Review: HIS HOUSE 2020

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7,5

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10/10 (1)

Darsteller: Sope Dirisu, Wunmi Mosaku, Javier Botet, Matt Smith
Regie: Remi Weekes
Drehbuch: Felicity Evans, Toby Venables
Länge: 93 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 30. Oktober 2020 (Netflix)

Neben einer weltweiten Pandemie ist auch die Flüchtlingspolitik unser ständiger Begleiter. Es scheint manchmal, als gäbe es nur diese beiden Gesprächsthemen und nicht selten trennen die Gesprächspartner Welten in ihren Ansichten. Der noch recht unbekannte Filmemacher, Remi Weekes, hat sich dem Thema der Flüchtlinge angenommen und in einem Genremix umgesetzt.

Story

Das Flüchtlingspaar, Bol und Rial, macht eine erschreckende Flucht aus dem vom Krieg heimgesuchten Südsudan durch. In London angekommen, bemühen sie sich, sich an ihr neues Leben in einer englischen Stadt anzupassen. Schon bald beginnt der neue Anfang zu einer üblen Odyssee des Schmerzes zu werden.

Zurück auf Anfang

Bol und Rial landen in einer Flüchtlingsunterkunft und warten auf das Urteil der Beamten, die darüber entscheiden ob das Paar in London bleiben darf oder zurück in den Südsudan geschickt wird. Überraschend bekommen die beiden ein Haus zugewiesen und müssen mit der Einhaltung verschiedener Auflagen beweisen, dass sie gute Menschen sind, ehe eine Einbürgerung stattfinden kann.

Wir sehen ein paar Schnitte, die den harten Seeweg des Paares zeigen, ebenso, dass sie Eltern einer Tochter sind, die die Flucht nicht überlebt hat. Den berühmten Kloß im Hals hat man hier von Beginn an. Die Beamten, in ihrem feinen Zwirn, welche hier mit übler Arroganz über das Leben von Menschen entscheiden können, wirken absichtlich  überzeichnet und lassen noch mehr Raum für Mitgefühl.

Neues Haus neues Leben

Ein eigenes Haus, groß aber heruntergekommen. Trotzdem überwiegt die Freude bei dem Paar, denn sie haben ein festes Zuhause und die Chance, es dauerhaft zu besitzen.

Schnell zeigt sich, dass Bol nicht nur mehr Bereitschaft dazu zeigt, sich zu integrieren und anzupassen, er will dies mit aller Kraft und betont es gegenüber seiner Frau unentwegt. Ohne Berührungsängste besucht er eine Bar oder wird eingeladen eine Kirchenmission zu besuchen. Rial hingegen verkriecht sich im Haus, geht erst nach Tagen nach draußen und erhält Anfeindungen anstatt Willkommensrufe.

Der Unterschied zwischen dem Paar ist schnell zu erkennen, während Bol sich in eine neue Zukunft stürzt und angepasst leben will, hängt Rial noch in der Vergangenheit und ist nicht bereit, ihre Wurzeln aufzugeben.

Schatten der Vergangenheit

Rial bemerkt, dass etwas im Haus ist und das Paar zwingen möchte, zu gehen. Die beiden werden von scheinbar bösen Geistern geplagt und bedroht. Bol findet sich in Visionen wieder, die seine dramatische Flucht porträtieren und zeigen, was er mit aller Macht zu unterdrücken versucht.

Klar betont werden muss, dass es sich hier nicht um ein rein politisches Flüchtlings-Drama handelt. Der Horror betritt die Bühne, wenn das Haus sich beginnt, zu verändern und Rial eine Geschichte ihrer Großmutter erzählt, die von einem Dieb handelt, der verflucht wurde.

Geister, Hexenmeister, Jump Scares und andere schockierende Schrecken geben schnell das Tempo an, in dem es in den Endspurt geht.

Die Horrorelemente sind keine, die man bisher nicht gesehen hat, auch manche der Monster erinnern etwas an Computer-Spiel-Animationen. Dass das kaum stört, liegt an der guten Geschichte, geschicktem Timing, fabelhafter Kameraarbeit und zwei Hauptdarstellern, die mit viel ansteckender Emotionen um ihr Leben spielen.

(Eine Schauergestalt aus HIS HOUSE  ist uns sogar recht bekannt und wird von Javier Botet gespielt.)

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Unverhofft kommt oft

Hat man das letzte Drittel erreicht, wiegt man sich in arroganter Sicherheit, das Thema des Films vollkommen durchschaut zu haben. Hochmut kommt bekanntlich aber vor dem Fall und so hält HIS HOUSE noch einen Twist bereit, den man als einen der besten in diesem Jahr betiteln kann.

HIS HOUSE bedient Genre wie Drama, Thriller, Mystery, Gesellschaftskritik und Horror, steht sich dabei aber nie im Weg. Entstanden ist ein glaubhafter Horrorfilm, wie oft kommt das schon vor? Der thematisch zwar aktuell ist, den angedeuteten Zeigefinger aber schnell wieder senkt und eine sauber inszenierte gruselige Geschichte erzählt.

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