Review: AWAKE (2021)

awake
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4.0

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5/10 (1)

Darsteller: Gina Rodriguez, Ariana Greenblatt, Lucius Hoyos, Jennifer Jason Leigh
Regie: Mark Raso,
Drehbuch: Joseph Raso, Mark Raso
Länge: 96 min.
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 9. Juni 2021 (Netflix)
Verleih/ Vertrieb: Netflix

Eigentlich kann kaum noch einer das Wort Pandemie hören. Auch in filmischer Art ist dieses Thema in den vergangenen Monaten beinahe zu oft aufgetaucht. Eine andere Art der Massenerkankung musste also her, auch gern eine, die kein Virus zur Ursache hat aber trotzdem die ganze Welt betrifft. Netflix übernahm den Job bereitwillig und veröffentlichte kürzlich AWAKE. Ob und wie ein ganzer Planet zum wachbleiben gezwungen werden kann, klären wir hier.

Story

Ein weltweiter Stromausfall sorgt dafür, dass die Menschen einfach nicht mehr schlafen können. Das Chaos bricht aus, und mittendrin sind Jill, eine ehemalige Soldatin samt ihre Tochter und dem Sohn. Schnell wird klar, dass die kleine Tochter der Schlüssel zur Lösung aller Probleme ist, jedoch ist Jill nicht die einzige, die um die Besonderheit ihres Mädchens weiß.

Jills Probleme

Ohne Zeit zu verlieren sehen wir Jill dabei zu, wie sie aus einer militärischen Einrichtung auffällig viele Medikamente klaut. Noch bevor wir uns fragen können, wen sie damit versorgen möchte, kommt ein Dealer und tauscht Medikamente gegen Geld. Da Jill ohne Mühe und mit einem Hallo auf den Lippen in den Komplex hineingelangt, ist klar, dass sie eine Soldatin oder anderweitig beschäftigte beim Militär war oder noch ist. Der Lohn dafür scheint offensichtlich nicht genug, wenn sie auf das dealen mit Medikamenten angewiesen ist. Kurze Zeit später erfahren wir, dass Jill zwar Mutter zweier Kinder ist, diese aber aufgrund von Jills Vergangenheit nicht bei ihr wohnen.

AWAKE verliert hier wirklich keine Zeit, sondern springt mitten ins Geschehen. Damit kann man arbeiten, wenn die Story im Verlauf für genügend Aufklärung sorgt.

awake jill und kinder

Krankheit oder Katastrophe?

Im Eiltempo geht es weiter bis zum verhängnisvollen Stromausfall, der dafür sorgt, dass jegliche Stromversorgung erlischt. Autos kommen zum Stehen und das Chaos scheint nicht aufzuhalten.

Durch etwas Geplänkel von Jill und der Frau, die ihre Kinder großzieht, erfahren wir wenig neues über die letzten Jahre, oder wie es zum zerrütten der Familie kam, dafür aber, was die Auswirkungen der Katastrophe für alle Menschen mit sich bringen. Kein Erdenbürger kann mehr schlafen. Auch wenn es keinerlei Hinweise dafür gibt, dass Menschen weltweit nicht schlafen können, müssen wir an dem Punkt einfach den Erzählungen der Protagonisten glauben.

Schlafentzug

Jeder von uns, der schon einmal, aus welchen Gründen auch immer länger als 24 Stunden wach blieb, kennt die Symptome des Körpers. In AWAKE werden diese ebenfalls angesprochen als die Frage aufkommt, ob die Menschheit nun aussterben muss? Die Antwort darauf gibt ein Wissenschaftler des Militärs mit den Worten: Nach 48 Stunden setzt der Verlust des logischen Denkens ein. Nach 96 Stunden setzen Halluzinationen ein, sowie der Verlust der Motorik. Danach versagen die Organe und das Herz setzt aus.

Nach einer kurzen Erklärung, dass das, was auch immer den Stromausfall verursacht hat, dafür sorgt das der Schlafmangel schneller als unter anderen Umständen den Verfall des Körpers voranschreiten lässt, wissen wir auch, wie das schnelle voranschreiten des Films gerechtfertigt wird.

AWAKE befasst sich also mit der medizinischen Seite des Schlafentzugs? Nein, bis auf diese dürftigen Erklärungen erhalten wir keinerlei Einsicht in diese Problematik. (Ausgenommen einen Funken Storyrelevantes, was hier zu einem Spoiler führen würde.) Da hatte wohl einfach Jemand eine Idee, die gut klang, aber keiner hat sich die Mühe gemacht etwas mehr Klarheit bei diesem Thema zu schaffen. Ein paar zusätzliche visuelle Bewusstseinsstörungen hätten dem Ganzen gut getan, aber auch hier: Fehlanzeige

awake auto

Es könnte so einfach sein…

Dass die Leute durchdrehen ist nachvollziehbar, auch dass sich ab einem gewissen Zeitpunkt alles überschlägt, aber anstatt eine gradlinige Story zu schaffen, bei der man mitfiebert oder mit kleinen Twists etwas Spannung erzeugt, hetzt AWAKE von einem Unglück ins nächste. Unnötige Szenen von religiösen Fanatikern, ehemaligen Häftlingen oder bösen Buben inklusive. Das Tempo ist so hoch, dass man erst am Ende des Films fassen kann, was in den letzten 96 Minuten abgelaufen ist und zu dem Schluss kommt, dass keiner der Beteiligten bei AWAKE in der Lage war, die etlichen losen Enden zu verknüpfen.

Was ist mit der Tochter?

Matilda kann schlafen, (fast) ein Unikat unter den schlaflosen Menschen. Was also steht uns bevor? Es ist nicht einmal nötig hier eine Spoilerwarnung auszusprechen, denn aus dem Potenzial, was das Mädchen mit ihrer Besonderheit hat, wurde nichts gemacht. Matilda kann schlafen… mehr nicht.

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Kein Diamant unter den Netflix-Filmen

Die Besetzung in AWAKE ist keine Schande, aber in diesem Endzeitszenario, was es augenscheinlich darstellen will, kommt einfach keine Sympathie für irgendwen auf. Hinzu kommt, dass die Story hochgradig Unglaubwürdig ist. Den letzten tritt gibt uns dann noch die hanebüchene Auflösung, wie man dem Schlafentzug entkommen kann, oder die Krankheit die der Stromausfall auslöste, heilen kann. Ja, hier könnte man von einem Twist reden, den man nicht kommen sieht, daher überrascht er sicherlich. Allerdings verhält es sich dabei so wie bei ELI, ein Twist um jeden Preis, egal ob sich die Zuschauer dabei veräppelt fühlen.

AWAKE hat eine Geschichte mit Potenzial für eine Mini-Serie, die etwas tiefer in die Symptomatik einsteigt und gute Bilder dazu liefert. Als Langfilm versagt AWAKE leider fast auf ganzer Linie. Als Zuschauer hofft man auf Auflösungen und merkt erst viel zu spät, dass AWAKE schon den Abspann einläutet.

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