Review: BRIMSTONE (2017)

brimstone
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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8.5/10 (6)

Darsteller: Guy Pearce, Dakota Fanning, Emilia Jones
Regie: Martin Koolhoven
Drehbuch: Martin Koolhoven
Länge: 143 min
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Veröffentlichung: 7. Juni 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Koch Media
FSK: ab 16

 

BRIMSTONE ist anders als die meisten hier vorgestellten Werke kein Horrorfilm, sondern ein Western. Zumindest spielt er in den USA des späten 19 Jahrhunderts. Aber wie in DAS FINSTERE TAL findet sich hier eine über Jahrzehnte erzählte Geschichte voller Erniedrigung, Brutalität und Rache.

Story:
Die stumme Hebamme Liz lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in einem kleinen Dorf.
Das Leben dort ist hart genug, doch eines Tages kommt ein neuer Reverend in das Städtchen. Der vermeintliche Mann Gottes scheint Liz aus einem früheren Leben zu kennen und hat noch eine Rechnung mit ihr offen….brimstone pearce

Wenn ein Film zweieinhalb Stunden dauert, besteht die Gefahr, dass er entweder nicht knackig erzählt wird oder sich Elemente wiederholen. In beiden Fällen könnte es dem Zuschauer schwer fallen bei der Sache zu bleiben. BRIMSTONE dauert zwar so lange, hat aber nicht nur eine ungewöhnliche Erzählstruktur, sondern auch die nötige Geschichte, um die Überlänge lässig zu füllen.

Erzählt wird BRIMSTONE nämlich in vier Kapiteln, die nicht chronologisch gezeigt werden, sondern mit dem erwähnten Einstieg beginnen, dann aber zwei Mal zurück springen, bevor alles in einem Showdown endet.

Bemerkenswert ist, wie alltäglich die Brutalität seiner Zeit dargestellt wird. Egal, ob Liz bei einer Geburt helfen soll, sich aber letztlich zwischen dem Leben der Mutter oder des Kindes entscheiden muss, sie als Kind ein Schwein schlachten muss oder die alltägliche Gewalt in einem Bordell gezeigt wird. All das (und einiges Mehr) gehört für die Menschen dazu, irritiert aber den Zuschauer, bevor die handlungsrelevante Grausamkeit dazu kommt.brimstone fanning

Und hier ist vor allem Guy Pearce (MEMENTO, THE ROVER) hervorzuheben, der ohnehin selten schwache Filme dreht, in BRIMSTONE aber einen grandiosen Bösewicht darstellt.
Das besondere an seiner Rolle, als Prediger ist er nicht einfach böse, sondern stützt jede seiner Missetaten auf den Glauben. Er wirkt damit nie unglaubwürdig, sondern wie ein Irrer auf einer Mission und jemand, der selbst die schrecklichsten Dinge mit einem Bibelzitat rechtfertigt.

Gegenspielerin Liz ist ihm hingegen in nahezu allen Belangen unterlegen. Er ist ein Redner, sie stumm; er ist ein Mann mit Ansehen, sie eine Frau in einer Zeit, als Frauen wenig zu sagen hatten.
Der Verlauf der Geschichte enthüllt weitere Gemeinsamkeiten bzw. Gegensätze, diese sollen an dieser Stelle aber noch nicht offenbart werden.brimstone harrington

Liz wird übrigens von Dakota Fanning und in jungen Jahren von Emilia Jones gespielt. Beide Darstellerinnen glänzen in ihrer Rolle, die sie als unbeugsames Opfer zeigt.

Dass das Werk bei all dem Negativen hin und wieder noch Platz für etwas Humor findet, ist alles andere als selbstverständlich, rundet aber das Paket ab…. Und da haben wir noch nicht mal über den fiesen Plottwist gesprochen, der dem Zuschauer am Ende den Verstand raubt.

Fazit:
Figuren, die man hasst oder liebt, aber zu denen man Emotionen aufbaut und eine harte, traurige Geschichte.
Richtig gut!

 

 

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