Wir müssen reden: Kommunikation in Horrorgruppen – Vom Tanz der Trottel

kommunikation in horrorgruppen vom tanz der trottel

Heute habe ich mal ein Thema, das sich vermutlich nicht nur auf die Horrorgruppen bei Facebook beziehen lässt, sondern auch auf jegliche andere Bereiche in sozialen Medien. Da ich aber fast ausschließlich in Horrorgruppen unterwegs bin, kann ich also nur über diese reden und auch nur dieser Aspekt soll hier heute für uns interessant sein.

 

Es geht darum, dass die Fans dieses Genres offenbar nicht nur im Bereich ihrer Filmvorlieben mit der Zeit zu verrohen scheinen,  aus unerklärliche Gründen hält diese Verrohung auch in den Sprachgebrauch und somit in die Stimmung innerhalb dieser Gruppen Einzug. Da ich Admin in einer etwas größeren Gruppe bin, bekomme ich das teilweise mehrfach täglich live mit und muss sagen, dass es mich immer mehr entsetzt, was einige Menschen dort von sich lassen. Die Arten dieser verbalen Entgleisungen bis hin zu Vollausfällen sind in mehrere Arten zu unterteilen und keine davon bringt Freude, zumindest keine lange.

 

Die Humorbefreiten

Sie sind nicht die größte Gruppe aber sie werden immer mehr. Wenn man jeden Tag Zeit in sozialen Netzwerken verbringt, dann kommt man irgendwann einfach an den Punkt, an dem man den ganzen Wahnsinn nur noch mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor, Ironie und Sarkasmus ertragen kann. Bis vor einiger Zeit wurde man, wenn man humoristisch auf ein Thema einging, entweder ignoriert (don´t feed the troll) oder die Leute verstanden den Spaß und schlossen sich an (in meinen Augen immer die schönste Variante, da sie sehr viel Freude bringen kann und alles irgenwie auflockert).

Heute ernetet man aber immer häufiger Wut und Anfeindungen. Immer weniger Menschen scheinen Humor zu verstehen, schwarzen schon gar nicht. Es wird einem Diskriminierung, Sexismus, Frauenfeindlichkeit oder schlimmeres vorgeworfen und der erboste Zeigefingern sticht einem fast die Augen aus. Natürlich ist nichts davon der Fall aber die Hysterie der Überkorrekten ist nicht aufzuhalten! Und es ist egal, wie viele Smileys man impliziert, wenn sich einmal drauf eingeschossen wurde, hat man verloren.

Beispiel: Wir erstellten einen satirischen Beitrag über genau dieses Thema, den Umgang miteinander in Diskussionen. Wir nahmen als Beitragsbild einen Mann, der in einer Zwangsjacke auf ner grünen Wiese lag. Und plötzlich unterstellte man uns, wir würden uns über depressive oder psychisch kranke Menschen lustig machen. Was soll man dazu sagen? Klarer Fall von Sand im Getriebe… Wer in solchen Beiträgen Diskriminierung findet, der sucht auch krampfhaft danach.

see no evil

 

Die Gottesgleichen

Sie sind unfehlbar, haben immer recht und ihre Meinung und ihr Geschmack sind omnipotent und allgemeingültig. Sie sind eine sehr anstrengende Spezies. Wenn sie auftauchen, wünscht man sich schon fast, dass endlich jemand den Serben postet. Mit ihrer Arroganz und Selbsverliebtheit sind sie absolut nicht empfänglich für Diskussionen.

Finden sie einen Film scheisse, dann ist er das auch, nachvollziehbare Begründungen dafür liefern sie selten, dass müssen sie auch nicht, denn was sie sagen, ist Gesetz. Jeder, der eine andere Meinung hat, wird im besten Fall belächelt und im gängisten Fall stumpf beledigt. Jeder Versuch, hier eine sinnvolle Diskussion zu führen, ist verschwendete Zeit, sie eignen sich nicht mal zum Zeitverteib, da immer die gleichen Antworten oder Beleidigungen kommen, denn in all ihrer Göttlichkeit sind sie wenig kreativ.

