Review: DIE STOCKHOLM STORY – GELIEBTE GEISEL (2019)

DIE STOCKHOLM STORY – GELIEBTE GEISEL
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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Darsteller: Ethan Hawke, Noomi Rapace, Mark Strong
Regie: Robert Budreau
Drehbuch: Robert Budreau
Länge: 88 min
Land: ,
Genre: , ,
Veröffentlichung: 05. Dezember 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Koch Media
FSK: ab 12

Der Begriff „Stockholm Syndrom“ geistert durch diverse Filme und wird gerne mal erwähnt, wenn es um Geiselnahmen geht. Bekannt ist auch, dass sich in einem Fall die Opfer einer Geiselnahme mit den Tätern verbündeten, was genau dahinter steckt und wie es dazu kam, ist aber wenig verbreitet.
DIE STOCKHOLM STORY – GELIEBTE GEISEL sorgt für Abhilfe.

Schweden, 1973.
Ein Bankräuber kommt in die größte Bank des Landes, hält verschiedene Mitarbeiter gefangen, verlangt die Freilassung eines inhaftierten Straftäters, noch mehr Geld und einen Fluchtwagen.
Während die Polizei ihre Möglichkeiten abwägt, kommen sich Opfer und Täter näher.DIE STOCKHOLM STORY review

Teilweise mag man es kaum glauben, aber DIE STOCKHOLM STORY ist mal wieder ein Fall, der nicht nur behauptet auf Tatsachen zu beruhen, sondern es auch tut. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Macher des Films nicht ein paar Freiheiten genommen hätten. Statt der drei Geiseln im Film, waren beispielsweise in der Realität vier in der Gewalt der Räuber.
Dabei mutet nicht nur die Beziehung zwischen den Beteiligten absurd an, sondern der gesamte Überfall.

Ob Jan Erik Olsson wirklich im Cowboykostüm in die Bank spazierte, können wir nicht bestätigen, dass er mit einer automatischen Waffe um sich schoss, zwei Polizisten verwundete und den bekannten Verbrecher Clark Olofsson aus dem Knast freipresste, der bis dahin von seinem Glück gar nichts wusste, stimmt hingegen wirklich.
DIE STOCKHOLM STORY – stockholm syndrom
Im Film weiß man zunächst nicht, wie ernst die Situation zu nehmen ist, denn Ethan Hawke, der Olsson spielt, verleiht der Rolle eine Albernheit, die deplatziert erscheint.
Hawke ist ein guter Schauspieler, aber kein großer Komiker und vermutlich war den Menschen in der Bank seinerzeit auch wenig nach Lachen zumute. Dass er im Laufe des Films ernster wird, ist zwar einerseits der richtige Weg, ändert dann aber nochmals den Ton.

Sein wichtigster Gegenpart ist eine Bankangestellte namens Bianca. Die wird von Noomi Rapace gespielt. Auch Bianca wirkt anfangs weniger ängstlich, als das zu erwarten wäre und rät ihrem Mann sogar noch, was er zuhause essen und den Kindern erzählen soll. Allerdings wird in ihrem Fall immerhin noch ihre Ehe durchleuchtet, was später eine gewisse Rolle spielt.

Dann ist da noch der undurchsichtige Olofsson (Mark Strong), ein verurteilter Straftäter, der mit Olsson zusammenarbeiten soll, aber auch von der Polizei instrumentalisiert wird.
Aus diesem Charakter wäre wohl noch mehr rauszuholen gewesen, als es Regisseur/Autor Robert Budreau gelingt.
DIE STOCKHOLM STORY
Während sich die beiden Männer mit ihren Geiseln in einen Tresorraum zurückziehen und ihre Forderungen stellen, versucht die Polizei natürlich alles, um die Situation gewaltfrei zu beenden. Taktiert wird auf beiden Seiten und das ist auch durchaus unterhaltsam. Ein Stück weit lässt sich nachvollziehen, weswegen Geiseln und Täter sich verbünden, allerdings wird das Entstehen des Stockholm Syndroms aus psychologischer Sicht nicht so durchleuchtet, wie man das erwarten könnte.

DIE STOCKHOLM STORY ist kein schlechter Film und sofern man hier keinen knallharten, superernsten und gewalttätigen Thriller erwartet, kommt auch nie Langeweile auf. Man kann die Beweggründe der jeweiligen Seiten erahnen, es wäre aber schön gewesen, noch tiefer in die Psychen der Beteiligten zu blicken.
So wie die Figuren mal mehr, mal weniger ernst dargestellt werden, klemmt es mit der Inszenierung an manchen Stellen und während die schrägen Ereignisse für sich sprechen, hätte der Streifen noch deutlich besser sein können.

 

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