Review: PARASITE (2019)

parasite thrillandkill
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7.8/10 (5)

Darsteller: Kang-ho Song, Sun-kyun Lee, Yeo-jeong Jo
Regie: Bong Joon Ho
Drehbuch: Bong Joon Ho, Jin Won Han
Länge: 126 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 05. März 2020 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Koch Media
Sonstiges: 4 Oscars
FSK: ab 16

 

4 Oscars für einen asiatischen Genrefilm!
Kein Wunder, dass jeder Bong Joon Hos PARASITE sehen will.
Ein Genrefilm ist PARASITE sicher, aber man sollte sich nicht die Mühe machen, ihn in EIN Genre stecken zu wollen. Von Komödie über Sozialdrama bis zum Thriller mit Horrorbestandteilen ist alles enthalten.

Familie Kim lebt in einer heruntergekommenen Souterrainwohnung, verdient ihr Geld mit dem Falten von Pizzakartons und das aufregendste was passiert ist der Betrunkene, der gelegentlich gegen die Hauswand pinkelt. Doch durch einen alten Freund und etwas Schummelei wird der Sohn der Kims zum Nachhilfelehrer der schwerreichen Familie Park und nutzt die Chance, auch seiner Schwester, dem Vater und zuletzt der Mutter zu einer Anstellung zu verhelfen. Die Methoden sind zweifelhaft, aber die Parks sind begeistert und vertrauen ihren neuen Angestellten. Doch als sie von einem Ausflug zu früh zurückkehren und zudem die zuvor entlassene Haushälterin auf der Matte steht, eskaliert die Situation.

Fühlt man sich anfangs von den perfiden Tricks der Hochstapler in den Bann gezogen, die nicht nur Dokumente fälschen, sondern auch Lügen über das bestehende Personal verbreiten, aber als Team perfekt harmonisieren, ereignet sich in der Mitte des Films ein Break, der ganz entfernt an MARTYRS erinnert, denn auch hier findet sich im Keller ein Geheimnis. Die Brutalität bringt PARASITE zwar nicht mit, wohl aber die Twists.

Abgesehen von dieser obersten Handlungsebene, die sich jedem erschließt, hat PARASITE noch mehr zu entdecken. So darf man sich fragen, wer die Parasiten sind, die der Titel meint. Sicher, die Kims spielen mit falschen Karten, aber sie machen ihre Arbeit, mit der die oberflächlichen Parks zufrieden sind. So erschließt sich nicht ganz, ob man als Zuschauer eher auf Seiten der gewieften Arbeiterklasse oder der trägen Reichen stehen soll.

Dass „unten angekommen“ nicht nur die anfängliche Wohnsituationden meint, sondern auch mit dem sozialen Status eng verknüpft ist, wird weiter verdeutlicht, als wir die Kellertreppe der Parks hinabsteigen. Dass Regisseur Bong Joon Ho nie um einen sozialen Kommentar verlegen ist, bewies er schon mit OKJA, mehr aber noch mit SNOWPIERCER, der den Klassenkampf in einem Zug verlegte. Insofern ist also klar, dass auch PARASITE mehr ausdrücken will.
parasite-rezension
Was bis hierhin durchweg positiv klingt, ist auch insgesamt positiv gemeint, aber Schwächen zeichnen sich dennoch ab. So scheint es eine modische Unart, Filmen mehr Länge zu geben als nötig. Schwer zu sagen, ob die Macher ihrem Publikum keine Intelligenz mehr zutrauen, aber wie beispielsweise zuletzt MIDSOMMAR, hat auch PARASITE repetitive Elemente und während der Film nie langweilt, mangelt es ihm öfters an Spannung.
Es ist klar, dass dies kein Actionblockbuster ist, aber eben weil der Film Intelligenz fordert, sollte er auch intelligent und knackig inszeniert sein und das ist zumindest phasenweise nicht der Fall. Die 2-Stunden-Marke hätte man jedenfalls nicht brechen müssen.

Die Eindringlinge aus der Unterschicht, die eine wohlhabende Familie aufmischen, sind zudem kein gänzlich neues Element. Schon in den 80ern sorgte Nick Nolte als Obdachloser für ZOFF IN BEVERLY HILLS und vor einigen Jahren brachten die Belgier mit BORGMAN eine ungleich dunklere, aber ähnlich gelagerte Story. PARASITE liegt wie schon erwähnt zwischen Komödie und Tragödie, bewahrt aber immer ein Augenzwinkern.

Fazit:
Dies ist ein guter Film. Das belegen nicht nur die 4 Oscars, sondern über 200 weitere Preise auf renommierten Festivals und viele Kritikerstimmen, denen ich mich größtenteils anschließe. Und dennoch ist der Hype um den PARASITE eine Nummer größer, als er sein müsste.

 

 

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