Review: UNDER THE SILVER LAKE (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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7/10 (1)

Darsteller: Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace
Regie: David Robert Mitchell
Drehbuch: David Robert Mitchell
Länge: 134 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 12. April 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Weltkino
FSK: ab 16

 

Als Regisseur David Robert Mitchell vor ein paar Jahren IT FOLLOWS veröffentlichte, sorgte der Neo-Slasher für gespaltene Meinungen. Nicht jedem gefiel die Mischung aus John Carpenter – Hommage und modern-zeitlosen Elementen, wohingegen Fans nicht nur viel zu entdecken hatten, sondern auch einen „Bösewicht“ vorfanden, den es so bislang nicht gab.

UNDER THE SILVER LAKE wird ähnliche Resonanzen auslösen und vielleicht noch einige Menschen enttäuschen, die von Mitchell eine Bekenntnis zum Horror-Genre erwarten. Die ist der Streifen trotz ein paar härterer Augenblicke nicht geworden, sondern ein Mystery-Thriller auf Hitchcocks Spuren.

Story: Sam muss bald sein Apartment in LA räumen. Das stört den Chaoten aber wenig und er beobachtet erst mal die Nachbarinnen seiner Wohnanlage mit dem Fernglas. Dabei wird er auf die hübsche Sarah aufmerksam und versucht sich ihr zu nähern. Doch am nächsten Morgen ist ihr Apartment leer, Sarah verschwunden und Sam macht sich auf die Suche.

….und was für eine Suche das ist. UNDER THE SILVER LAKE ist einer jener Filme, die man komplett erzählen kann, der Gegenüber aber trotzdem nicht das Gefühl hat, zugespoilert worden zu sein, weil so viel passiert, dass man ihn selbst erleben muss.

Dabei hilft es nicht nur, ein paartausend Filmklassiker gesehen zu haben, sondern auch ein paar Lebensjahre auf dem Buckel zu haben, denn Mitchells Werk, das stilistisch teilweise in die 50er/60er abdriftet, aber auch moderne Errungenschaften wie Smartphones nutzt, scheint seine Mitte in den 90ern zu finden. Stellt sicher, dass ihr zumindest eine Idee habt, was „Smells like teen spirit“ ist.

Hilfreich wäre auch, einige Jahre in Los Angeles gelebt zu haben, denn man wird das Gefühl nicht los, dass UNDER THE SILVER LAKE viele Insider-Gags platziert, die Bewohner der Stadt der Engel besser zu deuten wissen. In jedem Fall ist L.A. kein x-beliebiger Schauplatz und hier fühlt man sich stellenweise an den ebenfalls schrägen MULHOLLAND DRIVE erinnert, vor allem als Patrick Fischler (das ist der Typ, der in MULHOLLAND DRIVE auf den unheimlichen Penner stößt) ausgerechnet über Obdachlose referiert.

Spätestens wenn sich Momente wie diese häufen wird klar, dass nichts in UNDER THE SILVER LAKE zufällig geschieht und Mitchell gezielt Referenzen ausstreute. Sinnigerweise ist das auch Teil der Handlung, denn ähnlich wie Rom in Dan Browns ILLUMINATI, scheint auch Los Angeles voller zeitgenössischer Verstecke, Geheimgänge und Rätsel zu stecken, so dass auch Freunde von schwurbeligen Verschwörungstheorien einiges geboten wird.

Andrew Garfield spielt seine Rolle als sympathischer Antiheld, der selten die Kontrolle über die Ereignisse um ihn herum hat, überzeugend und auch die Gesamtatmosphäre ist stimmig. Mit fast zweieinhalb Stunden Laufzeit und vielen angerissenen Themen, die – und das ist der große Kritikpunkt – nicht alle sauber verknüpft werden, aber auch ein ganz schöner Brocken.

Eine Kollegin sagte in einem Gespräch, dass sie nach dem Film so schlau wie vorher war und das kann man nicht völlig verleugnen. Passenderweise findet sich auch Sam am Ende von UNDER THE SILVER LAKE in fast der gleichen Situation wie zu Beginn wieder. Hier ist aber eindeutig der Weg das Ziel und allen, die Spaß an einer Herausforderung haben, sei der Film empfohlen, leichte Kost sieht jedoch anders aus.

 

 

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