Review: DER UNSICHTBARE (2020)

der unsichtbare whannell
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.0

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5/10 (1)

Darsteller: Elisabeth Moss, Oliver Jackson-Cohen, Harriet Dyer
Regie: Leigh Whannell
Drehbuch: Leigh Whannell
Länge: 125 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 28. Februar 2020 (Kino)
Verleih/ Vertrieb: Universal
FSK: ab 16

 

Drei Jahre vor DER UNSICHTBARE plante Universal Pictures seine klassischen Horrorfilmmonster wieder aufleben zu lassen und schickte mit Tom Cruise besetzt als erstes DIE MUMIE ins Rennen.
Da weder Cruise noch Regisseur Alex Kurtzman viel von Horror verstehen, blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück und das Gruseluniversum war gestorben, bevor es sich entfalten konnte.

So ganz gestorben aber eben doch nicht, denn statt auf eine zusammengehörige Reihe a la AVENGERS zu setzen, sollen es nun Einzelfilme werden und da man aus den Fehlern der Vergangenheit lernte, wurde als verantwortlicher Autor und Regisseur Leigh Whannell für DER UNSICHTBARE beauftragt.der unsichtbare 2020 review

Story:

Mit größter Mühe entkommt Cecilia einer toxischen Beziehung und muss sich dafür wortwörtlich aus dem Haus des Wissenschaftlers Adrian schleichen. Der Zurückgelassene begeht kurz darauf Selbstmord und Cecilia erbt eine größere Summe Geld. Aber während sie versucht, sich ein neues Leben aufzubauen ereignen sich plötzlich seltsame Dinge in ihrer Umgebung.
Hat Adrian einen Weg gefunden seiner Ex über den Tod hinaus das Leben zur Hölle zu machen?

Das Positive zuerst:

Leigh Whannell ist natürlich Horrorexperte und nachdem er jahrelang den Kollegen James Wan mit Drehbüchern versorgte (SAW, INSIDIOUS, DEAD SILENCE) übernimmt er inzwischen gerne selbst die Regie. Der irrwitzige UPGRADE funktionierte nicht nur prächtig, sondern schlug aufgrund seines Sci-Fi-Einschlags auch in eine ähnliche Kerbe wie DER UNSICHTBARE.

Die ein oder andere Szene ist dementsprechend ordentlich gruslig und zeigt sich in Form von Suspense, was heutzutage eine eher verlorene Kunst ist.
So weiß der Zuschauer beispielsweise lange vor Cecilia, dass der titelgebende Unsichtbare in der Nähe ist, als hinter ihr eine Atemwolke in der kalten Nachtluft zu erkennen ist.
Die jeweiligen Szenen (auch als Cecilia schon ahnt, was gespielt wird), zünden daher.

Grundsätzlich ist DER UNSICHTBARE auch ein handwerklich professioneller Film.

Das Negative

Der Film steckt voller Plot- und Logiklöcher, so dass man sich fragt, ob Whannell das Drehbuch noch selbst verfasst hat oder inzwischen Kevin aus der 8a sein Ghostwriter ist.

Dass nicht erklärt wird, warum Cecilia nicht tagsüber durch die Vordertür geht, sondern sich mühsam nachts „abseilt“, ist nicht schlimm.
Dass man nie erfährt, in welchem Zusammenhang sie zu James und seiner Tochter Sydney steht, bei denen sie unterkommt, kann man auch entschuldigen.
Warum Cecilia (offenbar über Monate) mit Teenagerin Sydney ein Bett teilen muss, scheint seltsam, aber kann vernachlässigt werden.
Dass sich Adrian das Leben nimmt, ohne das mal einer genauer hinsieht; keiner fragt, was mit dem gemeinsamen Hund, geschweige denn dem Haus passiert, ist schon dubioser.

Es wird aber immer abstruser (ab hier folgen SPOILER):
Offenbar kann der Unsichtbare weite Strecken zurücklegen und man würde denken, dass ein scheinbar von Geisterhand fahrendes Auto Fragen aufwirft. Auch interessant, dass der durchsichtige Ex gerne mit Handy reist (was man eben so macht, wenn man sich totstellen will) und das im Haus seines Opfers positioniert.
Als Cecilia den Unsichtbaren in einem Kampf verletzt, wird dessen Spezialanzug ab und zu sichtbar, allerdings nur dann, wenn es ins Drehbuch passt, also immer, wenn niemand anderes in der Nähe ist, so dass der Bösewicht ein halbes Dutzend Polizisten ausschalten kann, bevor er aus einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt entkommen kann, wo es außer Cecilias Zellentür keine geschlossenen Türen gibt!!!
der unsichtbare kritik
Die Aufzählung der klaffenden Logikrisse ließe sich noch lange fortsetzen, aber die Lage ist klar:
hier wurden lieblos eine Reihe von teils spannenden, teils öden Einzelszenen aneinandergeheftet ohne dass wer überprüfte, ob sie zueinanderpassen.

Schade eigentlich, denn den Ex zum unsichtbaren Stalker zu machen, ist eine nette und zeitgemäße Variante des alten Universal-Streifens von 1933, aber auch verwandter Filme wie HOLLOW MAN oder John Carpenters JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN.
Auch gibt Cecilia-Darstellerin Elisabeth Moss, die nicht die typische Hollywood-Schönheit ist und aussieht, als hätte sie seit Monaten nicht geschlafen, eine ordentliche Hauptfigur auf dem Grat zwischen Heldin und Irrer.

Apropos Schlaf, eine der Schwächen von DER UNSICHTBARE ist seine Laufzeit von über zwei Stunden, was für diese Art Film zu lange ist. Dass das auch andere so empfanden, zeigte sich im Kino, als nach kurzer Zeit Gespräche laut wurden, Handys flackerten und ein leichtes Schnarchen zu vernehmen war.

Fazit:
DER UNSICHTBARE ist nicht ohne Lichtblicke, aber bietet zu wenig Action für Teenies und zu wenig Verstand für Erwachsene.

 

 

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