Buch-Review: RACHE von Jon Athan

Rache - Jon Athan: Cover
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Redaktion: 5.5

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5/10 (1)

Land:
Genre: ,
Autor: Jon Athan
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 208

An dieser Stelle wollen wir euch mal wieder in die literarische Abteilung des Horrorgenres entführen. Heute soll es um RACHE von Jon Athan gehen. Der mit 208 Seiten eher kurze Roman wurde im November 2021 vom FESTA Verlag veröffentlicht und ist erst ab 18 freigegeben. 

Der Autor hat bereits einige Bücher verfasst, die meisten mit düsteren und grimmigen Themen, wie es auch bei RACHE der Fall ist.

Inhalt von RACHE

Aus der geplanten Ferienidylle der Familie Martin wird nichts, als die junge Familie auf dem Weg von einer Gruppe Jugendlicher angehalten und attackiert wird. Nach dem brutalen Überfall bleibt keine Freude im Leben der Überlebenden und so haben sie nur noch ein Ziel im Leben: Rache.

Resümee zu RACHE

In dem Roman wird vor allem die Frage gestellt, wie weit Rache eigentlich gehen darf und ab wann die rächende Person über das Ziel hinausschießt. Auf den 208 Seiten ist natürlich nicht genug Raum, um diese Frage eingehend zu besprechen und so wird sie zwar immer wieder gestellt, die Antwort aber nur vage gegeben.

Nun wird RACHE von FESTA als Teil der Extrem-Reihe eingeordnet und damit sollte eigentlich klar sein, dass mehr Gewalt, als die Beantwortung philosophischer Fragen zu erwarten ist. Aber da der Roman selbst immer wieder die Frage nach dem Maß aufwirft, soll dies hier zumindest kurz angerissen werden.

Natürlich ist eine Geschichte um Rache auch nicht unbedingt neu, da es nahezu unzählige Bücher und Filme mit genau diesem Thema gibt. Nun muss das Rad nicht immer neu erfunden werden, sofern die Umsetzung stimmt, aber genau dabei hapert es ein wenig bei RACHE.

Wer FESTA (und vor allem einen Band aus der Extrem-Reihe) liest hat oft einen bestimmten Anspruch an die Lektüre: Es soll brutal und grausam sein. Diesen Anspruch erfüllt RACHE teilweise. Es passieren schreckliche Dinge, aber an die Abartigkeiten aus so manch anderem Buch kommt es nicht ran. Beispielhaft können hier SEINER GNADE AUSGELIEFERT und DER SOMMER ALS ICH STARB genannt werden. Das macht RACHE nicht zu einem schlechten Buch, sollte fairerweise aber erwähnt werden.

RACHE findet sehr viel in Dialogen statt, zusätzlich gibt es einige Rückblenden zu glücklicheren Momenten. Beides nimmt natürlich immer wieder das gerade aufgebaute Tempo raus und bremst den Spannungsaufbau ab. Das ist schade, gerade wenn die Handlung so kurz ist und die Dialoge auch nicht viel zum weiteren Verlauf beitragen oder wichtige Informationen übermitteln.

Weiterer Kritikpunkt ist die augenscheinliche Unfähigkeit aller Beteiligten. Der eine bekommt bei einer offenbar langen Observationszeit nicht mit, dass die Bewohnenden eines Hauses einer Ideologie anhängen. Die anderen sind zu ideenlos, um eigentlich unbewaffnete Personen aus einem Zimmer im eigenen Haus zu bekommen und diskutieren lieber endlos mit den Unbewaffneten. Anstatt sich irgendwann aus der recht aussichtslosen Situation zu retten, begeben die Rächenden sich lieber immer wieder in sie hinein. Ja, sie wollen sich rächen und sind womöglich etwas geblendet von ihrem Hass, aber ein geordneter Rückzug wäre ab einem gewissen Punkt die naheliegendste Idee gewesen. 

Man könnte über vieles hinwegsehen, wenn die Geschichte zumindest durchgehend spannend wäre, aber wie bereits erwähnt, zieht es sich trotz der Kürze stellenweise sehr.

Der Schreibstil von Jon Athan ist relativ simpel gehalten und ist gut zu lesen. Ab und zu fällt auf, dass der Roman aus dem Englischen übersetzt wurde, da einige Formulierungen holperig und im deutschen Kontext unpassend wirken. 

Zusammengefasst ist RACHE kein totaler Reinfall, hat aber definitiv seine Schwächen. Wer ein kurzweiliges Buch mit ein paar harten Szenen sucht und über Unzulänglichkeiten hinweg sehen kann, wird an dem Roman durchaus Freude haben. Wer bereits die wirklich extremen Romane von FESTA kennt, wird wahrscheinlich eher enttäuscht.

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