Classic-Review: DIE VERURTEILTEN (1994)

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 10.0

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10/10 (5)

Darsteller: Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, Clancy Brown
Regie: Frank Darabont
Drehbuch: Frank Darabont
Länge: 136 min
Freigabe: ab 12
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 9. März 1995 (Kino)
Verleih/ Vertrieb: Warner
FSK: ab 12

DIE VERURTEILTEN stammt zwar aus der Feder des einflussreichsten Horrorautoren unserer Zeit, kann jedoch gerne als Drama betrachtet werden. Wenn es aber um Mord, Vergewaltigung, Betrug, Gefängnis und Gewalt geht, wollen wir unseren Senf dazugeben.

Story:
1947. Obwohl er stets seine Unschuld beteuert, wird der Bankangestelle Andy Dufresne für den Mord an seiner Frau und deren Geliebten lebenslang ins Gefängnis geschickt.
Zwar findet er dort Freunde, doch tut sich schwer in der Umgebung, wo Gewalt von Aufsehern und Mithäftlingen gleichermaßen an der Tagesordnung ist.

Ist DIE VERURTEILTEN der beste Film aller Zeiten?

Über die Qualität von DIE VERURTEILTEN zu sprechen, erinnert an die sprichwörtlichen Eulen, die nach Athen getragen werden.
Der Film ist mit einer durchschnittlichen Note von 9.3 der am höchsten Gerankte auf imdb (nur vier Filme haben überhaupt einen Schnitt von 9.0 oder mehr) und war für sieben Oscars nominiert, obwohl er keinen davon gewann. Eine der Nominierungen galt dem Drehbuch von Frank Darabont, neben Rob Reiner (STAND BY ME, MISERY) wohl der Mann, der besser als alle anderen das Schaffen von Stephen King versteht, was auch seine Filme THE GREEN MILE und DER NEBEL belegen.

Also ja, DIE VERURTEILTEN ist ein sehr guter Film, schauen wir aber mal hin, was ihn dazu macht.

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Die Vorlage
Wie angedeutet ist die Geschichte, die ein Viertel von FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD ausmacht und auf deutsch „Pin up“ heißt, keine typische Story von Horrorautor Stephen King.
Es ist sogar eine relativ kurze Geschichte für King, der nun mal für seine ausufernden Erzählungen bekannt ist. Dass er mehr als 20 Jahre Knast auf nur etwa 100 Seiten unterbrachte, ist daher unüblich…

Der Regisseur und Drehbuchautor
…bietet aber Frank Darabont genügend Platz für eigene Einflüsse.
Darabont begeht dabei nicht den Fehler, die Story Wort für Wort übernehmen zu wollen, er gönnt sich sogar die Freiheit, einen (im Buch) rothaarigen Iren mit einem Schwarzen zu besetzen.
Manche Drehbuchautoren vergessen beim Adaptieren eines Romans, dass der Zuschauer die Original-Geschichte womöglich nicht kennt und setzen Wissen voraus. Darabont tut dies nicht. Er klammert sich aber auch nicht an Details, die es nicht braucht. Er erzählt die Geschichte auf seine Art.die_verurteilten vergewaltigung

Die Figuren und Schauspieler
Die Hauptcharaktere sind Andy Dufresne und Ellis Boyd ‚Red‘ Redding.
Während Red gleichzeitig derjenige ist, der die Geschichte aus dem Off erzählt, ist ihm stets anzumerken, dass er nicht recht schlau aus Andy wird. Red weiß, wie es in Shawshank läuft, er kann Dinge besorgen, Wärter und Häftlinge lassen ihn in Ruhe und er scheint mit sich selbst im Reinen.
Aber Andy überrascht ihn.
Er überrascht ihn, als er in der ersten Nacht nicht zusammenbricht, er überrascht ihn mit seiner Bitte nach einem Steinhammer und er überrascht ihn am Ende.

