Review: BECKY (2020)

becky review
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4.0

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3.5/10 (4)

Darsteller: Lulu Wilson, Kevin James, Joel McHale, Robert Maillet
Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion
Drehbuch: Nick Morris, Ruckus Skye, Lane Skye
Länge: 90 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 30. Oktober 2020 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Splendid
FSK: ab 18

BECKY wurde im Vorfeld vor allem für eine Sache bekannt: dies ist der Film in dem Komiker Kevin James einen fiesen Nazi/Verbrecher spielt.
Damit hat man Aufmerksamkeit und natürlich zweifelnde Töne all derer, die sich den Star aus KING OF QUEENS, KEVIN CAN WAIT oder DER KAUFHAUS COP nicht in einer ernsten Rolle vorstellen können.

Dabei ist es nicht unüblich, dass Schauspieler irgendwann auf ihrem Korsett ausbrechen wollen und während Jim Carrey in der ein oder anderen seriösen Rolle überzeugt,  verstummten inzwischen auch die Schreie jener, die Daniel „Harry Potter“ Radcliffe und Elijah „Frodo“ Wood, auf frühere Aushängerollen limitierten.becky kritik

Story:
Die 13jährige Becky hat nach dem Tod ihrer Mutter wenig Lust auf ihren Vater und sicher hat sie keine Lust auf dessen neue Freundin und ihren Sohn. Aber die vier verbringen dennoch ein Wochenende in einem Ferienhaus am See. Die Stimmung ist also ohnehin mies, doch dann tauchen vier Gefängnisausbrecher auf und wollen einen Schlüssel, den Becky gefunden hat.
Während der Teenagerin die Flucht in die Wälder gelingt, haben die Männer ihre Familie als Druckmittel und schrecken nicht vor größter Brutalität zurück.

Wem diese Brutalität ausreicht, wird auch ausreichend bedient, wer aber Ansprüche an Schauspiel, Handlung oder gar Logik stellt, wird einige Male in die Tischkante beißen.

Schaut euch eine Handvoll Kills an, ignoriert den restlichen Quatsch

Das liegt zum Beispiel an Hauptdarstellerin Lulu Wilson, die nach Auftritten in SPUK IN HILL HOUSE, OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN und ANNABELLE 2 schon im jungen Alter zur Scream-Prinzessin wurde. Genauer gesagt liegt es weniger an Wilson, die anständig spielt, sondern an ihrer Figur, die eben noch eine aufmüpfige Teenie-Göre ist, deren größtes Verbrechen darin liegt, den Radiosender gegen den Willen ihres Vaters zu wechseln, und 5 Minuten später zur planvollen, eiskalten Killerin wird.
Wäre BECKY wie AGGRESSION SCALE aufgezogen, der ähnlich vorgeht, aber sich erstens nicht zu ernst nimmt und zweitens eine Erklärung liefert, wäre das kein Problem, davon ist nichts zu merken.becky rezension

Das liegt aber auch an Kevin James, dem man nicht nachsagen kann, dass er es nicht probiert hat.
Auf der neuen Glatze prangt nun ein Hakenkreuz-Tattoo und andere NS-Symbolik und mit einem dicken Vollbart sieht er Slayer-Gitarrist Kerry King etwas ähnlich. Er ist auch der Anführer der Ausbrecher, aber man nimmt ihm weder die Aktionen eines organisierten Gangsters, noch eines brutalen Nazi-Schlägers ab. Dabei ist Beckys künftige Stiefmutter sogar schwarz, aber diese Steilvorlage zieht nahezu ungenutzt vorüber.

Aber so wenig wie man diese beiden Hauptkontrahenten versteht, versteht man ihre Aktionen oder das weitere Mit- und Gegeneinander. Besonders ambivalent ist einer der Bösewichte. Apex ist ein Hüne und offenbar nicht erst seit gestern ein harter Hund, aber während des Films entdeckt er sein Herz. Das ist fast schon rührselig, aber ergibt in manchen Situationen keinen Sinn.

Zwei Regisseure und drei Drehbuchautoren wurden für einen Film verheizt, dessen Home Invasion – Thema natürlich ohnehin nichts neues ist, aber schon so oft besser umgesetzt wurde.
Dass das Regie-Duo für den sehenswerten COOTIES verantwortlich war, lässt sich nur entfernt erahnen. Etwa dann, wenn Becky als Kampfmontur eine Kindermütze aufsetzt und man vermuten kann, dass der Film doch nicht so ernst zu nehmen ist, wie er meist tut.
becky lulu wilson
Achtung hier folgen größere Spoiler:
Echte Lacher finden sich aber ebenso wenig, wie das Gefühl einer echten Bedrohung.
Bezeichnend sind dafür die Gewaltszenen.
Da hängt Kevin James ein Auge aus dem Kopf, was man natürlich ohnehin von HOSTEL kennt, aber weder entsteht beim Zuschauer ein funsplattriges Kichern, noch ein ungutes Gefühl und eher im Vorbeigehen wird der Schaden behoben.
Übrigens scheint es nicht sehr weh zu tun, auf diese Weise ein Auge zu verlieren. Alter Lappen drauf und fertig.

An BECKY zerren drei Autoren…und jeder will wo anders hin

Becky kann zwar wie sich zeigt mühelos mit einer Pistole umgehen, als sie aber einen bewaffneten Gegner überwältigt, findet sie es nicht als nötig, dessen Knarre einzupacken, sondern bastelt lieber lustige Fallen aus Buntstiften und Wasserpistolen.

Egal, von welcher Seite man den Film betrachtet, abgesehen von einzelnen Szenen wirkt BECKY wie wenn drei Drehbuchautoren in drei Richtungen steuern wollten und am Ende nur Fetzen zusammenbrachten.
Und Kevin James? Der war zwar optisch kaum noch zu erkennen, wirkte aber dennoch viel sympathischer als er hätte sein dürfen.

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