Review: LET US PREY (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.5

Please rate this

8.1/10 (46)

Darsteller: Liam Cunningham, Pollyanna McIntosh, Bryan Larkin
Regie: Brian O'Malley
Drehbuch: David Cairns Fiona Watson
Land:
Genre: , ,
FSK: ab 18
FSK: SpioJK: keine schwere Jugendgefährdung

Wenn ein Regisseur seinen ersten Spielfilm veröffentlicht, mag man mit den Problemen eines Anfängers rechnen. Vielleicht ist noch nicht alles so rund, nicht so perfekt wie es sich ein Major-Studio wünschen würde, aber gerade im Brutal-Bereich sind es oft die ersten ein oder zwei Filme, die diese jungen Wilden stark machen, ob es nun die ältere Generation Sam Raimi / Peter Jackson war oder die gerade erst ruhiger werdenden Pascal Laugier (MARTYRS) oder Alexandre Bustillo und Julien Maury (INSIDE).
Auch Brian O’Malleys Horrorfilm LET US PREY hat ein paar ungehobelte Kanten und haut mächtig auf die Kacke, weswegen die ungeschnittene Version den Segen der SPIO/JK abholen musste.

let-us-prey

Inhalt:

Es ist die erste Nacht im Dienst für Polizistin Rachel und noch bevor sie ihren Arbeitsplatz erreicht, wird sie Zeugin wie ein Raser einen Mann überfährt. Das Opfer ist verschwunden, doch Rachel nimmt den jungen Bleifuß mit auf die Wache.
Dort ist der Empfang eisig. Die Kollegen freuen sich nicht auf sie, doch das ist noch ihr geringstes Problem, denn nach kurzer Zeit ist auch das vermeintliche Opfer gefunden und wird auf die abgelegene Polizeiwache der schottischen Kleinstadt gebracht. Zunächst schweigt der Mann, doch als er den Mund öffnet, beginnen alle zu begreifen, dass er schreckliche Dinge weiß und aus einem bestimmten Grund da ist.

LET US PREY verliert keine Zeit. Schon der Vorspann überzeugt durch Bilder und den pulsierenden Score, auf den auch John Carpenter stolz wäre, viel Atmosphäre.
Wie Carpenters ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT spielt auch LET US PREY vor allem auf der Polizeiwache, damit enden dann aber auch offensichtliche Parallelen.

let us prey

Rachel wird gespielt von Pollyanna McIntosh, die allmählich zur Scream Queen wird, aber nicht in der Kategorie „hübsches Dummchen“ sondern eher wie eine Sigourney Weaver und wie in THE WOMAN erneut eine starke Frau verkörpert, die auch physisch Präsenz zeigt.
Der Unbekannte, der im Film nur „Six“ genannt wird, weil das die Zelle ist, in die man ihn sperrt, ist Liam Cunningham, bekannt aus DOG SOLDIERS oder auch GAME OF THRONES.
Six ist die Schlüsselfigur des Films und das nicht nur, weil sich der ambivalente Charakter schwer einschätzen lässt (und bis zum Ende ohne klare Definition bleibt), sondern weil es leicht gewesen wäre, jemanden für diese Rolle zu besetzen, der durch zu viel Show und Overacting die Bedrohung, die von ihm ausgeht, zerstört. Liam Cunningham tut dies nicht, sondern lässt ihm all die Würde und verfällt auch nicht in Pathos wenn es an alttestamentarische Zitate geht.

Let-Us-Prey Brian-OMalley

Weniger ausgegoren sind die anderen drei Cops, was für mich mit der größte Kritikpunkt am Film ist. Sie sind nicht nur echte Ärsche, sondern präsentieren sich auch der neuen Kollegin gegenüber genau so und das ohne Anlass und in einer Nacht, in der ohnehin genügend andere Dinge auf der ToDo-Liste stehen.
Als zweiten Kritikpunkt mag man die Gewalt sehen, die schier aus heiterem Himmel von verschiedenen Charakteren verübt wurde und zwar unmittelbar bevor der Unbekannte eintraf. Nicht dass ich etwas gegen Gewalt in Horrorfilmen hätte und LET US PREY bietet einiges davon, es ist nur seltsam, dass verschiedene Personen just an diesem Tage Lust hatten jemanden zu töten und das in einer Kleinstadt.
Schaut man aber genauer hin, fällt auf, dass sich die Menschen im Film ohnehin in einer speziellen Situation befinden, denn auch wenn es nur angedeutet wird, fällt doch auf, dass die Stadt leer ist. Der ganze Film besteht (abgesehen von ein paar Rückblenden) aus 8 Personen. Selbst dann als es gewaltig kracht schauen weder Feuerwehr noch Anwohner nach dem Rechten.
Es sieht also so aus, als würden sich alle Figuren in einer Art Vorhölle befinden, die Six für sie erschaffen hat. Mit christlichen Symbolen wird definitiv ohnehin gespielt und es bleibt auch garantiert Platz für Interpretationen, dies wäre also eine davon.

Man muss aber weder Angst haben, dass geflügelte Engel oder rote Teufel den Film mit Kitsch vermiesen, noch dass die Intelligenz strapaziert wird. LET US PREY ist einfach roh, dunkel, bedrohlich und passt in eine schottische Kleinstadt wie eine Whisky-Destillerie.

Fazit: Auch wenn die Glaubwürdigkeit vielleicht mehr aus den Figuren als der Story gezogen wird, nimmt einen LET US PREY mit in eine gelungene Nacht.
Den will ich nochmal sehen.

Facebook Comments