Classic-Review: DAS OMEN (1976)

das omen
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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9.8/10 (4)

Darsteller: Gregory Peck, Lee Remick, Harvey Stephens
Regie: Richard Donner
Drehbuch: David Seltzer
Länge: 111 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 25. September 1976 (Kino)
Verleih/ Vertrieb: 20th Century Fox
FSK: ab 16

 

Die späten 60er und 70er Jahre waren die Hochzeit des okkulten Films. DER EXORZIST, WENN DIE GONDELN  TRAUER TRAGEN, HEXENSABBAT und ROSEMARYS BABY haben gewisse Parallelen und vor allem letzterer wirkt fast wie eine Vorgeschichte zu DAS OMEN.

Denn DAS OMEN startet, womit ROSEMARY’s BABY endet: einer ungewöhnlichen Geburt.
Allerdings stirbt das Kind von Richard und Katherine Thorn noch im Krankenhaus und Richard zögert nur kurz, als ihm das Angebot unterbreitet wird, ein fremdes Kind, dessen Mutter ebenfalls starb, anzunehmen und damit seiner Frau die Trauer zu ersparen.
Doch während der kleine Damien heranwächst, scheint es fast so, als ginge von dem Kleinen etwas Böses aus. Erst begeht das Kindermädchen Selbstmord, Tiere meiden Damien und er selbst lässt sich nicht zu einem Kirchgang bewegen. Kann es sein, dass die Thorns das Kind des Teufels aufziehen?

das omen rezension

 

Man muss wohl kein Geheimnis um die Antwort machen: der Bube ist ein Satansbraten. Das merkt aber selbst der, der den Film zum ersten Mal sieht, ziemlich schnell.
Dadurch wird die Story aber kein bisschen uninteressant, denn Richard Donner (DIE GOONIES), der zuvor meist fürs TV tätig war, zieht mit DAS OMEN alle Register.

DAS OMEN nutzt alle Klischees und funktioniert trotzdem

Nicht nur wird  das Kind in der 6. Stunde des 6. Tages des 6. Monats geboren, es soll auch ein Muttermal mit der 666 tragen. Der Film ist voller warnender Geistlicher, blinden Mönchen, sakralen Gesängen, grusligen Kindermädchen, unheimlichen schwarzen Hunden, Blitz, Sturm und Donner, zerfallenen Friedhöfe, Klöster und Kirchen.
Ein paar der Elemente wiederholen sich sogar und vor allem nach weiteren 40 Jahren Horrorfilm erkennt man diverse Klischees leicht wieder. Daran erinnerte nicht nur vor einigen Jahren Eli Craigs LITTLE EVIL, der die DAS OMEN – Thematik humorvoll verpackt.
Auch DAS OMEN selbst erhielt drei Fortsetzungen, die das spätere Leben Damiens zeigen, sowie ein Remake.

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Diesen Status muss man sich aber erarbeiten und wie meist, wenn über die Jahre ein Franchise mit  zunehmend belanglosen Sequels/Reboots etc. beobachtet, steht am Anfang ein starker Streifen, von dem die Nachfolger zehren.
DAS OMEN ist mit Gregory Peck (MOBY DICK) in der Hauptrolle des zunehmend zweifelnden und verzweifelten Vaters wunderbar besetzt, besitzt aber auch eine bedrückende Stimmung, wie sie in den 70ern des Öfteren zu finden war und glänzt mit einer oscarprämierten Filmmusik.

DAS OMEN ist zeitlos, weil die Effekte minimalistisch sind

Dass die Effekte heute noch ansehnlich sind, liegt daran, dass man sie nicht modern sondern glaubwürdig einsetzte. Wenn sich Damiens altes Kindermädchen in einer unheimlichen Szene erhängt, liegt der Schrecken nicht nur am Sprung in die Tiefe, sondern mindestens zu gleichen Teilen daran, was sie vorher sagt.
DAS OMEN drängt nicht drauf besonders hart oder eklig zu sein, sondern den Betrachter mit einer Geschichte in den Bann zu ziehen, die bei allen übernatürlichen Elementen auch dadurch nachvollziehbar bleibt, weil wohl kein Vater sofort das Messer zücken würde, wenn ein Fremder in der Tür steht, der seinen Sohn als Antichristen bezeichnet.

das omen selbstmord
Dass Damien Böses im Schilde führt, ist übrigens bei aller Beweislast und Klischees höchst dezent dargestellt. Der Kleine wird auffallend passiv gezeigt. Während es eine ganze Reihe kindlicher Bösewichter in der Filmwelt gibt, die ihren Eltern das Leben zur Hölle machen (siehe FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE, EIN KIND ZU TÖTEN, THE CHILDREN usw.) gehen die im Normalfall aktiv gegen ihre Mitmenschen vor. Damian fällt während es gesamten Films durch weitestgehend normale Aktionen auf. Nur seine Angst vor dem Gottesdienst lässt ihn ungewöhnlich erscheinen.

Selbst als er einen schweren Sturz seiner Mutter verursacht, verzieht er keine Miene und man könnte von einem Unfall sprechen. Dass Tiere ängstlich auf ihn reagieren, scheint ebenso wenig bewusst von ihm verursacht, wie dass ihm eine höhere (oder tiefere Macht) plötzlich die Haushälterin Mrs. Baylock schickt, die offenbar genau weiß, was Sache ist.
Allerdings ist genau dieses zurückhaltende Auftreten Damians, der seine Maske nie komplett fallen lässt und vielleicht als 5-jähriger tatsächlich noch nicht versteht, welche Rolle ihm zuteilwird, ein weiterer grusliger Baustein in DAS OMEN.
Jungdarsteller Harvey Stephens sollte übrigens nur in einem weiteren Film auftreten, bevor er 2006 eine kleine Rolle im DAS OMEN – Remake erhielt.

Fazit:
Sieht man DAS OMEN heutzutage, wirkt er teilweise dick aufgetragen, teilweise zurückhaltend. Er wirkt aber auch zeitlos. So zeitlos, dass die Neuverfilmung kaum etwas besser machen konnte.
Dies ist noch immer ein echter Okkult-Klassiker.

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