Review: THE HOUSE THAT JACK BUILT (2018)

the house that jack built
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

Please rate this

7.3/10 (4)

Darsteller: Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Länge: 147 min
Land: , , , ,
Genre: , ,
Veröffentlichung: 06. Juni 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Concorde
FSK: ab 18

Wenn Enfant Terrible Lars von Trier, der selbst aus dem Familiendrama ANTICHRIST eine knallharte Genitalverstümmelung machte, einen Film über einen Serienmörder dreht, zieht man sich besser die Gummistiefel an, denn es ist davon auszugehen, dass man zum Filmende in Eingeweiden und Blut watet.
Klar ist aber auch, dass Triers Ansprüche höher liegen als eine pure Gore-Show und THE HOUSE THAT JACK BUILT bewegt sich dementsprechend zwischen Kunst und Kill.the house that jack built von trier

Jack ist Serienmörder und Ingenieur. Das heißt, er tut zwei Dinge: er baut Häuser (darunter sein eigenes) und er tötet Menschen.
Der Film fängt Jacks Leben über einen Zeitraum von etwa einer Dekade ein, macht auch Ausflüge in seine Kindheit und lässt uns neben 5 Vorfällen, bei denen je mindestens ein Mensch getötet wird, auch einen intensiven Blick in seine Gedankenwelt werfen.

Gerade der letzte Aspekt wird durch Animationen, Grafiken und allerlei ungewöhnliche Einspielungen ausgeschmückt. So erfahren wir nicht nur mehr über die Statik von gotischen Kathedralen, sondern auch den Einsatz der deutschen Sturzkampfflieger im 2. Weltkrieg.
Wenn Jack über Kunst referiert, werden nicht nur eine Vielzahl klassischer Gemälde eingeblendet, von Trier zeigt auch kurze Ausschnitte seiner eigenen Werke und manchmal fragt man sich, ob der Regisseur oder die Hauptfigur bekloppter ist.
the house that jack built matt dillon
Als glaubwürdige Charakterstudie eines „üblichen“ Serienmörders funktioniert THE HOUSE THAT JACK BUILT jedenfalls nicht, dafür ist der Modus Operandi des Mörders zu variabel, er tötet ihm bekannte und unbekannte Menschen, Männer, Frauen und Kinder, aus nah und fern und sein Handeln ist mal planvoll, dann wieder chaotisch.
Löst man sich hingegen von dem Gedanken einen echten Serienkiller zu beobachten, findet man dennoch eine Person vor, die glaubwürdig und vor allem böse erscheint.

Jack wird von Matt Dillon gespielt und der leistet hervorragende Arbeit. Von seiner Mimik über das komplette Handeln wirkt Dillon tief in seine Rolle eingetaucht.
Der Serienmörder leidet nicht nur an Kontrollzwängen und Putzfimmel, er hadert auch mit seinem beruflichen Werdegang, denn er wäre lieber Architekt, als Ingenieur geworden (ein absurder Gedanke…Anmerkung des Verfassers).
Gleichzeitig versagt er mehrmals dabei, sein eigenes kleines Haus zu errichten und obwohl er offenbar intelligent ist, gerät er auch bei seinen Morden in manch schwierige Lage.
the house that jack built thurman
Nicht vergessen werde sollte der Humor des Films, für den stellvertretend eine Szene genannt werden soll, die den Film eröffnet. Hier begegnet Jack einer Frau, deren Wagen auf der Straße liegenblieb. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt keine bösen Absichten hegt, will die Dame mitgenommen werden und beginnt plötzlich davon zu erzählen, dass er ja ein Serienmörder sein könnte.
Dieser hieraus entstehende Dialog ufert aus und erinnert damit an die obskuren Gespräche, die man sonst von Regie-Kollege Tarantino kennt. Da ist es wohl kein Zufall, dass die Frau von Uma Thurmann (PULP FICTION, KILL BILL) gespielt wird.

Ein anderer Schauspieler wirkt ebenfalls ganz bewusst aufgrund einer früheren Rolle gecastet.
Nicht nur von Trier wird eine gewisse Affinität zur Nazi-Zeit nachgesagt, er überträgt diese auch auf die Figur Jack, der gegen Ende des (übrigens 2,5h langen Films) einer Art Mentor begegnet, der von Bruno Ganz gemimt wird.
Der inzwischen verstorbene Ganz ist natürlich auch international für seine Darstellung Hitlers in DER UNTERGANG bekannt.

Allerdings gibt er in THE HOUSE THAT JACK BUILT nicht mal ansatzweise den Diktator, sondern in Anlehnung an Dantes INFERNO einen Mann namens Verge, der Jack in die Hölle führt.
Da dieser Rundgang nicht nur symbolisch zu verstehen ist, sondern plötzlich echtes Höllenfeuer lodert, verlässt der Film spätestens hier alle gewohnten Pfade, wirkt aber leider auch nicht mehr kohärent, sondern so als hätte von Trier versucht den Stoff mehrerer Geschichten in einen Film zu packen.

Das kann aber nichts daran ändern, dass das gesamte Werk technisch und schauspielerisch einwandfrei umgesetzt ist.
Das gilt auch für die bereits angesprochenen Gewaltszenen, die unangenehm realistisch anmuten und teilweise unschön zu betrachten sind. Vor allem Menschen, die mit Gewalt gegen Kinder und Tiere ein Problem haben, seien gewarnt, auch wenn alles gestellt ist.
Es muss aber auch gesagt werden, dass es sich kaum lohnt, den Streifen alleine wegen der brutalen Spitzen einzuschalten, hier gibt es sicher bessere Alternativen und THE HOUSE THAT JACK BUILT ist eben kein simples Gore-Massaker, sondern gewalttätiges Arthouse.
Also genau das, was man von Lars von Trier erwarten darf.

 

 

 

Facebook Comments