Interview mit Lukas Rinker (ACH DU SCHEISSE!)

lukas rinker ach du scheisse interview

Der deutsche Genrefilm muss sich ja viel anhören.
Teils zu recht, teils aber auch nicht.
ACH DU SCHEISSE gehört zur zweiten Kategorie und ist ein einfallsreiches Kammerspiel geworden, das wir guten Gewissens weiterempfehlen können. Klar, man muss damit rechnen, dass sich alles an einem einzigen Ort abspielt, erhält dafür aber einen spaßigen Mix aus Blut und Scheiße.
Mehr dazu findet ihr in unserem ACH DU SCHEISSE! – Review.

Zum Kinostart am 20. Oktober haben wir uns Regisseur Lukas Rinker geschnappt und mit ihm über seinen Film gesprochen.

Thrill & Kill: Lukas, ACH DU SCHEISSE! ist dein erster Langfilm. Würdest du sagen, dass es leichter oder schwerer ist, mit einem Kammerspiel zu starten?

Lukas Rinker: Ich denke als Debüt-Autor und Regisseur gibt es keinen leichten Start =) Jedenfalls hatte ich an dem Projekt ein Jahr lang (vom Buch bis zum Schnitt) gut zu knabbern. Natürlich ist es womöglich etwas einfacher sich nur mit einem Darsteller auseinandersetzen zu müssen, als direkt mit einem kompletten Ensemble – aber auch das hängt sicher sehr an der Person.

Ebenfalls war es sehr anspruchsvoll ein Buch zu schreiben, dass 90 Minuten an ein und demselben Spielort unterhaltsame und spannende Situationen erzeugt. Ich habe stets versucht mein Bestes zu geben und hatte enorm viel Spass bei der ganzen Produktion.

Thrill & Kill: Im Film geht es um einen Architekten, der quasi kopfüber in einem Dixie-Klo hängt, das in Kürze gesprengt wird…kein ganz alltägliches Setting. Woher stammt die Idee dafür?

Lukas Rinker: Das Szenario beruht natürlich auf einer wahren Begebenheit … nicht. Zum Glück.

Zum einen suchte ich ein unverbrauchtes und herausforderndes Setting, das mir als Genre-Liebhaber alle Möglichkeiten bieten würde, mich auszutoben. Auf der anderen Seite sollte es auch gerne überschaubar und finanzierbar bleiben, sodass ich es mir mit meinem Einstand nicht doppelt schwer machen würde, bei einer Produktion oder gar Förderung zu landen.

Ein Film im Dixi war der einzig logische Schluss.holy shit ach du scheisse rezension

Thrill & Kill: Waren Filme wie BURIED, WRECKED oder 127 HOURS Vorbild und Inspiration oder hat sich das eher zufällig ergeben?

Lukas Rinker: Selbstverständlich habe ich mir während der Recherche so ziemlich alle Confined-Space-Filme angesehen. Buried, Wrecked, Phone Booth, Don’t Move, 4×4, Stalled, Frozen, Pool, Black Water, Cube, Room und etliche mehr. Schon Hitchcock hat in diesem Subgenre einen Beitrag geleistet: Lifeboat.

Und neben ACH DU SCHEISSE! kommt demnächst FALL ins Kino. Unbedingt anschauen!

Thrill & Kill: So absurd das Setting ist, waren die Gegenstände im Klo doch recht plausibel. Zollstock, Kaugummi, Handy, Hammer und so weiter, alles Dinge, die man in der Tasche hat oder auf einer Baustelle findet. War es dir wichtig, trotz des komödiantischen Ansatzes an der Stelle realistisch zu bleiben?

