne halten kann oder sonstwie die Aufmerksamkeit von der Leinwand auf seine erbärmliche Existenz lenkt. Und nein, ich spreche nicht von der Person, die mitten im Film mal aufs Klo muss und sich an einem vorbeidrängt und auch nicht von denen, die hin und wieder etwas zu laut an der Cola schlürfen, denn hier darf man im Normalfall wohl keine böse Absicht unterstellen und in beiden Fällen geht der „Schaden“ schnell vorüber.

Ich spreche von verschiedenen Störertypen, die wir hier einmal genauer betrachten wollen:
-da wären zunächst die Wichtigtuer, die es nicht schaffen 90 min lang von der Außenwelt abgeschnitten zu sein,  mehrfach auf Facebook updaten müssen, was gerade passiert und mit dem Handydisplay den ganzen Saal beleuchten oder  per Dauervibration Nachrichten empfangen (nein, ich bin nicht dankbar dafür, dass ihr „nur“ vibriert, statt in 80dB euren Macarena-Klingelton abzuspielen)
Wenn auch nur einer von euch so wichtig wäre wie er denkt, wünschte ich mir, er/sie/es würde den Saal verlassen und Nordkorea befreien oder den Hunger in der Welt bekämpfen, mir wäre damit geholfen, vielen anderen auch.

Die Morde von Snowtown

Snowtown…kann man lustig finden….

-Dann gibt es die, die auch ohne moderne Medien so willkommen sind wie Glatteis auf der Autobahn, weil sie jedes Ereignis kommentieren müssen.
Haltet euer Maul! Wenn ich will, dass mir einer die Handlung erzählt, bleibe ich daheim und schalte den Audiokommentar der DVD ein. Ganz bestimmt brauche ich keine Spacken, die jeden anderen wissen lassen, was ihrer Meinung nach als nächstes passiert. Wenn ihr alles vorhersehen könnt, eröffnet einen Glaskugelstand auf dem Jahrmarkt. Ich jedenfalls bin einfach gestrickt, ich rechne nicht damit, dass der Killer nochmal wiederkommt oder die dickbrüstige Blonde nach dem Sex sterben wird.
(An dieser Stelle einen schönen Gruß an die Profis, die beim Fantasy Filmfest neben mir saßen und vor Beginn darüber berichteten, dass sie regelmäßig Marathonveranstaltungen wie die HERR DER RINGE-Trilogie besuchen. Müsste ich euch für 10h ertragen, gäbe es den ersten schmerzhaften „Zwischenfall“ noch bevor die Hobbits das Auenland verlassen)

-Eine besondere Kategorie sind die Lacher. Es ist völlig legitim bei einem lustigen Film in schallendes Gelächter auszubrechen, dafür sind lustige Filme da und gemeinsam lacht es sich am Besten. So einfach ist es aber nicht.
Man muss den Typus Lacher hier nochmal weiter untergliedern.
1)der wissende Lacher: ähnlich wie der nervige Kommentar (siehe oben), nur durch ein herablassendes Wiehern zum Ausdruck gebracht.
2)der nervöse Lacher: wenn es auf der Leinwand eng wird und selbst die Klugscheisser nicht mehr wissen was gleich passiert, ist das Maß an Nervosität durch die Anzahl der dümmlichen Hahas zu bestimmen.
3)der deplatzierte Lacher: mein absolutes Lieblingsbeispiel ist eine Dame, die bei einer DIE MORDE VON SNOWTOWN-Vorstellung an verschiedenen Stellen debil kicherte, was bewirkte, dass verschiedene andere Besucher sich und sie besorgt ansahen. Wer SNOWTOWN gesehen hat, weiß, dass dieses Werk so lustig ist wie Leberzirrhose.
Generell finde ich Menschen, die ohne Grund zu kichern beginnen, verstörend. Entsteht das aus dem Gedanken heraus, dass man ja viel Geld für diese Karte bezahlt hat und nun auch vorgeben muss sich zu amüsieren? Oder weil man ja so clever ist und in einer belanglosen Szene eine tiefgründige Analogie entdeckt hat?

Was tut man nun gegen all diese rücksichtslosen Spaßbremsen?
Das gute alte Recht des Stärkeren ist oft genug verlockend, mit Handschellen aus dem Saal geführt zu werden, weil man einem Störer das nervige Tun aus dem Körper geprügelt hat, hingegen weniger.
Früher hätte ein verantwortungsvoller Lichtspielhausbetreiber dafür gesorgt, dass gewisse Regeln des Miteinanders eingehalten werden, das darf man aber in Zeiten von gewaltigen Kinokomplexen, die ausschließlich der Gewinnmaximierung dienen, wohl nicht mehr erwarten.
Ein positives Gegenbeispiel kam vor einiger Zeit aus England, wo man in einem Londoner Kino sogenannte „Ninjas“ im Morphsuit auf humorvolle Weise für Ruhe sorgen lässt. Es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule macht.

Bis dahin kann man nur hoffen, dass sich für jede Nervensäge im Saal auch 2-3 couragierte Leute finden, die ihm das 1×1 des Kinos erklären.
Denkt mal daran, wenn ihr dieses Wochenende ins Kino geht.

PS: Wildes Fummeln und Stöhnen geht übrigens in Ordnung, Voraussetzung ist aber ein attraktives Äußerliches und dass ihr kein Problem damit habt, wenn ich fotografiere.

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