Review: ANONYMOUS ANIMALS (2020)

anonymous animals
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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Darsteller: Pauline Guilpain, Emilien Lavaut, Thierry Marcos
Regie: Baptiste Rouveure
Land:
Genre: ,
Verleih/ Vertrieb: Black Mandala

Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn wir das Leid, das wir Tieren antun, am eigenen Leib spüren würden?
Dieser Frage geht der französische ANONYMOUS ANIMALS des Newcomers Baptiste Rouveure nach.
Das taten schon Filme wie DIE FARM oder PIGS vor ihm, die waren aber nicht allzu gelungen und Rouveure wählt einen komplett anderen Ansatz.

Dabei ist es nicht einfach in ANONYMOUS ANIMALS eine durchgängige Story zu entdecken, denn erzählt werden drei episodenhafte Schicksale, die nur an den Enden sehr lose miteinander verknüpft sind.
Den Einstieg macht ein halbnackter, ängstlicher Mann, der mit einer Metalkette an einen Baum gekettet ist. Es folgen zwei Menschen, die sich furchterfüllt in einem Gebüsch verstecken. Dann zeigt uns der Film einige Leute, die in einen Stall getrieben werden.anonymous animals rezension

„Wenn es dir Freude bereitet, ein Tier voller Angst oder Schmerz zu sehen, bist du eine Fotze“ – Ricky Gervais

Es wurde nie ein Geheimnis darum gemacht, worum es in Rouveures Film geht, trotzdem überrascht er. Anders, als in vergleichbaren Werken werden keine normalem Menschen wie Tiere behandelt.
Anders als man hätte erwarten können, geht es im Film nicht um Menschen, die andere Menschen wie Tiere behandeln. Es gibt auch kein Aufbegehren der Tiere gegen die Menschen, wie man das aus Orwells FARM DER TIERE kennt.

Die Menschen in ANONYMOUS ANIMALS scheinen einfach Tiere zu sein. Sie sprechen nicht miteinander (tatsächlich fällt im gesamten Film von Niemandem ein Wort), können aber kommunizieren und zeigen die gleiche Körpersprache wie ein ängstlicher Hund oder furchtsame Rehe.
So zerrt der „Hund“ zwar an seiner Kette, er klettert in einer anderen Situation aber nicht aus dem Fenster und bedient auch keine Waffe, um seinen Besitzer zu verletzen.anonymous animals kritik

Auch sind die Widersacher keine Menschen, die sich Masken aufsetzen. Es sind offenbar Tiere, nämlich jeweils passend Hunde, Hirsche oder Stiere, die zwar auf zwei Beinen stehen und Kleidung tragen, aber einen Tierkopf aufweisen.
Zugegeben, das klingt absurd, lächerlich ist es aber nie.

Der Grund dafür ist die Angst, die im Film transportiert wird. Wie muss es sich anfühlen, wenn du als Hund von dem Menschen, dem du vertraust an einen Baum gebunden wirst, bevor er davonfährt?
Was mag ein Schwein oder ein Schaf fühlen, wenn es zum Schlachthof gekarrt wird, wo es dabei zusehen muss, wie die anderen vor ihm grob getötet werden, bevor es selbst an der Reihe ist?
Aber es ist nicht nur die Angst der Opfer, sondern auch die Gleichgültigkeit der Täter, die schockiert.

„Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück.“ – Charles Darwin

Wer von vorn herein Angst hat, einen bösen Veganerfilm zu sehen, der ihm sein Schnitzel klauen will, liegt falsch, wird vielleicht aber auch nicht glücklich mit ANONYMOUS ANIMALS. Die Transferleistung, dass die Tiere hier die Bösen sind, in der Realität die Situation aber umgekehrt ist, muss erbracht werden. Empathielose Klötze werden da scheitern.anonymous animals review

Mit nur etwas über einer Stunde Laufzeit ist der Streifen kurz ausgefallen, bringt aber alles rüber, was nötig ist. Dass wenig Geld zur Verfügung stand, ist nicht zu verleugnen, aber wie so oft schlägt Talent Budget. Die Tierköpfe wirken oft hölzern, die Augen tot, aber während Rouveures Kamera bei Landschaftsaufnahmen des nebligen Herbstwaldes oft ruhig ranzoomt, gibt sie sich in lebhaften Szenen entsprechend hektisch und zeigt selten mehr als nötig.

Es steht außer Frage, dass Baptiste Rouveure mit ANONYMOUS ANIMALS eine Message transportiert und in Zeiten, in denen wöchentlich neue Grausamkeiten aus Schlachthöfen bekanntwerden und Massentierhaltung nur noch von Ewiggestrigen hingenommen wird, wäre es wohl nicht das Schlimmste, wenn er damit eine neue Welle des Öko-Horror anschiebt.

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