Review: SIGHTLESS (2020)

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Redaktion: 5.0

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5/10 (1)

Darsteller: Madelaine Petsch, Alexander Koch, Deniz Akdeniz
Regie: Cooper Karl
Drehbuch: Cooper Karl
Länge: 89 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 20. Januar 2021 (Netflix)
Verleih/ Vertrieb: Netflix

Einem blinden Menschen kann man viel erzählen. Die Sehkraft ist für die meisten Menschen der wichtigste Sinn und gerade, wenn die Blindheit erst vor Kurzem eingetreten ist, ist die Person in vielen Belangen hilflos.

So geht es Ellen, die Opfer eines heimtückischen Anschlags wird und fortan ohne ihr Augenlicht auskommen muss.
Verständlicherweise hadert die junge Frau mit ihrem Schicksal, doch immerhin darf sie in eine neue Wohnung ziehen und bekommt Pfleger Julian an die Seite gestellt.
Doch es ist nicht nur die Blindheit, auch die Einsamkeit setzt Ellen zu. Außerdem scheint der Typ im Nachbarapartment seine Frau zu schlagen und warum ertönt jeden Tag zur gleichen Zeit ein Autoalarm?Sightless netflix review

Was sieht man wirklich, wenn man blind ist?

Von WARTE, BIS ES DUNKEL IST bis DON’T BREATHE finden sich diverse Genrefilme, in denen üble Gesellen blinden Menschen zusetzen wollen. Wir geben wohl nicht zu viel preis, wenn wir verraten, dass dies auch in SIGHTLESS der Fall ist. Die Zusammenhänge entschlüsseln sich jedoch langsam.

In der Zwischenzeit glänzt SIGHTLESS mit einem Alleinstellungsmerkmal. Er zeigt uns immer wieder Situationen, in denen Ellen ihre Fantasie walten lässt, da ihr die Sicht fehlt. Das erlaubt ihr aber auch, dass sich die Dinge ändern. Ist der Vogel, den ihr Julian schenkt, eben noch gelb, verändert er die Farbe, als sie beschließt, dass er blau sein müsse.

Das ist ein toller Ansatz und was hätte man daraus nicht alles machen können? Eine grandiose Mischung aus Mystery und Fantasy wäre denkbar gewesen. Purer Mindfuck wäre möglich gewesen.
Aber SIGHTLESS möchte lieber Twists.Sightless-2021 kritik

Erinnert ihr euch an PERFECTION? Jenen Film, den du nur logisch findest, wenn du blöde genug bist, dem Onkel mit den Bonbons in den Van zu folgen? SIGHTLESS hat zwar keine direkte Verbindung, (lediglich eine junge Frau, die ein klassisches Instrument spielt), setzt aber ebenfalls auf garantiert logikfreie Wendungen.

Logik? Nicht hier!

Die Story, die sich anfangs spannend gestaltet, wirkt irgendwann an wenigen Haaren herbeigezogen. Offenbar dachte sich Regisseur und Autor Cooper Karl, der hier seinen eigenen gleichnamigen Kurzfilm aus 2017 in abendfülle Länge dehnen durfte, dass zwar nach der Hälfte des Films absehbar ist, wer hier Dreck am Stecken hat, aber nur ein unsinniger Twist das Warum erklären kann.

Dass hier Fragen zu Ellens Vergangenheit offenbleiben, die zwar angerissen werden, dann aber im Sande verlaufen: geschenkt.
Doch das Warum ist schlicht ein Schlag ins Gesicht für alle die, die eine nur halbwegs nachvollziehbare Story wollen. Es ist so sinnlos, als würde man extra von München nach Hamburg fahren, um ein paar gewöhnliche Brötchen zu kaufen und dafür (da das Wie auch recht fragwürdig anmutet) ein Einrad nutzen.sightless rezension

Nun ist SIGHTLESS nicht unsehbar (kein Wortspiel). Fans von Kammerspielen sollten zumindest einen längeren Blick riskieren und Julian-Darsteller Alexander Koch bringt sowohl Optik als auch Mimik mit, um bald größere Auftritte zu haben, es ist aber ein Film, der deutlich besser sein könnte.

Dass die Adaption von Short- auf Langfilm funktionieren kann, zeigten z.B. OCULUS oder SAW. SIGHTLESS reiht sich hingegen eher zu POLAROID und LIGHTS OUT, wo die Kurzen deutlich knackiger wirkten.

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