Beispiele gibts hierzu dutzende. Aber wir hatten es gerade eben erst wieder: Allwissendes Alphatierchen findet Film XY kacke und egal, wie man versucht, darüber zu diskutieren, er findet keine sinnvollen Argumente, die seine fundierte Meinung begründen. Nach dem 3. mal „der ist halt scheisse“ kamen dann die Beledigungen, welche ihm dann den Weg nach draussen einbrachten.

legion

 

Die Zickenfraktion

Ja, jetzt könnt ihr mir direkt mit der Alice-Schwarzer-Gedächtnis-Keule um die Ohren hauen, ist mir gleich. Schließlich bekommt der Phallus hier auch noch seinen Abschnitt. Es ist als Frau nicht immer leicht, kritische Diskussionen mit dem gleichen Geschlecht zu führen denn offenbar ist auch der Stutenbiss langsam zu einer Art Pandemie im Internet geworden.

Egal, wie viele Männer die Beiträge dieser Damen schon kritisch kommentiert haben, kommt man als Frau daher und äußert sich, wohlgemerkt in einem höflichen Tonfall, kritisch zu diesem Beitrag, dann wird instant der Ring gekehrt und das Nummerngirl schießt durchs Bild, der Kampf ist eröffnet. Es ist so müßig und ich kann es auch nicht verstehen aber dann wird in einer so widerlichen Art und Weise entweder ganz deutlich rumgezickt oder man versucht es durch die Blume, was selten geschickt genug gelingt, als das man die Intention der Lady nicht verstehen könnte.

Man meint es nicht ansatzweise böse, man versucht nur seine Meinung zu erklären aber man wird innerhalb von Sekunden zum Antichristen erkärt, der Besen wird herbei gerufen und es geht ab auf den Blocksberg. Aber den Tanz mache ich dann auch gerne mal mit, denn diese Gattung kann, zumindest kurzfristig, ziemlich unterhaltsam sein, da sie sich hervorragend triggern lässt und nur zu gewillt ist, die Lage völlig aus dem Ruder laufen zu lassen, egal, ob man sich dabei komplett zum Deppen macht oder nicht.

catfight

 

Die Online-Machos

Dem eigenen Geschlecht gegenüber sind sie keinem Schwanzvergleich abgeneigt und versuchen, wie aufgeplusterte Gockel, immer und überall zu zeigen, dass sie den dicksten virtuellen Hoden haben. Das untermauern sie auch gerne mit Beleidigungen, die in der Regel direkt weit unter die Gürtellinie gehen. Sinnvolle Argumente sind dieser Art nur schwer zu entlocken. Nähert sich ihnen ein diskussionswilliges Weibchen, wird man entweder ignoriert, weil Frauen von Horrorfilmen eh keine Ahnung haben, weil Fernseher ja nicht in die Küche gehören, man wird auf unfassbar plumpe Art und Weise angegraben oder aber es fliegen direkt irgendwelche, nicht witzige, frauenfeindliche Sprüche. Besitzt man dann die Unverschämtheit, diese zu kontern, dauert es nicht lange und man bekommt eine private Nachricht, in der man dann aufs übelste angegangen wird.

Da lasse ich mich immer gerne auf einen kurzen Schriftwechsel ein, denn hier lässt sich der Gockel dann so richtig gehen und zeigt, in welcher prähistorischen Epoche er steckengeblieben ist.

