Review: HOTEL MUMBAI (2018)

hotel mumbai
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.5

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Darsteller: Dev Patel, Armie Hammer, Nazanin Boniadi
Regie: Anthony Maras
Drehbuch: John Collee, Anthony Maras
Länge: 118 min
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Veröffentlichung: 25. Oktober 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Universum
FSK: ab 16

Im Herbst 2008 ereigneten sich im indischen Mumbai eine Reihe Terrorattentate, die die Stadt tagelang in Atem hielten und 174 Opfer forderten. Ein zentraler Punkt war dabei das Luxushotel Taj.
HOTEL MUMBAI schildert die damaligen Ereignisse.

Vorab sollten wir erwähnen, dass dies kein gutgelaunter Thriller oder gar Horrorfilm ist, wie wir sie im Tagesgeschäft oft aufgreifen, aber der Film lief auf dem Fantasy Filmfest und wie schon öfters erwähnt, liegt man mit deren Programmauswahl selten verkehrt.
Hotel-Mumbai-Film
Hinzu kommt, dass HOTEL MUMBAI den Eindruck erweckt, nah an der Wahrheit zu sein, sogar authentische Videoaufnahmen einbaut, und trotzdem unglaublich spannend dargestellt wird.
Das ist aufgrund der Vielzahl der Ereignisse und beteiligten Personen gar keine Selbstverständlichkeit, sondern bedurfte viel inszenatorisches Geschick des Teams um Kopf Anthony Maras (Regisseur, Buchautor, Produzent).

Erzählt werden die Ereignisse sowohl aus Sicht der Täter, wie auch Opfer und Polizeikräfte. Zwar macht sich der Film nicht die Mühe tief in den Tatmotiven zu wühlen oder gar eine vernünftige Rechtfertigung zu liefern, wer mit automatischen Waffen auf Andersgläubige schießt, hat aber sicher auch jedes Recht auf Verständnis verloren.
Andererseits benennt HOTEL MUMBAI auch keine Helden. Einige Figuren werden uns zwar auf sympathische Weise nähergebracht, letztlich findet man aber nur Opfer: überlebende Opfer und tote Opfer.
hotel mumbai rezension
Entsprechend trostlos und brutal ist die Atmosphäre des Films, der mit einer Reihe von Kontrasten beginnt und hier die Vorbereitungen der schwer bewaffneten Terroristen zeigt, dort die friedliche Betriebsamkeit des Hotels; hier die Slums der Stadt, dort den immensen Luxus des Taj und seiner Gäste.
Diese Szenen sind kein Zufall, denn auch den Familien der Terroristen wird Geld versprochen und als die jungen Männer eine Frau ermorden, die sich im Bad einschließt, und anschließend eine -für uns- gewöhnliche Toilette bestaunen, ist dies nicht nur absurd, sondern zeigt auch, aus welchen Verhältnissen sie stammen müssen.

Bis auf eine Szene zeigen sich diese Männer erbarmungslos und als willenlose Sklaven ihres Glaubens und der Hintermänner von denen sie die Befehle erhalten.
Auf der anderen Seite stehen die Gäste und Angestellten, die sich verstecken, teilweise versuchen zu ihrer Familie in einem anderen Teil des Gebäudes zu gelangen oder einfach nur einen Weg nach draußen suchen, bevor die Killer sie finden.

Dieses Katz- und Mausspiel setzt Regisseur Maras perfekt in Szene, sodass man bei aller Realitätsnähe immer wieder Momente vorfindet, die zum Nägelkauen animieren.
Ein mehrfach auftretendes Motiv ist beispielsweise dem Zuschauer mehr Wissen zu geben als den Figuren. So sehen wir Terrorist und Opfer durch die Hotelflure schleichen, manchmal nur von einer Raumecke getrennt, ohne dass die voneinander wissen.
Doch dies ist eben nicht STIRB LANGSAM und auch wenn es heroisch anmutet, dass verschiedenen Servicekräfte im Taj bleiben, um die Gäste zu schützen, bleibt der Film nahezu ohne Klischees oder kitschige Last-Minute-Rettungen.
hotel mumbai review
Aus Sicht der Terroristen muss man leider sagen, dass die Anschläge ein voller Erfolg waren, aber glücklicherweise vermeidet es der HOTEL MUMBAI daraus eine pauschale Anti-Islam-Propaganda zu stricken, so wie er auch das Versagen der Sicherheitskräfte im Hintergrund lässt.

Positiv ist auch zu erwähnen, dass die Gewalt, die zwangsläufig großer Bestandteil eines solchen Films ist, nicht zum Selbstzweck verkommt. Wir sehen wie Menschen planvoll hingerichtet werden, auf der Flucht in den Rücken geschossen werden oder in Panik aus den oberen Stockwerken springen, aber in vielen Situationen verzichtet der Film darauf mehr als nötig davon ins Bild zu holen.

Wie erwähnt begleitet die Geschichte verschiedene Figuren durch die mehrere Tage andauernden Schrecken. Darunter zwei Polizisten, einen Angestellten, zwei Backpacker, einen reichen Russen, eine Schauspielerin und ihre Familie samt Baby und eben auch die Attentäter. Dadurch gibt es nicht DEN Hauptdarsteller, aber jeder der Charaktere spielt seinen Part überzeugend.

Fazit:
Kaum zu glauben, dass dies Anthony Maras‘ erster Langfilm ist.
HOTEL MUMBAY ist eine intensive und runde Leistung, die man sich ansehen sollte.

 

 

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