Andy hingegen ist sichtlich fremd in der groben Welt, die ihn erwartet und doch scheint er vorbereitet. Er zeigt wenige Gefühle, weder positiv noch negativ, aber mit einer unnachahmlichen Würde übersteht er die harten Jahre, die gerade am Anfang von Schlägen und Vergewaltigungen geprägt sind. Der Drang nach Freiheit ist ihm in kleinen Momenten anzumerken, als er beispielsweise dazu beiträgt, dass seine Freunde mit Bier belohnt werden oder er über den Lautsprecher des Gefängnisses Musik abspielt, obwohl das eine harte Strafe nach sich zieht.
Er ist kein Anführer, niemand der auf Tische springt und mit Worten von Freiheit skandierend zu einer Revolte aufruft. Er ist ein stiller Rebell, der mit Persistenz zu einem Umdenken und Veränderung führt.

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„Hoffnung ist eine gute Sache, vielleicht sogar die Beste“- Andy

Morgan Freeman und Tim Robbins sind die beiden Hauptdarsteller. Freeman wurde dafür mit einer Oscarnomminierung belohnt, während man Robbins leichter übersehen kann. Er erscheint weniger herzlich, aber tatsächlich nimmt man ihm den Part des undurchschaubaren, unnahbaren, unterkühlten Typen sofort ab.

Das Gefängnis
Gefängnisse sind selten warme und bequeme Orte und Shawshank State Prison ist keine Ausnahme.
Die Mithäftlinge machen sich einen Spaß daraus, Neuankömmlinge in den Wahnsinn zu treiben; die „Schwestern“ vergehen sich an Schutzlosen; die Wärter, allen voran der brutale Captain Hadley, greifen schnell zum Knüppel und über allem thront Direktor Norton, der gottesfürchtig, aber selbst bestechlich ist, das Gesetz vertritt, aber in eine Zelle gehört.
Doch es ist das Gefängnis als Ganzes, das die Männer zerbricht und an den Seelen der Insassen kratzt, wie Andys Steinhammer an seiner Zellenwand.
Das lässt sich auch am Verhalten der Männer erkennen, die sich mit ihrem Dasein arrangieren und geht so weit, dass die Insassen nach ihrer Freilassung nicht mehr mit der Freiheit klar kommen.
Insofern wird sogar die verbleibende Hoffnung auf Freiheit zerstört.

„So, dann will ich dir mal was über Hoffnung sagen. Hoffnung ist gefährlich. Hoffnung kann einen Mann in den Wahnsinn treiben.“ -Reddie verurteilten

Die Story
Es ist nicht so, dass die Geschichte an sich wahnsinnig neu wäre, das war sie auch 1994 nicht. Sie ist nur wahnsinnig gut erzählt und ein anderer als Frank Darabont hätte daraus leicht eine entweder kitschige oder Hau-drauf-Knastnummer machen können.

DIE VERURTEILTEN mangelt es an Action. Viel Interaktion findet über Dialoge statt und natürlich bietet ein Knast nur beschränkte Locations. Trotzdem kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, was an der Wandelbarkeit der Geschichte liegt.
Der Film enthält warmherzige Momente, scheut sich aber auch nicht, unangenehme Gewalt aufblitzen zu lassen. Man kann kritisieren, dass die allermeisten Insassen zu Recht wegen einer Straftat einsitzen und dass einige freundlich dargestellt werden, darüber hinweg sehen lässt, was sie ins Gefängnis brachte. Dies ist aber kein Film, der die Moralkeule schwingt und ganz ausgeschwiegen wird die Frage von Schuld, Sühne und Gerechtigkeit auch nicht.

DIE VERURTEILTEN ist ein Film, bei dem man 5 min aus dem Raum gehen kann, ohne viel zu verpassen, den man aber von vorne bis hinten sehen muss, um ihn greifen zu können.
In manchen Augenblicken ist es legitim, etwas im Auge zu haben, aber die Grenze zum Tränendrücker-Pathos wird nie angekratzt.

Fazit:
Worte wie „Meisterwerk“ werden heute inflationär gebraucht. Aber dies ist zeitloses Kino in Perfektion!

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