Classic-Review: SUSPIRIA (1977)

suspiria
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Redaktion: 9.5

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9.3/10 (3)

Darsteller: Jessica Harper, Stefania Casini, Flavio Bucci
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Daria Nicolodi
Länge: 92 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 1977
FSK: ab 16

„Magic is everywhere“

Die junge Suzy Banyon reist aus Amerika nach Old Europe, um sich an einer renommierten Ballettschule vor den Toren Freiburgs ausbilden zu lassen. Dort angekommen beobachtet sie, wie ein junges Mädchen panisch und wirre Worte stammelnd aus der Schule flüchtet. Nur wenig später wird das Mädchen grausam ermordet aufgefunden.

In den folgenden Tagen häufen sich mysteriöse Vorkommnisse. Nachts ertönen seltsam schrille Geräusche und irgendetwas schleicht durch die Schule und die Schlafräume. Die Lehrerinnen benehmen sich merkwürdig, der Hausdiener scheint sogar geistesgestört zu sein. Als immer mehr Mädchen verschwinden und schließlich ihre beste Freundin Sandra dem Mörder zum Opfer fällt, beginnt Suzy Nachforschungen anzustellen und entdeckt, dass die Schule lediglich als Fassade für einen Hexenzirkel dient, der okkulte Magie praktiziert. Die Direktorin der Schule entpuppt sich als eine 140 Jahre alte Hexe, die sich durch satanische Rituale am Leben erhält.

Dario Argento – Giallo goes magic

Mit SUSPIRIA hat Dario Argento bis heute seinen mit Abstand besten Film erschaffen, der ihn auch ein „klein wenig“ zur Legende machte. Seine vorigen Werke wie DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE, VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT und ROSSO – DIE FARBE DES TODES sind großartige Giallos, aber SUSPIRIA setzte er durch die Zugabe von Okkultismus und ein wenig ALICE IM WUNDERLAND auf eine neue Metaebene. Die Idee zur Muttertrilogie kam Argento beim zweiten Teil, HORROR INFERNAL, den er drei Jahre später umsetzte. Der dritte und letzte Teil THE MOTHER OF TEARS erschien 30 Jahre nach SUSPIRIA und wird zu Recht als schwächster Teil der Reihe deklariert.
Als magic kann man auch die Bildeffekte nennen, die Argento per veralteter IB-Technicolor einsetzte, um die Farben extrem zu überzeichnen. Ein weiterer magic point: Die meisten Außenaufnahmen wurden nicht in Freiburg, wie uns der Film weismachen will, sondern in München abgedreht. Für die Innenaufnahmen mussten die Fassade und die Räumlichkeiten des „Haus zum Walfisch“ in einem Studio in Italien nachgebaut werden, weil die Eigentümer die Verwendung des Bildmaterials verweigerten.

Style over Substance

Natürlich siegt in SUSPIRIA die Kraft der Bilder und der Musik haushoch über die doch eher dünne, manchmal tempoarme Geschichte und den hanebüchen agierenden Darstellern. Leider blieben auch viele Figuren nur eine Randerscheinung, die unmotivierte und einfältige Dialoge von sich gaben. Auch dass das übermächtige Böse mit einem Messer ruck zuck auszulöschen war, war wohl noch nie so einfach.

Die Geschichte der drei Hexen

Die Geschichte der drei Hexen (Mütter) beginnt Anfang des 11. Jahrhunderts, als drei Schwestern an der Küste des Schwarzen Meeres die verhängnisvolle Kunst der Hexerei erschufen. In den folgenden Jahren bereisten sie die gesamte Welt und häuften großen persönlichen Reichtum und Macht an und hinterließen überall nur Tod und Verderben.

Mater Suspiriorum / Helena Markos
Mater Suspiriorum, die Mutter der Seufzer, ist die älteste und weiseste der drei Mütter. Ihr Vorname ist Helena, auch bekannt als schwarze Königin. Die griechische Emigrantin gründete 1895 vor den Toren Freiburgs die Tanzakademie, eine Schule für Tanz und okkulte Wissenschaften. Die Dorfbewohner fürchteten sich vor ihr, da sie ahnten, dass sie eine Hexe war. Um ihre wahre Natur vor der Welt zu verbergen, täuschte sie 1905 ihren eigenen Feuertod vor. Die Kontrolle über die Akademie, die zu einer reinen Ballettschule umfunktioniert wurde, ging angeblich an Markos‘ Nachfolgerin, welche sie in Wahrheit selbst war.

Mater Tenebrarum
Mater Tenebrarum, die Mutter der Finsternis, ist die jüngste und grausamste der drei Mütter. Ihr wahrer Name wird nie genannt, man weiß nur, dass sie 1910 getauft wurde und sich ihr Haus in der Metropole New York befindet.  An ihrer Hauswand prangt eine Gedenktafel, die besagt, dass Georges Iwanowitsch Gurdjieff, ein griechisch-armenischer Esoteriker und Lehrer des “Vierten Weges“, einst dort wohnte.

Mater Lachrymarum
Mater Lachrymarum, die Mutter der Tränen, ist die schönste und auch mächtigste der drei Mütter. Wie bei Tenebrarum ist auch ihr wahrer Name unbekannt. Während im Film INFERNO alles darauf hin deutet, dass sich ihr Haus in Rom, Italien, in der Nähe der Via Dei Bagni Nr. 49 – der Biblioteca Filosofica der Abertny Foundation – befinden könnte, entpuppt sich ihr Haus im Film THE MOTHER OF TEARS als der Palazzo Varelli.

Fazit: Dem Zuschauer offenbart sich trotz einiger Schwächen bester Arthouse-Horror in schillernden Farben, allen voran in der Farbe Rot. Die italienische Band Goblin unterstreicht SUSPIRIA mit ihrem unvergesslichen und hämmernden Sound und macht den Film dadurch zu einer audiovisuellen Symbiose.

2018 erschien das gleichnamige (lose angelehnte) Remake unter der Regie von Luca Guadagnino mit Tilda Swinton, Dakota Johnson und Chloë Grace Moretz.

 

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