Review: FINALE (2018)

finale kritik
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4.5

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6/10 (1)

Darsteller: Anne Bergfeld, Karin Michelsen, Damon Younger
Regie: Søren Juul Petersen
Drehbuch: Carsten Juul Bladt, Søren Juul Petersen
Länge: 99 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 05. Juni 2020 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Pierrot Le Fou
FSK: ab 18

Wer macht heute eigentlich noch Torture Porn?
Offensichtlich Dänemark, das Herkunftsland von FINALE.
Und kann man überhaupt von „noch“ sprechen? Immerhin liegt der Anfang der letzten Welle rund 15 Jahre zurück. Startet hier etwa ein (alter) neuer Trend?finale review

Story:
Es ist ein ruhiger Abend an der abgelegenen Tankstelle, in der Agnes und Belinda arbeiten. Das dänische Fußballteam hat es ins Finale geschafft, was bedeutet, dass kaum jemand unterwegs ist. Trotzdem verirrt sich manche skurrile Gestalt in den Laden und als Belinda glaubt, eine gefesselte Frau in einem Auto gesehen zu haben, ist das nur der Anfang einer Nacht voller Schrecken und Gewalt.

Erinnerungen an HIGH TENSION und SPLINTER

Dass eine Tankstelle ein guter Ort für einen Horrorfilm sein kann, weiß man aus einer längeren Szene in HIGH TENSION, mehr aber noch aus SPLINTER.
Der Verfasser dieser Zeilen hat selbst manche Spätschicht an der Tanke hinter sich und weiß, welches Gesockse sich dort teilweise herumtreibt. Daher ist der Ansatz des Films gar nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern hätte eigentlich Stoff für einen guten Thriller geboten.
Das tut FINALE dann auch erst mal und es ist nicht schlimm, dass ein paar Personen auf der Bildfläche erscheinen und wieder verschwinden, die nicht weiter relevant sind, auch das kennt man von echten Tankstellen.
Die Art und Weise, wie sich Kleinigkeiten (beispielsweise ein Luftprüfgerät, das mehrfach am falschen Platz steht) zu einem unguten Gefühl und schließlich zur Angst entwickeln, ist nachvollziehbar dargestellt.finale rezension

Nur schienen Regie- und Drehbuchdebütant Søren Juul Petersen irgendwann die Ideen auszugehen, was dazu führt, dass er nicht nur den Thrill-Anteil runterfährt und zum Torture Porn übergeht, sondern dass schon in der Tankstelle kurze Szenen zu sehen sind, was den beiden Frauen als nächstes widerfährt.
Nun kann man sagen, dass er mit dieser Vorschau den Zuschauer auf die kommenden Ereignisse einstimmen wollte, statt sie ins kalte Wasser zu werfen, man kann aber nur hoffen, dass diese Technik nicht zur Mode wird.finale

Von allem etwas (zu wenig)

In jedem Fall folgt der langweiligste Teil von FINALE, bei der ein als Clown verkleideter Herr Agnes und Co. nach Strich und Faden foltert.
Was die alberne Maskerade soll, wird nicht erläutert, aber das Ganze findet vor einer johlenden Internetmenge statt, die offensichtlich statt des Fußballfinals lieber Menschen sterben sehen will.
Das ist handwerklich keine Katastrophe, bietet aber auch nichts, was man nicht schon (besser) gesehen hätte, ist weder humorvoll noch ernst zu nehmen und zieht sich. Klar tut es weh eine Tackernadel in die Nase zu kriegen, aber wenn das Torture Porn 2020 ist, sind 90 Minuten Fußball mehr Schmerz.
Letztlich muss die Frage erlaubt sein, an wen sich FINALE richtet. Wer Spannung sucht, wird vom Mittelteil enttäuscht sein, wer stumpfes Geschlachte will, muss lange warten und kriegt doch nur ein Filmdrittel davon.

Fazit: FINALE ist keine Katastrophe, wirkt aber uninspiriert und enthält von allem zu wenig.
Ein neuer Torture Boom wird daraus nicht entstehen.

Finale (2018) on IMDb

 

 

 

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