Review: DIE EINÖDE (2022)

Die Einöde: Cover
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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4.9/10 (11)

Darsteller: Inma Cuesta, Asier Flores, Roberto Álamo
Regie: David Casademunt
Drehbuch: David Casademunt, Martí Lucas, Fran Menchón
Länge: 92 Minuten
Land:
Genre: , , ,
Veröffentlichung: 06.01.2022
Verleih/ Vertrieb: Netflix
FSK: ab 16

Mit DIE EINÖDE hat Netflix nach ZWEI einen weiteren spanischen Film in das Portfolio aufgenommen. Wie der Titel schon erahnen lässt, spielt der Film inmitten eines verlassenen Landstrichs. Es ist die Zeit von Kriegen und Gewalt in der Mitte des 19. Jahrhunderts und viele Menschen fühlen sich so trostlos, wie die Gegend in der sie Schutz suchen.
Regisseur und Mit-Drehbuchautor David Casademunt gibt hier sein Spielfilmdebüt und kann dank Netflix sein Können einem großen Publikum zeigen.Die Einöde: Vater reitet fort

Inhalt von DIE EINÖDE

Diego wohnt zusammen mit seiner Mutter und seinem Vater auf einem sehr abgelegenem Hof. Weit und breit sind keine anderen Menschen zu sehen und seine einzigen Freunde sind die Kaninchen, die allerdings auch als Nahrung dienen. Eines Tages verlässt der Vater den Hof, um eine Aufgabe zu erledigen. Kurz nachdem er weg ist, taucht eine unheimliche Gestalt auf, die sich von Tag zu Tag nähert und Diego mitsamt seiner Mutter bedroht.

Resümee zu DIE EINÖDE

Selten kann der Titel eines Films seine Atmosphäre so gut einfangen. Ab dem ersten Moment in DIE EINÖDE kann man die Einsamkeit des kargen Landes und die verzweifelte Lage der kleinen Familie spüren. Die Familie wohnt tatsächlich in einer Einöde und schlägt sich eher schlecht als recht durch. Aus Angst vor dem Krieg und anderen Menschen verlassen sie ihr Stück Land nicht und die Mutter ist sehr bedacht, Diego immer wieder einzuschärfen, dass von fremden Leuten nichts Gutes zu erwarten ist. Als der Vater davonreitet wird das Gefühl von Einsamkeit und Verzweiflung direkt um ein Vielfaches verstärkt.
Der Film lebt viel von seiner Atmosphäre und die wird kunstvoll geschaffen: Durch Landschaftsaufnahmen, durch die ausgewaschenen Farben und natürlich durch das Schauspiel.

Die Einöde: Diego sieht einen Schatten

Im Mittelpunkt von DIE EINÖDE steht neben der sogenannten Bestie immer auch die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Diese durchläuft verschiedene Stadien, ist mal enger und mal fast feindseelig. In diesem Sinne ist DIE EINÖDE kein reiner Horrorfilm, sondern schneidet auch die Genres Drama und Coming of Age an. Dies ergänzt sich jedoch gut und wenn gerade zum Schluss hin noch ein wenig Psychothriller zur Mischung kommt, ergibt sich ein angenehmes Gesamtbild.

Würde man DIE EINÖDE mit anderen Filmen vergleichen wollen, würden sich am ehesten wohl THE VVITCH, HEREDITARY und DER BABADOOK eignen. Die Filmen führen übernatürliche Kreaturen ein, es bleibt aber lange Zeit fraglich, ob diese wirklich existieren, oder nur in den Köpfen der Personen leben. Ebenso ist es bei DIE EINÖDE. Die Bestie ist eine Gestalt aus einer Geschichte, die der Vater dem kleinen Diego erzählt hat und die nach seiner Abreise am Rand des Grundstückes auftaucht. Der Film lässt offen, ob diese tatsächlich ihr Unwesen treibt, oder eine gemeinsame Halluzination von Mutter und Kind ist. Der Film funktioniert auf beide Interpretationsweisen, tendiert aber in eine Richtung.

Die Einöde: Diego und seine Mutter

Die größte Schwäche des Films ist, dass er ein sehr langsames Erzähltempo hat und es durchaus lange braucht, bis die Handlung spannend wird. Vorher gibt es viel Alltagsleben von der Familie zu sehen, das an sich recht belanglos wirkt, aber natürlich hilft die Charaktere zu etablieren. Zwischendrin gibt es auch sehr unangenehme Szenen zu sehen, wenn beispielsweise die Kaninchen sehr langwierig erschlagen werden.
Im letzten Drittel nimmt das Tempo zu und es gibt ein paar unheimliche Momente. Anzumerken ist vielleicht noch, dass der Film keinesfalls auf blutige Effekte setzt und es nur wenige Szenen für ausgemachte Splatterfans gibt.
Ein paar Mal sehen die Handlungen der Personen extrem unlogisch aus, beispielsweise wie die Mutter mit der wenigen Munition für das Gewehr umgeht. Allerdings machen diese scheinbar unüberlegten Taten am Ende doch irgendwie Sinn, da sie sich in das Gesamte einfügen und Hinweise auf die Verfassung der Personen geben.

DIE EINÖDE ist kein Film für alle und doch recht eigenwillig, was Tempo und Geschichte betrifft. Wer THE VVITCH und DER BABADOOK mochte, könnte auch Gefallen an DIE EINÖDE finden.

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