Review: UNKNOWN USER (2015)

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5.6/10 (18)

Darsteller: Heather Sossaman, Matthew Bohrer, Courtney Halverson
Regie: Levan Gabriadze
Drehbuch: Nelson Greaves
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Wir haben uns in letzter Zeit wiederholt kritisch über Filme aus der Produktionsschmiede Blumhouse geäußert. Klar ist, dass Jason Blums Company vor allem Werke auf die Reise schickt, die vergleichsweise preiswert produziert werden und ein junges Publikum bedienen.
UNKNOWN USER, soviel ist schon nach 2 Minuten klar, bildet dabei keine Ausnahme, allerdings ohne lächerlich zu wirken.
unfriended unknown user
Blaire und ihr Freund unterhalten sich per Skype mit einigen Highschool-Kumpels, doch ein unbekannter Teilnehmer taucht im der Gruppe auf. Zunächst halten sie das für einen Fehler, doch dann bekommen die 6 Facebook-Nachrichten von der toten Klassenkameradin Laura, die sich vor einem Jahr das Leben nahm, nachdem sie Opfer von schwerem Mobbing geworden war.
Ist es wirklich der Geist der Toten oder erlaubt sich jemand mit ihren Online-Profilen einen makabren Scherz?

Jeder, der wie der Verfasser dieser Zeilen gerade 14 Browsertabs gleichzeitig offen hat, wird sich ein Stück weit mit Blaire identifizieren können, deren Monitor das einzige ist, was wir in den knapp 80 Minuten zu sehen bekommen, aber darauf geht es mitunter hektisch zu.
unknown user 2
Youtube-Videos, Skype- und Facebookchats, Gmail und Google, ein Soundtrack von Spotify…UNKNOWN USER wäre vor 20 Jahren nicht möglich gewesen und vermutlich wird er in 20 Jahren schwer veraltet aussehen (was schon damit beginnt, dass Facebook seit Entstehung des Films den Nachrichtenton geändert hat), aber in der momentanen Welt passt er genau und schafft es sogar noch sozialkritisch zu sein ohne den mahnenden Moralapostel zu spielen.

Bezüge zu realen Mobbingfällen gibt es trotzdem, so ist kurz ein youtube-Video von Laura zu sehen, wo sie wie das echte Mobbingopfer Amanda Todd, die sich ebenfalls später das Leben nahm, beschriftete Schilder hoch hält.
Natürlich wird ein Film wie UNKNOWN USER, der vor allem ein Unterhaltungsstreifen ist, die Welt nicht verbessern, er stellt aber klar, dass auch diejenigen, die sich hinter der Anonymität des Internets verstecken, um andere klein zu machen, selbst ihre Geheimnisse haben, die sie ebenfalls zu Opfern machen könnten.

Levan Gabriadze

Das gilt für ausnahmslos jede der Figuren, von denen uns zwar einige sympathischer sind als andere, aber wie wir im Laufe des Films lernen, finden sich hier keine strahlenden Helden, sondern eine Gruppe, die sich als Freunde bezeichnet, aber nicht eben durch Loyalität glänzt. Einige der Beispiele sind sicher überzogen, andere nicht weit hergeholt.

Dem Unbekannten, der scheinbar alles über die Gruppe weiß, geht es darum sie gnadenlos gegeneinander auszuspielen, bevor er ihnen das Leben nimmt.
Sex, Lügen, Videos und das alles ohne den PC zu verlassen, klingt wie das ganz normale Leben, wo Klatsch&Tratsch und Pornos nur 2 Mausklicks entfernt sind. Ob man das auch noch dann braucht, wenn man sich mal vom World Wide Web losreißt, um einen Film zu schauen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Es ist zwar so, dass UNKNOWN USER mit immer neuen Ideen aufwartet, wodurch er die Spannung hoch hält, und die Ereignisse am Monitor durch zahlreiche Videos auflockert, trotzdem ist man als Beobachter gezwungen eine Menge zu lesen und das alleine ist für Filme nicht eben typisch.
Immerhin haben sich die Macher hierzulande die Mühe gemacht sämtliche Websites und Internetdienste in der deutschen Version zu präsentieren.

Ein Killer, der Jugendliche in Reihenfolge tötet, klingt erst mal nach Slasher. Billig wirkende Online-Mitschnitte (natürlich samt Verbindungsstörungen) hört sich nach Found Footage an. Die Mischung funktioniert aber schon mal und dass man komplett am Monitor hängt, ist zwar aus OPEN WINDOWS bekannt, der war aber zu viel des Guten und wollte dann auch noch Actionreißer sein, wo UNKNOWN USER bodenständiger wirkt.
Die allerletzte Szene sollte man aber ignorieren.

UNKNOWN USER, der im Original UNFRIENDED (und davor OFFLINE (und davor CYBERNATURAL)) hieß, ist übrigens nicht zu verwechseln mit UNFRIEND, der im Januar 2016 in unsere Kinos kommt und ein ganz ähnliches Thema bedient.
Es ist fast davon auszugehen, dass eine ganze Welle dieser Online-Horrorfilme folgt, aber noch ist das was UNKNOWN USER präsentiert frisch und aktuell.

PS: Hübscher Spaß am Rande: sämtliche Facebook-Profile der Protagonisten existieren wirklich. Hier zum Beispiel das von Blaire: https://www.facebook.com/BlaireLilyUnfriendedMovie

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