Review: COME TO DADDY (2019)

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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8.5/10 (2)

Darsteller: Elijah Wood, Stephen McHattie, Garfield Wilson
Regie: Ant Timpson
Drehbuch: Toby Harvard, Ant Timpson
Länge: 91 min
Land: , , ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 29. Mai 2020 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Splendid
FSK: ab 18

COME TO DADDY ist einer jener Filme, die vermutlich keine Unsummen einspielen, der aber von Menschen geschaffen wurde, die das Genre kennen und lieben und auch für solche gedreht wurde.
2019 lief der Streifen auf dem Fantasy Filmfest, was gut passte, denn hier treffen schräge Charaktere auf rohe Gewalt.

Story:
30 Jahre lang hat Norval seinen Vater nicht mehr gesehen, dann erhält er plötzlich einen Brief, in dem ihn dieser bittet, ihn in seinem abgelegenen Haus an der Küste zu besuchen.
Das Wiedersehen zwischen dem knorrigen Alten, der die Familie einst im Stich ließ, und Hippster Norval verläuft erwartungsgemäß nicht ganz rund und dass Norvals Goldhandy ins Wasser fällt oder die ein oder andere Lüge ausgetauscht wird, ist dabei noch das kleinste Problem, denn es dauert nicht lange, bis sich in der Einsamkeit die Ereignisse überschlagen.come to daddy kritik

Von Liebhabern für Liebhaber

An COME TO DADDY sind vor und hinter der Kamera Menschen beteiligt, die dem Horrorfilm schon lange nahestehen.
Da ist zum Beispiel Stephen McHattie, Hauptdarsteller aus PONTYPOOL und Nebendarsteller in unzähligen weiteren kanadischen Horrorfilmen.
Da ist Elijah Wood, der lange seinen Hobbit-Ruf abgelegt hat und auffallend oft in Genre-Produktionen (MANIAC, THE FACULTY, COOTIES) zu sehen ist (die er teilweise auch selbst produziert).
Da ist Toby Harvard, Autor des ultra-schrägen THE GREASY STRANGLER. Und zuletzt ist da Ant Timpson, Produzent von Perlen wie HOUSEBOUND, TURBOKID und DEATHGASM, der hier sein Regiedebüt gibt.

Gerade in der ersten Filmhälfte ist Harvards Einfluss zu bemerken, wenn sich das ungleiche Vater-Sohn-Gespann Wortduelle liefert, die manchmal viel über die Figuren verraten (so geben beide vor Elton John nahe zu stehen), manchmal aber auch nur ein plumpes Hin- und Herspielen von Beschimpfungen sind („Fick dich“, „Fick du dich“, „Nein, fick du dich“), wie man das aus THE GREASY STRANGLER kennt.
Uns ist nicht bekannt, welche offenen Baustellen der Autor mit seinem Vater hat, aber eine Familientherapie scheint angebracht.
come to daddy rezension
Dieser Teil des Films ist noch recht ruhig und dialoglastig und mit einigen humoristischen Einlagen durchzogen. Wood und McHattie, die Sohn und Vater mimen, machen ihre Sache gut und agieren als einzige Figuren kammerspielartig  vor einer Postkartenkulisse (gedreht wurde in Kanada), zunächst ist aber noch wenig davon zu bemerken, dass der Film in der zweiten Hälfte ein paar Schippen Härte zulegt.

Bevor wir darüber sprechen, begegnen uns aber verschiedene Twists, daher sei ausdrücklich vor SPOILERN gewarnt.

Wenn klar wird, in welchem Verhältnis die beiden zueinander stehen, fühlt man sich kurz an THE VISIT erinnert, aber sei‘s drum, denn sofort schlägt COME TO DADDY den nächsten Haken und gewinnt gleichzeitig an Fahrt.
Stellenweise erinnert die Geschichte an alte Lucasarts Adventurespiele wie MONKEY ISLAND oder MANIAC MANSION, wo sich die Helden mit skurrilen Charakteren unterhalten mussten oder diese ablenken mussten, um zu ihrem Ziel zu gelangen.
Verzehrte Ohren, Fleischgabeln im Schritt und blutige Angriffe mit Bonspießen fanden sich darin aber nie.

Nicht perfekt, aber…

COME TO DADDY macht Spaß, er ist aber nicht perfekt.
Dass vorderer und hinterer Filmteil nicht wie aus einem Guss wirken, ist dabei sicher noch Geschmacksache, dass verschiedene kleinere Subplots angerissen, aber nie wieder aufgegriffen werden, muss aber wohl der Unerfahrenheit des Regisseurs oder einem Denkfehler im Drehbuch zugeordnet werden.
So findet sich eine bemerkenswerte Parallele zwischen einem Selbstmordversuch Norvals und einer anderen Person, auf die aber nie weiter eingegangen wird. Auch die seltsame Beziehung Norvals zu einer Bestatterin, die er in einer einsamen Nacht anruft und bittet, zu ihm zu kommen, verläuft im Nichts. come to daddy mchattie

Aus einem neutralem Winkel betrachtet, weist der Film somit einige Mängel im Storytelling auf, kann aber gleichzeitig mit guten Wendungen punkten und ist alles andere als 08/15, was ich ganz subjektiv höher werte, als dass mich die losen Enden im Skript stören.

In jedem Fall ist COME TO DADDY ein überdurchschnittlicher Film, der all jenen empfohlen werden kann, die seltsame Dialoge und ungewöhnliche Figuren mögen.

 

 

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