Classic-Review: AMERICAN WEREWOLF (1981)

American Werewolf Cover
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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8.5/10 (2)

Darsteller: David Naughton, Griffin Dunne, Jenny Agutter, John Woodvine, Brian Glover
Regie: John Landis
Drehbuch: John Landis
Länge: 92 Min.
Land: ,
Genre:
Veröffentlichung: 24.04.1982 (Kino); 24.01.2002 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Universal Pictures
Sonstiges: Der Maskenbildner Rick Baker erhielt für AMERICAN WEREWOLF einen Oscar und den Saturn Award.
FSK: ab 16

„Jetzt sitze ich hier am Piccadilly Circus in einem Pornokino und unterhalte mich mit einer Leiche!“

Story:

Die New Yorker Rucksacktouristen David Kessler und Jack Goodman wandern durch die Moore von Yorkshire. Als die Nacht hereinbricht, machen sie Halt im Pub „The Slaughtered Lamb“. Als Jack ein Pentagramm an der Wand bemerkt und die Gäste darauf anspricht, wird die Stimmung recht ungemütlich. Sie beschließen zu gehen, obwohl die Wirtin darauf besteht, dass die anderen sie aufhalten sollen. Die Pubbesucher erteilen den beiden merkwürdig anmutende Ratschläge: auf der Straße zu bleiben, sich von den Mooren fernzuhalten und sich vor dem Vollmond zu hüten. David und Jack wandern entgegen der Warnung in das Moor und werden dort von einer Kreatur angegriffen, die Jack in Stücke reißt und David schwer verletzt. Drei Wochen später wacht dieser in einem Krankenhaus auf und erhält Besuch von seinem toten Freund. Er erzählt David, dass sie von einem Werwolf angegriffen wurden und rät ihm, sich vor dem nächsten Vollmond das Leben zu nehmen.

Nicht nur eine Komödie

AMERICAN WEREWOLF wechselt effektiv zwischen einigen herrlich surrealen, wenn auch gewalttätigen Traumsequenzen und einer Reihe von Begegnungen mit seinem zunehmend verwesendem Freund Jack. Obwohl der Film mit humorigen Momenten durchsetzt ist, ist die vorherrschende Stimmung jedoch die des drohenden Scheiterns, sei es die Beziehung zwischen David und der Krankenschwester Alex, oder seine Versuche, sich selbst in Gewahrsam zu bringen oder sich gar zu töten. Die Feindseligkeit, die David und Jack im Pub entgegenschlägt, ist von dem Moment an spürbar, als sie durch die Tür kommen; sie wären weniger fehl am Platz, wenn sie auf dem Mond wären. Unbeholfenheit mischt sich mit Humor, als die eng miteinander verbundenen Einheimischen mit freundlichen Neckereien beginnen – natürlich auf Kosten der „Yanks“.

Heul leise!

Das unbestreitbare Kernstück des Films ist die langwierige Transformationssequenz. Frühere Werwolf-Filme begnügten sich damit, die Verwandlung so schmerzlos wie möglich mit einer Reihe einfacher Bildabfolgen hinter sich zu bringen, wobei in jeder Einstellung die sich verwandelnde Hauptfigur mit mehr Haaren und anderen Make-up-Anwendungen, wie z.B. immer längeren werdenden Ohren und Zähnen, vorfindet. Doch bei AMERICAN WEREWOLF entwarf der SFX Guru Rick Baker recht realistische Bilder – eine sich verlängernde Hand, eine wachsende Schnauze, sprießende Körperhaare, die mehr oder weniger in Echtzeit und durch die nahtlose Kombination von Make-up und praktischen Effekten entstanden. Der Trend, den Baker hier einleitete, setzte sich in den 1980er Jahren in Filmen wie John Carpenters THE THING und David Cronenbergs DIE FLIEGE fort. Seine Arbeit war so brillant, dass sogar die Kategorie „Bestes Make-up“ für den Academy Award geschaffen wurde.

Schlussakkord in der Sackgasse

Als die Bestie am Piccadilly Circus wütet, fuhr Regisseur John Landis mit der gleichen Aktion auf, mit der er auch in THE BLUES BROTHERS punkten konnte: Leichen, die durch Windschutzscheiben brechen und die wiederholt überfahren werden und Doppeldeckerbusse, die seitlich umkippen. Doch das ernüchternde und sehr abrupte Finale findet in einer Sackgasse statt, wo Jenny Agutter dem Wolf gegenübersteht und der emotionale Abschied seinen Lauf nimmt.

Good to know:

AMERICAN WEREWOLF war der erste Film, der seit 1966 wieder am Piccadilly Circus gedreht werden durfte. Landis erreichte dies, indem er 300 Mitglieder des Metropolitan Police Service zu einer Vorführung seines damals neu erschienenen Films THE BLUES BROTHERS einlud. Die Polizei war von seiner Arbeit so beeindruckt, dass sie der Produktion eine Drehgenehmigung für zwei Nächte zwischen 1 und 4 Uhr morgens erteilte.

Michael Jackson war ein großer Fan des Films und erwählte John Landis und Rick Baker für sein Musikvideo THRILLER aus dem Jahr 1983, welches bis heute zu den besten Videos aller Zeiten zählt.

Bis nächsten Mittwoch!

Als 15jähriger wurde Landis von einem Satz aus Stanley Kubricks 2001: ODYSEE IM WELTRAUM zu einem Film inspiriert, der in seiner Karriere zwar zum Running Gag, aber filmisch nie umgesetzt wurde. Der Astronaut Frank Poole sieht sich ein Video an, das ihm seine Eltern anlässlich seines Geburtstages schicken. Am Ende des Videos sagt seine Mutter: „Bis nächsten Mittwoch!“ Ein offensichtlicher Hinweis auf ihre nächste verfügbare Zeit, um eine Nachricht an das Raumschiff auf dem Weg zum Jupiter zu übermitteln. Da Frank kurz darauf  von dem Bordcomputer HAL 9000 getötet wird, ist dies vielleicht als ironisches Markenzeichen gemeint, da es in Landis Filmen auftritt, wenn sich Charaktere in großer Gefahr befinden. Für den adleräugigen Zuschauer sind diese Easter Eggs ungefähr so berüchtigt wie Hitchcocks Cameo-Auftritte. In AMERICAN WERWOLF wird dieser Film-im Film in dem Pornokino gezeigt, in dem David auf die Untoten trifft, die er im Laufe seiner Werwolf-Karriere umbrachte. Auch hängt ein Plakat dieses Pornos mit dem Aufdruck „A Non-Stop-Orgy See You Next Wednesday“ in der U-Bahn Station, in der er Gerald Bringsley tötet.

 American Werewolf (1981) on IMDb

 

 

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