Review: SCHLAF (2020)

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7,0

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Darsteller: Gro Swantje Kohlhof, Sandra Hüller, August Schmölzer, Marion Kracht, Agata Buzek, Max Hubacher
Regie: Michael Venus
Drehbuch: Thomas Friedrich, Michael Venus
Länge: 102 min
Land:
Genre: , , ,
Veröffentlichung: dt. Kinostart 29. Oktober 2020

Immer wieder werden Stimmen laut, die dem deutschen Genrefilm jegliche Qualität absprechen wollen. Nun, man kann sich darauf einigen, dass es oft, und da ist Deutschland keine Ausnahme, an neuen Ideen, Geld und/oder Talent mangelt. Die Qualität der Filme aus dem Ausland, wenn auch quantitativ höher, ist im Vergleich wenig besser.

Hinzukommt, dass deutsche Gefilde wenig Spielraum für das Horrorgenre lassen. Wissend um diese Schwierigkeiten, einen Genrefilm zu drehen, setzte Regisseur Michael Venus, samt Autor Thomas Friedrich, die Idee seines Horrorfilms SCHLAF um. Selbstredend nicht ohne Hürden, die über fünf Jahre hinweg immer wieder auftauchen sollten. Aber wie sagte Schiller einst: Was lange währt, wird endlich gut?

Story

Marlene wird Nacht für Nacht von grausigen Albträumen geplagt. In ihren Träumen wird sie immer wieder in ein kleines idyllisches Dorf geschickt, in welchem sie das Hotel Sonnenhügel besucht. Fast zufällig entdeckt Marianne, dass es sich bei ihren Albträumen um einen realen Ort handelt, und reist ohne zu zögern nach Stainbach, dem Dorf aus ihren Träumen, und versucht dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Als sie, dort angekommen, die Wahrheit über ihre Albträume erfährt, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch, wird in eine Klinik eingewiesen und fällt in einen katatonischen Zustand. Mona, die Tochter von Marlene reist nach Stainbach, um den Grund für den Zusammenbruch ihrer Mutter und die dämonischen Alpträume herauszufinden.

Mutter & Tochter

Zu Beginn folgen wir dem Alltagsgeschehen von Marlene, die beruflich als Flugbegleiterin arbeitet, und Mona, gespielt von Sandra Hüller (POLIZEIRUF 110) und Gro Swantje Kohlhof (TATORT, TORE TANZT).

Marlene wacht wieder einmal aus einem ihrer schrecklichen Albträume auf, und schreibt diesen in ein Tagebuch. Wie lange sie schon von diesen Schrecken geplagt wird, zeigt sich bald in der unnatürlich hohen Anzahl ihrer Traum-Tagebücher. Man kann sich vorstellen, was Jahrzehnte solcher traumatischer Träume, in der Psyche anrichten. Marlene ist labil und benötigt Medikamente, um zur Ruhe zu kommen.

Mona, die Tochter, ist erwachsener als sie in ihrem Alter sein sollte. Schnell wird klar, dass das Problem der Mutter noch etwas anderes bewirkt hat. Es scheint als hätte im Laufe der Jahre ein Rollentausch stattgefunden, Mona wirkt kühl, abgeklärt und man ist versucht, sie angesichts der Sorgen ihrer Mutter als unsympathisch abzustempeln. Kaum will man diesen Gedanken festigen, sieht man den beiden dabei zu, wie sie über Marlenes geträumten Ort sprechen und Mona, wie selbstverständlich, eine Brotdose für Mutter herrichtet und mit einem Smiley verziert.

Diese Szene spielt sich zwar nebenbei, dafür aber natürlich glaubwürdig ab. Sie macht klar, dass Mona selbst zwar schnell hat reifen müssen, und ein stückweit abgeklärt ist, viel Verantwortung für ihre Mutter trägt, nicht aber vergessen hat, was liebevoller Umgang bedeutet. Die Rollen der beiden Frauen werden im gesamten Verlauf glaubhaft und intensiv gespielt.

