Review: THE POSTCARD KILLINGS (2020)

PostcardKillings
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5,5

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4/10 (1)

Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Famke Janssen, Cush Jumbo, Joachim Król, Steven Mackintosh
Regie: Danis Tanovic
Länge: 104 min
Land:
Genre: , , ,
Veröffentlichung: 8. Oktober 2020 DVD/Blu-ray
FSK: ab 16

Buchverfilmungen liegen im Trend. Auch 2020 gab es einige davon. Da ging es von King-Romanen über H.G. Wells DER UNSICHTBARE bis hin zu Agatha Christies TOD AUF DEM NIL. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn Einige werden in den nächsten Monaten bzw. Jahren noch folgen. THE POSTCARD KILLINGS ist ebenfalls eine Romanverfilmung des Krimi-Bestsellers LETZTER GRUSS, aus dem Jahr 2010, von James Patterson und Liza Marklund.

Story:

Der ehemalige Detektiv, Jacob Kanon, möchte seine frisch verheiratete Tochter besuchen. Noch auf dem Flughafen wird Jacob von der Polizei abgefangen, denn das verheiratete Paar wurde grausam ermordet. Die Leiche der Tochter, wie auch die ihres Mannes wurden künstlerisch angeordnet, so wie es in jüngster Vergangenheit bei Morden in anderen Städten der Fall war.

Schnell liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Serienmörder handelt, da jedem Mord eine Postkarte für eine regionale Tageszeitung vorausgeht, in der ein kryptischer Hinweis auf den nächsten Mord verzeichnet ist. Kanon versucht nun auf eigene Faust zu ermitteln.

Emotionen, Alkohol & die Familie

Zu Beginn bekommen wir schöne Erinnerungen gezeigt, die aus dem früheren glücklichen Leben von Jacob und seiner Ex-Frau Valerie, samt Tochter stammen.  Nachdem Jacob erfährt, dass seine Tochter tot ist, flüchtet er sich in den Alkohol und bevor wir überhaupt wissen, wie viel Zeit vergangen ist, erscheint seine Ex-Frau, um ihn wach zu rütteln.

In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir noch ein junges, frisch verheiratetes Paar kennen, welches uns im Laufe der Story noch genauer vorgestellt wird. Dann beginnt auch schon die wilde Hast.

the postcard killings

Der Zahn der Zeit

Mutter Valerie wird von Famke Janssen gespielt. Famke kann auf Erfahrung im Schauspiel zurückgreifen und hat mit ihrer Rolle als Jean Grey in X-MAN für Aufsehen gesorgt. Auch im Horrorgenre war sie aktiv und spielte in 100 FEET oder auch THE FACULTY. Sie ist quasi ein alter Hase im Geschäft. Alter Hase… Famke wäre sicherlich auch heute noch eine zwar ältere, aber immer noch gut aussehende Frau, wäre das Skalpell des Schönheitsdoktors nicht gewesen und hätte jegliche Mimik entfernt. Die Emotionen von Trauer und Wut, die man hier erwarten würde, wirken bestenfalls wie eingeschlafene Füße.

Gut für Grusel-Mainstream

Jeffrey Dean Morgan mimt den Vater Jacob. Man kennt ihn aus Serien wie SUPERNATURAL oder THE WALKING DEAD und genau da gehört er hin. Fans des Negan-Schauspielers werden sich freuen, Jeffrey in eine anderen, ernsthaften Rolle zu sehen, nur leider sieht man davon nicht viel. Die Rolle des Cops, der den Mörder seiner Tochter sucht, ist schlicht und ergreifend zu groß für ihn. Man hat die Wahl zwischen Overacting, schlechtem Timing oder gänzlich unpassender Emotionen, es ist von allem etwas dabei.

Die Morde

Ermordet werden ausschließlich kürzlich verheiratete Paare, die sich in ihren Flitterwochen befinden. Die Leichen werden in grotesken Posen angeordnet, Gliedmaßen fehlen oder werden bei anderen Paaren hinzugefügt. Man kennt einen ähnlichen Ablauf aus Filmen wie SIEBEN, nur geht es in THE POSTCARD KILLINGS nicht um Todsünden, sondern ähnlich wie in ANAMORPH-DIE KUNST ZU TÖTEN, um Kunst. Die Darstellung der Leichen, Make-up und FX-Effekte, sind durchaus schaurig anzusehen und eines der wenigen Highlights des Films.

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Die Kunst und der Mörder

Eigentlich beginnt das Rätselraten um den Mörder spannend. Abgesehen davon, dass Famke und Dean jederzeit, in jeder Stadt, Einsicht in die Polizeiakten bekommen, um bei der Aufklärung helfen zu können, was so hektisch und unwahrscheinlich geschieht, dass man kaum hinterher oder aus dem Kopfschütteln nicht mehr rauskommt.

Die kurzen Sequenzen, in denen man das Werk des Mörders sieht, geben wieder Hoffnung auf eine gute Story. So werden uns Kunstwerke gezeigt und erklärt, die man zwar schon einmal gesehen hat, meist aber kaum tiefere Beachtung fanden.

Ein bekannteres dieser Kunstwerke ist die Darstellung von Dante und Vergil in der Hölle. Das Gemälde stammt von William-Adolphe Bouguereau aus dem Jahr 1850. Es zeigt die Dichter Dante Alighieri und Vergil bei ihrer reise durch die Hölle. Das Bild bezieht sich auf Dantes Werk DIE GÖTTLICHE KOMÖDIE. Bouguereau, wie auch Eugène Delacroix, der ein ähnliches Bild schon 1822 malte (Die Dantebarke), wollten mit ihrem Werk eine dramatische Szenerie inszenieren, was durch und durch ihrer romantischen Auffassung entsprach. Eben diese teilt auch der Mörder im Film und man nimmt ihm diese Intension, bis zur viel zu frühen Demaskierung, auch ab.

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Zu viel Stoff für 104 Minuten

Wie es oft der Fall ist, wirken Buchverfilmungen manchmal unvollständig oder, und so ist es hier der Fall, stark auf das (un)wesentliche reduziert. Die Story bietet viele Möglichkeiten, verhaspelt sich aber dermaßen, dass man selbst gehetzt auf den Bildschirm starrt. War es eben noch so, dass die fehlenden Gliedmaßen eines der Opfer, händeringend in Deutschland gesucht werden, sitzt eine Minute später der Mörder schon in Schweden (Jacob ist immer an den jeweiligen Orten zugegen) in der Polizeiwache und wird verhört. Man hat den Eindruck, dass mit mehr Laufzeit, eine entspanntere Erzählstruktur möglich gewesen wäre.

Böser Fehler

Der Hauptkritikpunkt ist der Mörder. Jeder hat eine Vorstellung des Aussehens eines Serienmörders. Es kann auch durchaus erfrischend sein, wenn von den Stereotypen des Genres Abstand gehalten wird. Unschön wird es nur dann, wenn das Bild des bestialischen Sadisten so gar nicht auf den enthüllten Mörder passen mag.

THE POSTCARD KILLINGS wird, schon aufgrund der Besetzung, seine Fans haben. Wobei man hier besser bedient ist, wenn man sich an die Arbeit der Nebenfiguren hält, denn die machen ihren Job halbwegs vernünftig, nicht überragend aber nicht schlechter, als die sicherlich höher bezahlten Stars. Wer Abstriche an Story und Logik machen kann, wird sich auch noch kurzweilig unterhalten fühlen. Für echte Crime-Fans allerdings wird es ein wenig befriedigendes Spektakel.

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