Review: BURNING (2018)

burning
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7.5/10 (2)

Darsteller: Ah-in Yoo, Steven Yeun, Jong-seo Jun
Regie: Chang-dong Lee
Drehbuch: Chang-dong Lee, Jungmi Oh
Länge: 142 min
Land: ,
Genre: , , ,
Veröffentlichung: 11. Oktober 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Capelight
FSK: ab 16

Wo soll man bei einem Film wie BURNING beginnen?
Vielleicht bei ein paar Fakten.
Der Film stammt aus Südkorea, hat eine Laufzeit von etwa 2,5 Stunden, Autor und Regisseur war Chang-dong Lee, hat aktuell eine imdb-Bewertung von über 7.5 und konnte bereits über 40 Preise auf vielen renommierten Filmfestivals abräumen.

So weit, so klar…Schwammiger wird es, wenn man BURNING einem Genre zuweisen will. Ist dies ein Drama? Ein Mindfuck-Streifen? Mystery Movie? Ein Thriller?
Viel Glück beim Zuordnen!burning steven yeun

Klarer ist immerhin die Geschichte:
die handelt nämlich von Lee Jong-su, einem jungen Südkoreaner, der eines Tages Hae-mi wiedertrifft, die zu Kindertagen in seiner Nachbarschaft lebte. Es dauert nicht lange, bis beide im Bett landen, aber Hae-mi plant eine Afrika-Reise, während Jong-su ihre Katze füttert und ihre Widerkehr herbeisehnt.
Die Überraschung ist groß, als die Angebetete am Flughafen mit dem smarten Ben auftaucht, aber Jong-su macht gute Miene zum bösen Spiel….bis Hae-mi plötzlich verschwindet.

Das klingt zunächst nicht ungewöhnlich und in der Praxis gestaltet sich die erste Hälfte des Films auch wenig aufregend, es sind aber Details, die den Zuschauer nicht nur bei Laune halten, sondern verschiedene Fragezeichen ins Hirn drehen.
Das beginnt mit Hae-mis Katze, die Jong-su nie zu Gesicht bekommt, obwohl es in dem kleinen 1-Raum-Apartment wenig Orte zum Verstecken gibt.
Es setzt sich fort mit dem Geständnis Bens, der berichtet, dass er gerne leerstehende Gewächshäuser niederbrennt, was sich mit einem Vorfall aus Jong-sus Vergangenheit überschneidet und trotzdem nicht zusammenpasst.
burning rezension
Tatsächlich enthält BURNING diverse Augenblicke, die nicht zusammenzupassen und ins Leere zu laufen scheinen.  Vielleicht ist das teilweise so und offen gestanden haben wir nicht für jede Szene eine Erklärung, allerdings macht das Werk nie den Eindruck, als wäre etwas planlos und beliebig entstanden.
Vielmehr drückt sich BURNING gerne in Metaphern aus.

Zwar ist Chang-dong Lees Film nie so abgedreht wie das, was man vom Kollegen David Lynch (MULHOLLAND DRIVE, LOST HIGHWAY) kennt, es wäre aufgrund von Kameraführung, Musik und anderen Stilmitteln aber nicht verwunderlich, wenn Lee Lynch-Fan wäre.
Allerdings sind Lynchs Filme häufig schnell als experimentelle Kunstfilme zu erkennen, wohingegen BURNING der Wahnsinn nicht direkt anzumerken ist.

Nicht nur die Story ist rätselhaft, der Film ist ein Rätsel. Das bleibt er über das Ende hinaus und das muss man nicht mögen. Ebenso wenig die unaufgeregten Locations nahe der nordkoreanischen Grenze, die so wenig prunkvoll sind, wie der Rest des Werks. Addiert man dazu manche überlange Szenen, die oft nicht mehr tun, als die Tristesse zu unterstreichen, dürfte manchem Betrachter ein „Langweilig“ schnell über die Lippen kommen.
burning review
BURNING ist kein Film fürs breite Publikum. Weder kann, wie schon angesprochen, eine klare Genrezuordnung getroffen werden, noch wird hier ein Feuerwerk abgebrannt.
Stattdessen sehen wir beispielsweise lange Dialoge der drei Hauptfiguren vor einem besonderen Sonnenuntergang. Eine Szene, die nicht nur über einen Monat Drehdauer in Anspruch nahm, sondern auch die gleiche Ruhe ausstrahlt, die die ganzen 142 Minuten Film ausmachen.

Achtung kleiner SPOILER: BURNING wirkt phasenweise wie einer der „Twist-Filme“ wie THE SIXTH SENSE oder SHUTTER ISLAND und je nach Sichtweise mag man es als Überraschung ansehen, dass er falsche Fährten legt, dann aber andere Wege beschreitet. SPOILERENDE

Horror/Terror/Thrill findet nur in Jong-sus Kopf statt und auch das lässt sich nur erahnen.
Als er Hae-mi mit Ben am Flughafen trifft, hofft er noch sie für sich zu haben, lässt sich seine Enttäuschung aber kaum anmerken.
Auch als sie verschwindet, wirkt er mehr ratlos als verzweifelt oder wütend und da BURNING noch weniger erklärt als er zeigt, lässt er uns auch die Intentionen seiner Hauptfigur nicht greifen.

Ah-in Yoo, der diese Figur glaubwürdig als einfacher Junge vom Lande verkörpert, konnte zwar in der Heimat bereits viele Preise gewinnen, dürfte aber nur wenigen Europäern ein Begriff sein. Anders als Ben-Darsteller Steven Yeun, den viele als Glenn in THE WALKING DEAD kennen.

Fazit: Man sollte mit offener Einstellung, ohne bestimmte Erwartung und der nötigen Gelassenheit an BURNING herangehen. Wer handelsübliche Spannung erwartet, ist hier verloren; wer sich aber auf sanfte Weise den Verstand verbiegen lassen will, genau richtig.

 

 

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