Lukas Rinker: Absolut. Habe mir natürlich dramaturgische Freiheiten genommen und Dinge, Puzzleteile im Dixi platziert, die ich dort eben brauchte oder haben wollte – aber immer im passenden Kontext.
Wie sagte doch Stanley Kubrick : real is good, interesting is better.
Thrillandkill (Horrorfilme und Thriller): ©Daniel Dornhoefer ADS DW4 4 338

Thrill & Kill: Vielen Kammerspielen gehen nach einiger Zeit die guten Ideen aus und es wird gänzlich unrealistisch oder langweilig. ACH DU SCHEISSE bleibt hingegen auf gleichbleibendem Level. Hast du dir exakt vorher überlegt, welche Möglichkeiten und Twists du wann und wo einbauen willst und auch so durchgezogen oder merkt man erst während des Drehs, dass etwas entweder nicht machbar ist oder als Idee nicht wirkt?

Lukas Rinker: Ich habe sehr viel Zeit und Schmalz in das “perfekte” Buch fließen lassen. Als Erstling wollte ich nichts dem Zufall überlassen und so gut es geht alles vorbereiten. Meine Ziellinie war es, keine Skriptseite zu finalisieren, auf der nicht mindestens ein Spannungs- oder Schockmoment, ein guter Gag oder ein emotionaler Augenblick stattfindet.

Man kann natürlich niemals wissen, ob und wie etwas beim Publikum funktioniert aber während der Dreharbeiten hat sich glücklicherweise keine unlösbare Situation ergeben.

holy shit ach du scheisse review

Thrill & Kill: Was angenehm auffällt: ACH DU SCHEISSE! versucht nicht international zu wirken. Das Klo könnte überall auf der Welt stehen, aber die Figuren tragen deutsche Namen und Gedeon Burkhard, den man meist nur hört, spricht tiefstes bayrisch. Hast du darüber nachgedacht, deine Figuren John statt Horst zu nennen, um gleich nach Hollywood zu schielen oder ist diese deutsche Identität für dich einfach da?

Lukas Rinker: Dass ACH DU SCHEISSE! ein Film in und aus Deutschland sein würde, stand ja fest und war unumstößlich. Es war ja auch nur folgerichtig und ehrlich, das Projekt mit deutscher Förderung, Produktion, Schauspielern und Team so durchzuziehen.

Einzig bei der Verortung der Story in Bayern habe ich darüber nachgedacht, welche derartige Textur wohl einen größeren internationalen Appeal haben könnte. Aber dass die Figuren Horst und Frank heißen würden, war mir immer klar.

Und die internationale Rezeption samt toller Kritiken zeigt ja erfreulicherweise, dass man auch mit einem kleinen dreckigen Low-Budget-Toilettenfilm durchaus den Filmgeschmack eines globalen Publikums treffen kann – ohne direkt die Herkunft verleugnen zu müssen.

Thrill & Kill: Um ehrlich zu sein, als ich in den ersten Filmminuten Micaela Schäfer im gewohnten „Outfit“ sah, rechnete ich mit dem Schlimmsten, aber nicht mit einem superunterhaltsamen Film. Rückblickend muss ich sagen, hat sie nicht gestört, dem Film aber auch nicht geholfen (außer dass man ihren Namen kennt).
Wie und warum ist sie in ACH DU SCHEISSE! gelandet?

Lukas Rinker: Mit Micaela habe ich schon bei Laserpope zusammengearbeitet und wir haben uns damals sehr gut verstanden. Da hab ich sie einfach angerufen und gefragt, ob sie – diesmal sogar mit Gage – nochmal mitspielen würde. Und neben ihrer Top(-less)-Performance lädt sie den Film natürlich noch mit etwas VIP-Power auf.

Thrill & Kill: Letzte Frage: was bringt die Zukunft? Hast du neue Projekte in Arbeit und werden die in eine ähnliche Richtung gehen?

Lukas Rinker: Ich arbeite intensiv an vielen neuen Ideen – und tue alles dafür, dass ich bald einen zweiten Film drehen darf. Mit ACH DU SCHEISSE! hatte ich eine grandiose Zeit und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Daher würden eventuelle Folge-Projekte sicher einen ähnlichen Ton anschlagen.
Btw LASERPOPE liegt fertig in der Schublade. Wo sind die mutigen Investoren? Call me.

 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Facebook Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert