Classic-Review: JACOB’S LADDER (1990)

jacob's ladder review
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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8/10 (1)

Darsteller: Tim Robbins, Elizabeth Peña, Danny Aiello
Regie: Adrian Lyne
Drehbuch: Bruce Joel Rubin
Länge: 113 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 18. April 1991 (Kino); 28. Mai 2020 (Mediabook)
Verleih/ Vertrieb: Koch Media
FSK: ab 16

Die filmische Verarbeitung von Kriegstraumata ist kaum etwas Ungewöhnliches und da die Amerikaner besonders mit den Nachwehen des Vietnam-Kriegs zu kämpfen hatten, muss man nur an den Kriegsheimkehrer John Rambo denken. Lustiger ging es Mitte der 80er in HOUSE zu, wo die Hauptfigur aber ebenfalls mit bösen Erinnerungen zu kämpfen hat.
JACOB’S LADDER ist wieder ein ernstzunehmender Film, der einem Fiebertraum gleich, die persönlichen Erlebnisse eines Einzelnen aufgreift, sich dabei aber doch auch an die Allgemeinheit wendet und viel Atmosphäre mitbringt.

Story:
Veteran Jacob Singer lebt nach dem Krieg in New York. Den Postboten plagt nicht nur die Erinnerung an einen toten Sohn aus einer früheren Beziehung, sondern auch die Erlebnisse in Vietnam, bei denen er schwer verwundet wurde und manchmal sogar das Gefühl hat, gestorben zu sein.
Damit nicht genug, scheinen ihm immer wieder seltsame dämonenähnliche Gestalten zu begegnen.

JACOB’S LADDER zu beschreiben ist in ein paar Sätzen nicht möglich. Klar ist aber, dass wir es hier mit einem Mann zu tun haben, der in der jüngeren Vergangenheit mit vielen Schicksalsschlägen und schweren Momenten kämpfen musste und diesen Kampf zu verlieren scheint. Somit stünde die im Titel erwähnte „Leiter“ zunächst für einen Abstieg (gemeint ist allerdings etwas anderes) und als Beobachter werden wir Zeuge einer zunehmend angegriffenen Psyche, die sich von Momenten der Trauer und harschen Flashbacks, die aber zumindest erklärbar sind, zu schrecklichen Visionen wandeln.
Zwar liefert JACOB’S LADDER immer wieder Erklärungsansätze (wohl auch um zu verhindern, dass dem Betrachter schon nach der ersten Filmhälfte die Synapsen durchbrennen), legt dann aber stets noch krudere Sequenzen nach.

Wenngleich Elemente eines Dramas, eines Horrorfilms und auch eines Kriegsfilms enthalten sind, ist JACOB‘S LADDER der Inbegriff eines psychologischen Thrillers.
Egal was passiert, wir sind wie er selbst in Jacobs Psyche gefangen und werden ebenso von den Eindrücken und verrückten Wendungen mitgerissen.
jacob's ladder rezension
Dabei ist dies kein Werk, bei dem es „zur Sache“ geht. Gewalt wird nur in dem Maße gezeigt, wie sie der Handlung dienlich ist und auch die Horror-Versatzstücke werden nur dezent eingebaut. Trotzdem, aber vielleicht auch gerade deswegen, hallen die grotesk verzerrten Fratzen und „Schüttelköpfe“ noch lange nach.
So lange, dass man beispielsweise in den Videospielen der SILENT HILL – Reihe verschiedene Bestandteile des Films wiederverwertete.

Der Wegbereiter für SILENT HILL

Erotik ist ebenfalls ein Bestandteil von JACOB’S LADDER. Auch damit übertreibt es Regisseur Adrian Lyne nicht, er lässt die Menschen aber natürliche Nacktheit zeigen, statt wie oft üblich jeden Nippel durch bemühte Schnitte zu verstecken. Schaut man allerdings in die Vita des Regisseurs, zeigt sich, dass der auch vor- und nachher verschiedene Genres bediente, dabei aber immer eine gute Ästhetik pflegte. Die Filme FLASHDANCE, 9 ½ Wochen, EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE oder EIN UNMORALISCHES ANGEBOT muss man als Horror/Thriller-Fan sicher nicht alle im Schrank haben, sie verdeutlichen aber Lynes Modus Operandi.

Im Falle von JACOB’S LADDER ist die Ästhetik aber ohnehin nur ganzheitlich zu sehen, denn die meisten Locations erwecken nicht das Gefühl von Gemütlichkeit.
Jacobs Apartment hat bessere Tage gesehen, das Wetter ist meist trist bis kalt und das New York City der 70er wirkt düster und schmutzig. Das ist nicht schön, aber stimmungsvoll.
Dass sich der Regisseur für die visuelle Umsetzung von den Werken von HR Giger, Francis Bacon oder William Blake beeinflussen ließ, spricht natürlich ebenfalls Bände.

Tim Robbins (DIE VERURTEILTEN) spielt die Titelfigur mit der gewohnten zurückhaltenden,  sympathischen Art, wobei er in diesem Fall eine Vielzahl von Wesenszügen aufblitzen lässt.
In Nebenrollen sehen wir unter anderem Ving Rhames (DAWN OF THE DEAD), Pruitt Taylor Vince (IDENTITÄT) und Macaulay Culkin, bevor er zu Kevin wurde.
Jacobs Ladder
JACOB’S LADDER gehört sicher nicht zu den Werken, die man nebenbei sehen sollte und selbst bei voller Aufmerksamkeit bleiben womöglich Fragen. Man kann hier also nicht von leichter Unterhaltung sprechen.
Während eine vollständige Analyse des Gezeigten sicher den Rahmen sprengen würde, wollen wir doch auf ein paar Punkte eingehen und kommen damit in SPOILER-Territorium.

Sucht man vergleichbare Werke, mag man sich in der irrwitzigen Komplexität, aber auch durch manche heruntergekommene Szene an den 3 Jahre älteren ANGEL HEART erinnert fühlen.
Ein anderer Film, der ein paar verwandte Stücke aufgreift, ist FLATLINERS, wo die Protagonisten ebenfalls Dinge nach ihrem Tod erleben.
Dort ist allerdings von Anfang an deutlich worauf man sich einlässt, während eine definitive Aufklärung in JACOB’S LADDER erst zum Ende gibt. Dennoch haben die Filme die Thematik des Fegefeuers gemeinsam und alle drei bedienen sich biblischer Auszüge.
In JACOB’S LADDER sehen wir nicht nur, wie Jacob in Dantes Inferno liest, Engel und Dämonen finden sich mehr oder minder gut versteckt wieder.

Teufel oder Engel?

Besonderem Augenmerk sollte man dabei dem folgenden Filmzitat widmen:
Wenn du Angst vor dem Tod hast und nicht loslassen willst, dann siehst du die Teufel, die dir dein Leben entreißen. Aber wenn du deinen Frieden gemacht hast, dann sind die Teufel in Wirklichkeit Engel, die dich von der Erde befreien.“
Während die Teufel zwar nicht mit Hörnern und Dreizack, sondern eben als morbide Fratzen dargestellt werden, sind die Engel besser versteckt, finden sich aber durch verschiedene Figuren in Jacob’s Umfeld symbolisiert.

2019 wurde ein Remake des Films gedreht und obwohl nicht jedes Remake schwach sein muss, ist das Original eine zeitlose Geschichte. Während die Neuverfilmung noch nicht in Deutschland gestartet ist, sind ausländische Kritiken zum Film bisher vernichtend.

Fazit:
Ein starker Film, der aus jedem Blickwinkel tragisch und nie plump erscheint und auch nach 30 Jahren noch wunderbar funktioniert.

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