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Das Hotel & die Besitzer

Die Kulisse eines Hotels in Abgeschiedenheit ist jedem Horrorfan bekannt, und Spukhaus Geschichten sind auch schon Massenware, dennoch ist es eine dankbare Location und birgt mit einer schlau inszenierten Story viele Schrecken. Auch dieses Hotel, (ein altes Sanatorium für Lungenkranke/Tuberkulose im Harz) der Sonnenhof, hat seine Geschichte, die gut versteckt in den Köpfen der wenigen Einwohner des Dorfes schlummern.  Otto ist der Besitzer des Hotels. Als die Tochter Mona sich nach ihrer Ankunft im Hotel, das Zimmer anschauen möchte, welches zuvor von ihrer  Mutter bewohnt wurde, willigt Otto freundlich ein.

Trotzdem wirkt der Besitzer und seine Frau Lore, von Beginn an seltsam und zwielichtig, was später noch einmal klarer wird, wenn man erfährt, warum Lore ihren Mann in der Nacht am Bett fixieren muss. Und auch, was das mit den Selbstmorden seiner Geschäftspartner zu tun hat. Auch die beiden Rollen der Hotelbesitzer sind gut gespielt, wirken aber auf Dauer übermotiviert und eher lächerlich als düster.

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Nicht neu aber spannend

Wenn Mona das Geheimnis und die Verbindung zu ihrer Mutter langsam enthüllt, dabei die gleichen Albträume und Psychosen durchlebt, halten wir inne und fühlen uns an kleine wiederkehrende Themen von bekannten Horrorfilmen erinnert. Hier könnte man nun vorwerfen, diese Ideen aufgewärmt zu haben. Tatsächlich aber wirken diese Szenen wie Hommagen, nicht aber wie Recycling. Die Story wird spannend erzählt, hält viele Überraschungen bereit und weiß mit gut platzierten Effekten zu erschrecken.

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Im Sprint ans Ziel

Was weniger Spaß macht, ist die Eile im letzten Drittel von SCHLAF. Dass sich die Ereignisse überschlagen, ist storytechnisch nachvollziehbar, aber als Zuschauer befindet man sich gegen Ende im Niemandsland. Es wird schwierig, dem Geschehen zu folgen, ob man sich in Monas Realität, oder der anderen, in der Vergangenheit verborgenen Welt, voller Verbrechen befindet.

Die Grenzen verwaschen zu unkoordiniert, als das man sie gänzlich entwirren kann. Allerdings sind die Szenen, so wirr sie manchmal scheinen, schön anzusehen. Zum Beispiel, wenn wir einem Trip von Mona beiwohnen, in dem die Protagonisten allesamt nackt, aber nie aufdringlich oder peinlich, sondern ästhetisch dargestellt werden. Oder, während die Nazi-Patriachat-Familie unter Drogen gesetzt, und mit Speed Metal-ähnlichen Tönen in den Wahnsinn getrieben wird. Zum Ende hin hat wohl einfach die Zeit gefehlt, schade, ist aber in diesem Fall nur ein blauer Fleck und kein Beinbruch.

Der Regisseur und die Zeit

Michael Venus benötigte, wie oben erwähnt, fünf Jahre, um SCHLAF fertigzustellen. Wie er selbst in einem Interview mit dem Hard:Line Festival erwähnte, flunkerte er anfangs über das Genre, in welchem er drehen will. Um eine Förderung zu erhalten, gab Michael an, ein Mutter/Kind Drama zu beabsichtigen. Mit Erfolg, wie wir nun wissen. Wobei es nicht unbedingt gänzlich die Unwahrheit war, denn SCHLAF funktioniert auf vielen Ebenen, auch als Familiendrama.

Mit SCHLAF ist ein deutscher Genrefilm gelungen, der zwar seine kleinen Krankheiten hat, aber dennoch zu unterhalten weiß. Der komplette Cast macht seine Sache hervorragend, ohne Scheu vor Extremen und mit dem Fokus auf Ästhetik. Gerne mehr davon.

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