Review: TORE TANZT (2013)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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9/10 (1)

Darsteller: Julius Feldmeier, Sascha Alexander Geršak, Annika Kuhl, Gro Swantje Kohlhof, Til Theinert
Regie: Katrin Gebbe
Drehbuch: Katrin Gebbe
Länge: 110 Minuten
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 28.11.2013
Verleih/ Vertrieb: Alive
FSK: ab 16

TORE TANZT ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Katrin Gebbe, das 2013 in Cannes Premiere gefeiert hat. Der Film ist von den grausigen Taten in einem Dorf in Hessen inspiriert, wo ein junger Mann mit leichter geistiger Behinderung von einem Ehepaar gequält und schließlich getötet wurde.

Inhalt von TORE TANZT

Der junge Tore ist Mitglied der sogenannten Jesus Freaks, einer Gruppe von Gläubigen die sich stark an die Punk-Kultur anlehnt und kompromisslos gewaltfrei lebt. Nachdem er einer Familie bei einer Autopanne hilft indem er Gott um Hilfe bittet, bekommt er die Einladung eine Zeit mit ihnen im Schrebergarten zu wohnen. Tore streitet sich mit seinem Mitbewohner und nimmt das Angebot an. Zunächst wirkt alles harmonisch doch schnell stellt sich heraus, dass der Schein des glücklichen Familienlebens trügt…

Resümee zu TORE TANZT

TORE TANZT ist stellenweise schwer anzusehen. Der Protagonist Tore geht in seinem Glauben dermaßen auf, dass er der Meinung ist sämtliche Demütigungen ertragen zu müssen. Er sieht in der Familie die Aufgabe, die Gott für ihn vorgesehen hat. Und so kehrt er immer wieder in seine persönliche Hölle zurück, obwohl er diverse Möglichkeiten zur Flucht hat. Und so verfolgt man sein ganz persönliches Martyrium, möchte ihn am liebsten schütteln und fragen, warum er das mit sich machen lässt. Tore ist derart labil und naiv, dass man überlegt, was wohl in seiner Vergangenheit vorgefallen ist, dazu gibt es aber leider keine Informationen.

Als Zuschauer*in wird schnell klar, dass in der Familie, in der Tore unterkommt, irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Vor allem Benno fällt immer wieder mit seinem Verhalten auf, was schnell mehr und mehr eskaliert. Die Tochter der Familie, Sanny, freundet sich mit Tore an, was dem Lebensgefährten ihrer Mutter gar nicht zu gefallen scheint. Die Dynamiken innerhalb der Familie werden sehr gut dargestellt und so leidet man mit Sanny mit, wenn man sieht wie unwohl sie sich in der Gegenwart von Benno fühlt und fragt sich, was ihre Mutter, Astrid, bei ihm hält.
Obwohl über die Motive der einzelnen Personen nicht viel klar wird, sind sie allesamt gut konzipiert und handeln logisch – zumindest innerhalb ihrer jeweils eigenen Weltanschauung.

<p<
TORE TANZT ist nicht direkt ein Horrorfilm, sondern vielmehr ein Drama, mit Horrorelementen. Anders als in den meisten Horrorfilmen mit einem ähnlichen Thema, wird Tore nicht festgehalten. Er könnte jederzeit gehen und so seiner Folter und Demütigung entkommen. Anders als beispielsweise in MARTYRS könnte Tore seinem Martyrium ein Ende setzen. Und so stellt TORE TANZT nicht nur die Frage danach, wieso Menschen anderen Menschen derart quälen, sondern auch, weshalb der Protagonist sich dieses Schicksal auszusuchen scheint.

TORE TANZT ist ein verstörender Film, der wenig Antworten auf die aufgeworfenen Fragen gibt. Trotzdem überzeugt er mit seinen stimmigen Charakteren und dem in sich sehr schlüssigen Ende. Manch einer wird wahrscheinlich noch ein paar Tage später über die Handlung von Katrin Gebbes Spielfilmdebüt nachdenken, denn dazu regt es an.

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