Wir müssen reden: Gedanken zu Halloween

Wenn ich meine Großmutter nach Halloween frage, kann sie mit dem Begriff wenig anfangen; weder dem Film noch dem Tag. Dass Oma nicht auf John Carpenter steht, ist ein Fehler, aber mit über 80 Jahren auch verständlich (dafür findet sie Die Amigos gut). Dass sie mit dem 31. Oktober lediglich den Abend vor Allerheiligen verbindet ist allerdings noch einfacher zu erklären: Halloween kannte hierzulande bis vor 25 Jahren kaum jemand.

Erst Mitte der 90er wurden die Sitten, die viele bis dahin nur aus dem angelsächsischen und amerikanischen Kino kannten, langsam populär und inzwischen gehören Motto-Kostümpartys in Kneipen, von Tür zu Tür ziehende Kinder und ausgehöhlte Kürbisse vielerorts zum guten Ton in Deutschland.

Für die Kids und Horrorfans ein echter Feiertag, sieht manch einer in Halloween den Untergang von Sitten, Anstand und Moral. Was neu ist muss erst mal schlecht sein. Sich verkleiden, das darf man erst ab dem 11.11. um 11.11 Uhr und während es dann auch für den biedersten Steuerfachgehilfen in Ordnung geht sich am Karneval 3 Striche in die Fresse zu pinseln, 50 Bier zu trinken und die Frau vom Nachbarn zu vögeln, sind ein paar Kürbisse außerhalb der Narrenzeit offenbar der Untergang des Abendlandes.

Und kommt mir nur nicht mit religiösen Ansichten. Egal, ob ihr Halloween nicht mögt, weil es angeblich heidnischer Herkunft ist oder -wie andere Quellen sagen- es eben doch christlicher Herkunft ist: es ist nunmal hier und wenn keiner so recht weiß, wie die Tradition entstanden ist, ist es wohl auch nicht so wichtig. Wichtiger ist: es tut niemandem weh und ich verspreche euch, eure Kinder werden nicht in die Hölle kommen, nur weil sie sich ein Bettlaken über den Kopf ziehen und bei den Nachbarn klingeln.

Natürlich leben wir auch in einer Zeit, in der man tunlichst vermeidet, irgendetwas gut zu finden, was (vermeintlich) aus den USA kommt. Über diese Menschen kann man sich an dieser Stelle herzlich lustig machen, da sie natürlich auf US-amerikanische Computertechnik ebenfalls verzichten und daher Probleme haben dürften, diese Zeilen zu lesen. Wer hingegen Windows, Android oder iPhone nutzt, Halloween aber nur aufgrund seiner Herkunft hasst, sollte jetzt innehalten und kurz nachdenken.
Einen gewissen kommerziellen Aspekt darf man nicht vergessen: Maskenbauer, Kürbisbauern, Deko-Produzenten, Partyveranstalter und Süßwarenhersteller freuen sich über zusätzliche Einnahmequellen um die ehemals triste Zeit bis Weihnachten zu überbrücken.
Daran kann man sich stören, muss man aber nicht…die Schokolade hättet ihr doch ohnehin gekauft und ein Küchenmesser um zuerst den Kürbis auszuhölen und dann als Teil eures Killerkostüms zu nutzen, wird sich auch finden ohne dafür einen Kredit aufnehmen zu müssen. Valentins- und Muttertag sind jedenfalls für den Geldbeutel unangenehmer.

Statt zu jammern, kann man sich zumindest als Horrorfan einfach darüber freuen, dass sich für ein paar Tage jeder gruseln will, selbst TV-Sender düstere Filme ins Programm nehmen, die normalerweise nur mit Langeweile schockieren, sogar Internetseiten sich in schwarz und orange präsentieren und so vielleicht auch eine neue Generation Kids mit Gespenstern und Monstern in Berührung kommt und das Genre lieben lernt.

Für uns bei Thrill & Kill und viele Hardcore-Fans ist in gewisser Weise sowieso das ganze Jahr Halloween, genießen wir es also einfach, dass für ein paar Tage auch der Rest der Welt versteht, wie gut es uns in der Welt des Horrors geht.

Frohes Fest!

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