Review: BURIED (2010)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 10.0

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7.8/10 (9)

Darsteller: Ryan Reynolds, José Luis García Pérez, Robert Paterson
Regie: Rodrigo Cortés
Drehbuch: Chris Sparling
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Was braucht es um einen Film zu drehen? Bretter, Nägel, einige Schaufeln Sand, ein paar Lichtquellen, ein Handy und einen einzigen Schauspieler. Fertig!

Dieser eine Schauspieler ist Ryan Reynolds in der Rolle von LKW-Fahrer Paul Conroy, der sich nach einem Angriff auf seinen Hilfsgüter-Konvoy durch den Irak in einem Sarg unter der Erde wiederfindet. Es gibt keinen Ausweg und die einzige Möglichkeit mit der Außenwelt zu kommunizieren besteht in einem Handy, das ihm die Entführer hinterließen.

Die gesamte Handlung spielt in diesem Sarg und alle anderen Menschen außer Paul sind (mit Ausnahme eines kurzen Handyvideos) gesichtslose Stimmen am Telefon.
Es ist kaum zu glauben, dass Regisseur Rodrigo Cortés und Drehbuchautor Chris Sparling
denken, mit diesen mageren Zutaten einen Film über 90 Minuten füllen zu können und es ist noch unglaublicher ist, dass es ihnen gelingt.
buried ryan reynolds

Nachdem Paul versteht was mit ihm geschah, nutzt er das Handy, das in der Folge die wichtigste Rolle spielt, für verschiedene Dinge: Einerseits bemüht er sich um seine Befreiung indem er verschiedene US-Behörden kontaktiert. Er wird aber auch immer wieder von einem der Entführer angerufen, der Lösegeld fordert, welches Paul telefonisch besorgen soll.
Andere Anrufe gehen an Pauls Familie, von der er sich – mit dem Schlimmsten rechnend – verabschieden will.

Natürlich sind alle Gespräche von Pauls Angst geprägt, doch entstehen je nach Gesprächspartner Resignation, Wut, Ungläubigkeit und manchmal bleibt dem Zuschauer sogar ein Lachen im Halse stecken.

Langeweile kommt trotz des immer gleichen Handlungsorts nicht auf. Durch neue Wendungen, die für den Zuschauer stets nachvollziehbar bleiben wird die Geschichte stets voran getrieben. Wichtigster Faktor ist aber wohl die Intensität, die von der ersten Minute an da ist und -obwohl man denkt, dass sie nicht mehr gesteigert werden kann- dadurch noch erhöht wird, dass man Paul und sein ganzes Leben besser kennen lernt, sich in seine Situation hineinversetzen kann und gegen Ende genauso dringend wie er diesem dunklen, engen und beklemmenden Ort entkommen möchte.
buried

Für optische Abwechslung sorgen unterschiedliche Lichtquellen, die mal vom Handy, mal von einem Feuerzeug, aber auch von einer Taschenlampe mit Wackelkontakt oder einem Leuchtstab stammen, doch manchmal herrscht auch vollkommene Dunkelheit und für lange Sekunden lassen nur ein paar Geräusche Rückschluss auf die Ereignisse zu.

Hätte der Regisseur Pauls Gesprächspartner in ihrer jeweiligen Situation gezeigt, wäre BURIED ein komplett anderer Film geworden, doch was sich außerhalb des Sarges zuträgt, wissen wir nicht. Als Zuschauer sind wir so gefangen wie Paul und sehen nur was er sieht, teilen nur seine Sicht der Dinge.

Wie viele großartige Filme, hat auch BURIED nebenbei etwas zu sagen und übt harte Kritik. Auch wenn die Unterhaltung im Vordergrund steht, lässt sich kaum übersehen, dass man Paul zwar Hilfe verspricht, aber beinahe jeder Anruf darin endet, dass der Gesprächspartner inkompetent ist, eigene Interessen verfolgt, nicht über seinen bürokratischen Schatten springen kann oder Paul gar in den Rücken fällt.
Dies lässt zumindest über reale Geiselnahmen in Afghanistan und Irak nachdenken.

„Er kommt frei“ oder „Er kommt NICHT frei“ sind von Beginn an die einzigen möglichen Optionen wie der Film enden kann und trotzdem hält BURIED am Ende noch eine Überraschung parat.
Für alle Regisseure, die mit normalen Möglichkeiten mittelmäßige Filme abliefern, muss BURIED ein Schlag ins Gesicht sein. Dies ist ein Experiment, das in einem Meisterwerk endete und wieder einmal die derzeitige Vorherrschaft des spanischen Horrorfilms unter Beweis stellt.

Ein Film für das breite Publikum ist es wohl dennoch nicht, wie der erschreckend leere Kinosaal zeigte. Von stupiden Zahlen wie Einspielergebnissen sollte sich aber niemand abschrecken lassen. Ansehen!

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