Review: ANATOMIE (2000)

Anatomie review
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7/10 (2)

Darsteller: Franka Potente, Benno Fürmann, Anna Loos
Regie: Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: Stefan Ruzowitzky, Peter Engelmann
Länge: 103 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 3. Februar 2000; 26. August 2021 (Heimkino; Doppelpack mit Teil 2)
Verleih/ Vertrieb: Justbridge
FSK: ab 16

Deutschland und Horrorfilme…here we go again!
Man kann darüber streiten, ob ANATOMIE nur auf der SCREAM-Welle der 90er mitschwamm oder doch mehr zu bieten hat, dass der Film bei Erscheinen ein Erfolg war (über 2 Millionen Kinobesucher) steht jedoch außer Frage.
Ob er es auch wert ist, dass man heute noch über ihn spricht? Schauen wir mal….

Story:
Paula studiert Medizin und da sie ehrgeizig ist und sich berufliche Ziele gesteckt hat, besucht sie einen Sommerkurs in Heidelberg.
Dass sie dabei in einer praktischen Anatomie-Vorlesung Leichen nahe kommt, war ihr klar, doch ein Mörder geht an der renommierten Hochschule um.
Als sie einen der Toten wiedererkennt, beginnt die intelligente Studentin selbst Ermittlungen anzustellen und kommt einem unethischen Geheimbund auf die Schliche.Anatomie_review

Typisch deutsch…und das ist ein Kompliment

Als der Verfasser dieser Zeilen ANATOMIE in den frühen 00er Jahren zum ersten Mal sah, war er etwas enttäuscht, dass der Film zwar schon in die Slasher-Schublade gehört, diese aber zu klein ist.
Mit anderen Worten: ja, es geht um Collegekids; ja, es wird gevögelt, ja, da begeht einer nacheinander brutale Morde und ja, Paula hätte gerne die Frisur von Jamie Lee Curtis in HALLOWEEN.
Da ist aber eben auch dieser Bund der Antihippokraten, was das intime Schlachten zu einer deutlich größeren Sache werden lässt und statt simpler Rachemotive, Fragen zu Ethik und Moral aufwirft.

Mehr als 20 Jahre später möchte der Autor die Filmemacher dafür umarmen, dass sie diesen (damals enttäuschenden) Weg gingen, denn Maskenträger gab es schon 2000 zu viele und sie wurden nicht weniger. Der ANATOMIE-Ansatz die Opfer mit einem Medikament zu lähmen, sodass diese später als morbide Figuren ausgestellt werden können war/ist nicht nur recht eigenständig, sondern entstand auch zu einer Zeit, in der die Körperwelten-Ausstellungen Bekanntheit erlangten (bezeichnenderweise ist eine der beiden Ausstellungen heute in Heidelberg angesiedelt).anatomie potente

Körperwelten mal anders

Aber-aber, das ist doch ein deutscher Film. Muss er dann nicht schlecht sein?
Damit wir uns nicht missverstehen, ANATOMIE ist ein guter, aber kein großartiger Film.
Als Kritik muss er sich beispielsweise gefallen lassen, dass das permanente Gerede über Sex mehr nervt, als dass es irgendwen anmacht, zumal man sich noch zugeknöpfter gibt, als manche amerikanischen Vorbilder.
Allerdings macht er auch einiges richtig. Er will nicht unnötig amerikanisch sein, sondern nennt eine Figur Gretchen, eine andere Hein. Er spielt in Heidelberg. Nicht viele Filme spielen in Heidelberg, die Stadt ist aber auch bei internationalen Touristen beliebt und die Ecken der Altstadt, die hier und da gezeigt werden, sind der Stoff aus dem feuchte Träume japanischer Reisender sind, bieten aber auch einheimischen mal eine andere Kulisse als die gängigen Metropolen.

Es mag geholfen haben, dass Stefan Ruzowitzky (INFERNO) für Buch und Regie verantwortlich war. Der ist Österreicher und dort geht man offenbar unbefangener mit der eigenen Nationalität um, was auch Landsmann Andreas Prochaska mehrfach zeigte.
Trotzdem: kein deutscher Film, ohne wenigstens ein paar Nazi-Andeutungen. Die sind hier wirklich untergeordnet, aber die elitären Werte und Intentionen der Geheim-Loge wirken schon an die dunklen Taten eines Josef Mengele angelehnt.

Anatomie

Aber auch die Besetzung mag zum Erfolg beigetragen haben. Mimen wie Anna Loos, Benno Fürmann oder Oliver Wnuk kennt man bis heute aus Musik, Film und Fernsehen und Hauptdarstellerin Franka Potente war schon zwei Jahre zuvor mit LOLA RENNT über deutsche Grenzen hinaus bekannt geworden.

ANATOMIE ist sicher nicht der brutalste Film, den man sich ansehen kann, die physischen Szenen sind eher akzentuiert gesetzt, sehen dafür aber noch immer gut aus. Neben einer Prise Humor, gibt es Spannung in ausreichender Form und ganz im SCREAM-Stil darf man auch mitraten wer der Mörder ist.
ACHTUNG SPOILER: dass es gleich zwei Killer sind, ist sicher auch an SCREAM angelehnt. Dass man den einen aber wegen Bedeutungslosigkeit so gar nicht auf dem Radar hat, ist unschön. SPOILERENDE

Fazit: ANATOMIE funktioniert auch heute noch gut, sofern man über ein paar 90er-Accessoires wie Augenbrauenpiercings hinwegsehen kann.
Das liegt auch an einer gewissen Eigenständigkeit innerhalb der Genregrenzen.

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