Review: SHINING (Miniserie) (1997)

shining 1997
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.0

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3/10 (1)

Darsteller: Rebecca De Mornay, Steven Weber, Melvin Peebles
Regie: Mick Garris
Drehbuch: Stephen King
Länge: 256 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 20. Februar 2003 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Warner Home
FSK: ab 16

Dass Stanley Kubrick’s SHINING-Verfilmung ein Kultfilm ist, kann niemand leugnen, es gibt trotzdem Menschen, die ihn nicht mögen. Einer davon ist bekanntlich ausgerechnet Stephen King, der bis heute nicht müde wird, seinen Unmut zu erklären und während es aus neutralem Blick sicher schlechtere Umsetzungen seiner Werke gibt, steht außer Frage, dass sich Kubrick relativ frei an seinem Roman bediente.

Abhilfe ließ sich nur schaffen, indem der Stoff ein weiteres Mal verfilmt wird und Mr. King nahm sicherheitshalber vieles davon selbst in die Hand.
Er fungierte als Produzent und schrieb das Drehbuch und Mick Garris, der wohl mehr King-Geschichten als jeder andere umsetzte, platzierte sich auf den Regie-Thron.shining mick garris

Nun ist der Vergleich zwischen Kubricks Kinofilm und der 1997 entstandenen TV-Mini-Serie immer auch ein Apfel-Birnen-Vergleich, da unterschiedliche Budgets und Laufzeiten auch andere Bedingungen erschaffen, am Ende zählt für den Zuschauer aber immer nur das Ergebnis.

Treue zum Roman, auch wenn es nicht nötig ist

Im Groben geht es natürlich wieder um die Torrance-Familie, die samt ihres mit einer übernatürlichen Gabe ausgestatteten Sohnes für einen Winter in das Overlook Hotel ziehen und mit den Geistern des riesigen Gebäudes klarkommen müssen.Die Unterschiede in der Story der beiden Adaptionen sind vielleicht für Stephen King bedeutsam und er wies beispielsweise darauf hin, wie wichtig ihm die Heizung ist, die permanent zu explodieren droht und eine Metapher auf Jacks Geisteszustand darstellt.
Macht Sinn, aber nur wenige Menschen werden sich an diesem Detail aufhängen.shining steven weber

Mit viereinhalb Stunden Laufzeit hatte Mick Garris aber nicht nur die Möglichkeit, sondern vermutlich sogar die Aufgabe, auf alle  Kleinigkeiten einzugehen, um die Zeit zu füllen.
Teilweise entstehen daraus aber Szenen, die vor allem eines sind: lang.
Die inhaltlichen Details sind da, die handwerklichen lassen hingegen meist zu wünschen übrig.
Man muss gar nicht so weit gehen, dass man in jeder Einstellung Stanley Kubricks eine Symbolik erkennt, wie es die Doku ROOM 237 tut, es wird trotzdem schnell deutlich, dass Kubrick ein Künstler war, während Mick Garris zwar auf ein paar ansprechende Kameraeinstellungen zurückgreifen kann, ein enger Drehplan, kleines Budget, aber auch ein Mangel an Visionen sind stets zu erkennen.
Steven Weber (THE PERFECTION, TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT) spielt Jack Torrance anständig, aber er kommt nicht an Jack Nicholson heran.
Rebecca de Mornay (DIE HAND AN DER WIEGE, MOTHER’S DAY) gibt die Wendy auf jeden Fall weniger nervig als das Shelley Duval im alten Film tat, sie bleibt aber auch belanglos blass.
Über den Jungschauspieler, der Danny Torrance mimt, hüllt man am besten komplett den Mantel des Schweigens (was auch für die optische Umsetzung seine imaginären Freundes Tony gilt).

Heckentiere from hell

Allerdings ist Tony ein gutes Stichwort. Während Kubrick diesen nur in Form von Dannys Zeigefinger darstellte, zaubern uns Garris/King einen fliegenden Kumpel auf den Fernseher und das steht symptomatisch für manches Problem dieser SHINING-Verfilmung.
Kubrick ging zwar mit dem Blutschwall, der den Aufzug überflutet, in die Vollen, verzichtete aber anderenorts auf manchen Effekt und ließ die Fantasie des Betrachters kauen.
1997 will man mehr zeigen und da zu dieser Zeit CGI aufkam, wurde das (zusammen mit mal gutem, mal schwachen klassischen Makeup) oft eingesetzt.
Die tote Frau in der Wanne kann sich in der Miniserie sicher sehen lassen, die animierten Heckenfiguren sind aber unter aller Sau.shining 1997 rezension

Wer dem Roman treu bleiben will, mag hingegen sagen, dass diese Heckentiere nun immerhin vorhanden sind, während das 1980 eingesetzte Labyrinth nie im Buch auftauchte.
Auch Koch Hallorans Odysee zum verschneiten Overlook ist hier wertvoller. Statt sich (Achtung Spoiler) bei der ersten Gelegenheit eine Axt in den Magen jagen zu lassen, kann er diesmal tatsächlich mehr tun.
Die große Feueraxt wurde – ganz wie im Roman – übrigens durch einen Kricketschläger ersetzt. Das ist allerdings kaum kriegsentscheidend.

Schaut man sich das Overlook der Miniserie an und vergleicht es mit dem Overlook des Films, erhält man einen Vergleich, der sich gut auf den Gesamteindruck übertragen lässt. Das eine ist ein ansprechendes Gebäude, das mit viel Holz und 90er Jahre – Optik aufwartet, das andere wirkt aber gewaltiger, weitläufiger und pompös, dabei aber gänzlich ungemütlich.

So unzufrieden King mit Kubricks Umsetzung war, es darf bezweifelt werden, dass die SHINING-Serie das ist, was er vor Augen hatte, als er den Roman tippte.
Auch als Fan muss man Kubricks kalten Stil nicht mögen, Mick Garris hat aber trotz vieler Versuche (DESPERATION, THE STAND, BAG OF BONES, RIDING THE BULLET u.a.) immer wieder bewiesen, dass er zwar eine TV-Produktion leiten, daraus aber keinen Klassiker stricken kann.
Zwei Jahrzehnte später wirkt die ältere Adaption weitestgehend zeitlos, während die neuere alt aussieht. Die träge Inszenierung tut ihr Übriges.

 

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