Review: WHEN ANGELS SLEEP (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.5

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4.4/10 (9)

Darsteller: Julián Villagrán, Marian Álvarez, Ester Expósito
Regie: Gonzalo Bendala
Drehbuch: Gonzalo Bendala
Länge: 91 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 28. Dezember 2018
Verleih/ Vertrieb: Netflix

 

Wer öfters unsere Reviews liest, wird bemerkt haben, dass eine Vielzahl spanischer Filme mit hohen Bewertungen belohnt werden.
Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt WHEN ANGELS SLEEP, der sich redlich müht, aber mehr Unebenheiten aufweist als eine asturische Dorfstraße.

Inhalt:
Es ist kein guter Tag für Germán.
Seine Tochter hat Geburtstag, aber er sitzt Stunden entfernt von Zuhause in einem wichtigen Meeting, hat noch ein Geschenk zu besorgen und weil er seinen Flug verpasst, muss er am Abend die Fahrt mit einem Leihwagen antreten.  Zu allem Überfluss wird er von einem rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer gerammt, was zu einem kaputten Scheinwerfer führt und als er am Steuer fast einschläft, stoppt ihn auch noch die Polizei….doch der Ärger beginnt erst, als der übermüdete Germán eine junge Frau auf der Landstraße anfährt.

Germán ist kein schlechter Kerl, aber eine Mischung aus Zufällen, ungeschickten Entscheidungen und der misstrauischen Freundin des schwer verletzten Opfers, rücken ihn in ein falsches Licht und der Familienvater muss versuchen sie zu überzeugen, dass er nur helfen will, bevor die Teenagerin zur Polizei geht.
Während der Großteil der Handlung auf einer dunklen, staubigen, verlassenen Landstraße spielt, klingelt Germáns Frau in schöner Regelmäßigkeit durch und will wissen, wo ihr Mann bleibt.
Die muss Germán genau so besänftigen, wie Teenager Silvia, die das Schlimmste von ihm denkt.

WHEN ANGELS SLEEP ist nicht ohne Anspruch, das wird spätestens dann deutlich, wenn Friedrich Nietzsches ALSO SPRACH ZARATHUSTRA Erwähnung findet, worin es um eine Wandlung geht. Das passt zu Germáns Entwicklung. Auch können dessen Beschwichtigungsversuche (oder sind es Ausreden?) gegenüber Silvia als Analogie auf seine familiäre Situation gedeutet werden.
Doch nur weil ein Werk hehre Ziele verfolgt, bedeutet das nicht, dass es gut inszeniert ist.

So versucht Silvia wieder und wieder ihrem vermeintlichen Verfolger zu entkommen, was aber schon deswegen nicht sonderlich packend ist, weil der ihr ja gar nichts Böses will. Dadurch hat auch der Zuschauer eine ambivalente Einstellung zu beiden Hauptfiguren, aber keine Bezugsperson. Das kann zwar reizvoll sein, auch, weil man beide Seiten theoretisch verstehen kann, zu vieles wirkt aber mühsam konstruiert und zu viele ähnlich gelagerte Szenen sorgen für Längen.

Schaut man WHEN ANGELS SLEEP in doppelter Geschwindigkeit oder ignoriert Verfolgungsjagden bei denen der „Böse“ dauernd erklären will, dass er nicht böse ist, lässt sich dessen Potential aber besser erkennen.
(ACHTUNG SPOILER)
Natürlich ist der gestresste Germán nicht besser gelaunt, als Silvia in der Not ein Messer zückt, auch sein Äußeres und das seines Auto erinnern immer mehr an einen Psychopathen und so wird die Erwartungshaltung Silvias nicht nur weiter gefüttert, sondern zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Gonzalo Bendala wirkt als Regisseur, aber vor allem als Autor, zu unerfahren, um die eigentlich starke Prämisse auf Film zu bannen. Das ist schade und es wäre interessant zu wissen, was jemand wie z.B. Jaume Balagueró aus dem Stoff gemacht hätte.

Dieser Gedankenspiele ungeachtet, ist WHEN ANGELS SLEEP zwar keine cineastische Apokalypse, Hauptdarsteller Julián Villagrán spielt sogar überzeugend, aber der Film hat zu viele Hänger, um über Durchschnitt hinaus zu kommen.

 

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