Wir müssen reden: Buchverfilmungen – Ein ewiges Trauerspiel oder sind wir selbst das Problem?

 

Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft, Stephen King, Clive Barker, wo wäre das Horrorfilmgenre, ohne den phantastischen Geist dieser und noch vieler weiter Herren? Sie schufen mit ihren Romane Welten des Grauens und Kreaturen, die uns allen schon im Kindesalter das fürchten lehrten. Wen wundert es da, dass sich seit jeher auch die Filmindustrie einen Happen von dem Kuchen gönnen möchte? Aber werden sie den meisterhaften Vorlagen auch gerecht? Ja können sie es überhaupt? Mit dieser Fragen beschäftigen wir uns heute mal.

Buchverfilmungen sind immer schon ein Garant für erbitterte Diskussionen gewesen. Kaum wirft jemand einen der jeweiligen Filmtitel in den Raum, geht das Zerfleischen auch schon los. In der Regel gibt es bei dem Empfinden der Qualität der Umsetzungen nur zwei Lager: Die, die die Umsetzung lieben und diejenigen, die sie grausam und unpassend finden. Der meistgelesene Satz: „Das Buch ist viel besser“. Vor allem Werke von Stephen King und Lovecraft fallen diesem Satz am häufigsten zum Opfer. Warum es so ist, dass so viele Menschen enttäuscht von diesen Verfilmungen sind? Es hat mehrere Gründe:

 

Unsere Phantasie

Sie ist das wichtigste, was wir haben aber hier wird sie, meiner Meinung nach, unser größtes Problem, denn Bücher arbeiten mit jedem Leser anders. Sie arbeiten mit unserem Kopf und mit jedes einzelnen Phantasie. Egal, wie detailliert der Autor im Buch Dinge  umschreibt, wir kreieren unsere Bilder im Geist nach unseren Vorstellungen. So ist es für einen Regisseur und sein Team so gut wie unmöglich, einen Film zu erschaffen, der jedem Leser am Ende gerecht wird.

brain

 

Begrenzte Zeit

Will ein Regisseur ein Buch in einen Film verwandeln, geht es nicht nur darum, wie er möglichst detailgetreu Worte visuell darstellt sondern auch darum, dass alles in einem, für den Zuschauer akzetablen, zeitlichen Rahmen passieren zu lassen. Das ist der Grund, warum dann viele Passagen, die der Story nicht zwingend voran helfen, in der Umsetzung gestrichen werden. Es ist schier unmöglich, ein Buch in seiner ganzen Komplexität umzusetzen. Jedes noch so kleine Kapitel mitzunehmen, würde schlichtweg den Rahmen sprengen. Natürlich könnte man einen Mehrteiler oder eine Serie draus machen aber damit steigen sowohl die Kosten, als auch das Risiko.

alice im wunderland

 

Das Budget

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt, vor allem, wenn es um die Special Effects geht. Machen sich keine großen Produktionsfirmen an die Verfilmungen, sondern kleinere Schmieden, dann fällt das visuell ziemlich schnell auf. Gute Maskenbildner oder hochwertigstes CGI muss man sich nämlich auch erstmal leisten können. Und so müssen hier dann teilweise Abstriche gemacht werden, was aber bei einer toll Umgesetzten Story, dem passenden Setting und einem authentischen Cast der Sache keinen allzu großen Abbruch leistet.

no country for old men

Persönliche Erwartungen

Eine Sache, die den meisten Menschen im Vorfeld schon im Weg steht. Was erwarten wir von einer Buchverfilmung? Berücksichtigt der Leser die vorher genannten Punkte und passt seine Erwartungen daran an, dann sollte er eigentlich in der Lage sein, mit der richtigen Erwartung an den Film ran zu gehen. Nur leider machen das die wengisten. Die meisten erwarten, dass Bücher nahezu 1:1 auf die Leinwand gebracht werden.

Speziell in diesem Genre gibt es dann noch ein Phänomen, welches mich persönlich immer an den Rande des Wahnsinns treibt. Vielen Lesern scheint nicht klar zu sein, dass weder King, noch Lovecraft Autoren von aktiongeladenen Gore- und Splatter Romanen sind. „Da passiert ja kaum was“, „ich hätte viel mehr erwartet, was ein Kinderfilm“, „er war stellenweise viel zu langatmig“

Als Fan der Bücher, sollte man wissen, dass diese Autoren mit viel Liebe zur Story, Charakterbeschreibung und -entwicklung schreiben, sich Zeit nehmen, die Geschichte richtig in Szene zu setzen. Jedes Buch hat seine Längen und gerade King ist dafür bekannt, dass seine Bücher immer ein wenig brauche, bis sie in Fahrt kommen. Zudem las ich in noch keinem King, Lovecraft oder Poe Werk von meterhohen Blutfontänen, massenweise platzenden Köpfen und LKW-Ladungen an Gedärm. Sie sind Meister des Grusels, nicht des Splatter und Gore.

Manchmal sind aber auch die Konsumenten schlicht nicht informiert über das, was sie da lesen oder sehen. Bestes und aktuellstes Beispiel DER GOLDENE HANDSCHUH. Ich hatte so häufig Diskussionen darüber, dass von dem Film mehr erwartet wurde und man enttäuscht sei, weil da viel mehr hätte passieren sollen. Leute, hier handelt es sich nicht um Fiktion sondern um die Realität. Hätte man etwa noch ein paar bestialische Morde mehr dazu erfinden sollen? Wären Explosionen a la Alarm für Cobra 11 und Chuck Norris als Fritz Honka vielleicht mehr nach eurem Geschmack gewesen? Ich hätte das Geschreie nicht hören wollen, welches dann losgebrochen wäre, weil sich ja nicht ans Buch bzw an die Fakten gehalten wurde…

der goldene handschuh

 

Unterm Strich sind das alles Punkte, die man vor der Sichtung einer Buchverfilmung beachten sollte. Macht man dies, sollte dem Filmvergnügen eigentlich nichts mehr im Weg stehen. In diesem cineatischen Bereich muss man ein wenig flexibel sein, ein Roman ist nun mal kein Drehbuch. Das sollte sich einfach mal jeder vor Augen führen, bevor das große Gejammere wieder losgeht, denn es ist sicher alles, aber nicht einfach, solche Werke zu verfilmen.

Man nehme mal die Welten und Kreaturen von Lovecraft, daran kann man eigentlich nur scheitern. Ich würde mich an sowas niemals ran wagen. Also seien wir ein wenig gnädiger mit den Menschen, die versuchen, unsere geliebten Bücher auf die Leinwand zu bringen. Oder macht es selbst, wenn ihr es besser könnt.

Und während ich all das hier tippe, fällt  mir auf, dass das einzige Werk, über das ich bisher noch kein großes „Das Buch war besser“-Geheule gehört oder gelesen habe, Barkers HELLRAISER ist. Hat da wohl niemand das Buch gelesen oder ist HELLRAISER einfach die perfekte Buchverfilmung?

Hellraiser

 

‚peace out‘

 

 

 

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