Ein Beispiel für dieses Prachtexemplar hatte ich vor 2-3 Tagen, in einem Beitrag, in dem jemand nach ähnlichen  Filmen, wie dem Balkanschinken fragte. die prompte Antwort der Testo-Schleuder: „Wer sowas guckt ist ein Kinderficker. Aber wenn man so häßlich ist, dass man kein Pofilbild besitzt, das sagt dann schon alles.  Ich habe viel krasseren Scheiss im Regal!“ … na klar, direkt neben den Viagras …

tromeo

Die Berufenen

Da gibts dann zwei Arten, die wir unterscheiden müssen: Die Psychologen und die Pädagogen. Während der Facebook-Psychologe dir anhand deiner wenigen geschriebenen Worte und deines gestalkten Profils sagen kann, wer du bist und sich ein vernichtendes Urteil über dich erlaubt, liegt der Pädagoge auf der Lauer und wartet auf diejenigen, die mit ihrem mangelden Wissen im Genre oder ihren Rechtschreib- und Grammatikeskapaden seine Sinne triggern, damit er endlich jemanden  verbessern kann.

Ermüdend, beide. Aber sie sind weit verbreitet, ausdauernd und lästig, weil allein ihre Berufung die Essenze ihres Lebens zu sein scheint, sie verbeissen sich förmlich in ihre Opfer.

Wieder war für das Beispiel, welches ich hier habe, der Serbe der Ausgangsbeitrag: Jane Doe kam nicht darauf klar, dass jemand den Film versteht, erklärt und gut findet. Ziemlich zügig flogen dann Aussagen wie „du hast keine Empathie, das sieht man sofort, weil du keine Kinder hast“ – Woher weisst du, dass ich keine Kinder habe? – „Das sehe ich in deinem Profil!“ – Soso, nur weil da keine Fotos von Kindern drin sind, muss ich auch zwangsläufig kinderlos sein. Wieder was gelernt. – „Und wer den so beschreibt, wie du, der hat auch ein psychisches Problem und ist pervers!“ … Richtig! Denn alle, die Halloween oder Freitag der 13. toll finden, sind auch privat gestörte Massenmörder und wer The Dentist guckt, wird direkt zum amoklaufenden Zahnarzt. Wir erleben es täglich!

Hannibal

 

Aber das sind bei weitem noch nicht alle Gründe, warum es in Horrorfilmgruppen immer wieder zu Eskalationen kommt. Auch Menschenfeindlichkeit jeglicher Form wird hier gerne mal unverholen ausgelebt. Hier ist in unserer Gruppe dann aber auch der Punkt gekommen, an dem unangemeldet die Köpfe rollen, denn für gewisse Dinge gibt es einfach keine Bühne und auch keine Toleranz. Als Dankeschön dafür erhalten wir auch immer wieder hasserfüllte private Nachrichten, in denen ich sogar schon mal zum Suizid aufgefordert wurde. Beschimpfungen wie „linksgrünversiffte Antifa-Nutte“ sind da noch das harmloseste. Man muss es mit Humor nehmen aber das Ausmaß, welches all das annimmt, ist beängstigend.

Vermutlich sind die Gründe für diese Eskapaden mannigfaltig aber hauptsächlicht ist es wohl die „anonymität“ des Internets, die die Menschen dazu antreibt, ihren ekligsten Charakterzügen freien Lauf zu lassen. Und das in einem Bereich, in dem wir uns doch eigentlich alle ähnlich sind und genau deshalb zusammenkommen. Wir alle lieben Horrorfilme und wir alle möchten uns über diese Austauschen. Warum kann man sich dann nicht ein wenig zusammenreissen? Will nicht jeder in einem Umfeld unterwegs sein, in dem man sich wohlfühlt und in dem man sich gerne austauscht? Seid ihr privat genauso unglaublich unsympathisch oder ist es da genau andersrum und ihr kompensiert euer frustrierendes Leben mit einem virtuellen Napoleon-Komplex?

Wie wäre es, mit ein wenig mehr Empathie und Verständnis dem anderen gegenüber? Geht mal ein bisschen entspannter ans Werk. Das Leben ist schon ernst genug, hier wollen wir doch eigentlich alle das gleiche: Eine Flucht zu Gleichgesinnten, Spaß und Informationsaustausch.

peace

‚peace out‘

 

 

 

 

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