Review: DRIVE (2011)

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Redaktion: 10.0

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8.6/10 (11)

Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini
Länge: 96 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 26. Januar 2012 (Kino); 10. Dezember 2021 (4K Mediabook)
Verleih/ Vertrieb: Leonine
FSK: ab 18

Vor 10 Jahren wurde Nicolas Winding Refns DRIVE veröffentlicht, ein Film dessen erste Hälfte so leise und harmonisch verläuft, dass es für uns eigentlich keinen Grund gibt, ihm ein Review zu widmen…der aber in der zweiten Hälfte deutlich dunklere Klänge spielt.

Story:
Tagsüber ist Driver Automechaniker und Stuntman beim Film, doch nachts betätigt er sich als talentierter Fluchtwagenfahrer bei krummen Dingern. Als er Nachbarin Irene und ihren Sohn kennenlernt, scheint sich zwischen den beiden eine Romanze anzubahnen, doch Irenes Mann Standard, der im Gefängnis sitzt, wird bald entlassen. Als Standard in Schwierigkeiten gerät, weil er Typen aus dem Knast Geld schuldet, beschließt Driver ihm zu helfen, doch der vermeintlich simple Überfall endet tödlich.

Zugegeben, das klingt nach oft gesehen. Ein Typ verliebt sich in die Frau eines anderen, es wird geballert, es gibt eine Verfolgungsjagd, blabla. Aber so wenig DRIVE eine typische Romanze ist, ist es ein typischer Gangsterfilm, Actionfilm oder Thriller.

Wer sich Refns Werk ansieht und auf knallharte Temposünder a la FAST & THE FURIOUS hofft, wird wohl enttäuscht. Zwar sind Motoren und Autos immer wieder im Fokus, anfangs erleben wir aber vor allem eine aufkeimende Romanze.
Von den grausamen TWILIGHT-Schinken abgesehen gibt es in der Filmgeschichte wohl wenige Werke, in denen mehr über verzehrende Blicke ausgedrückt wird, nur dass es hier funktioniert.drive review

Die zweite Hälfte von DRIVE hat es in sich

Das liegt mitunter an einem schweigsamen Ryan Gosling, der Driver spielt (wobei der Name eigentlich nur ein Platzhalter ist, denn er wird nie namentlich genannt) und der oft erstaunlich lange für Antworten braucht oder diese ganz ausspart und nur mit einem sanften Lächeln reagiert.
Oder an seinem Gegenpart Carey Mulligan, die zwar den klassischen weiblichen passiven Part einnimmt, was ihre schauspielerische Leistung auf den ersten Blick abwertet, die aber trotzdem zur wichtigen zwischenmenschlichen Chemie der Figuren beiträgt.

Doch DRIVE nutzt diese Romantik nur als Sprungbrett für seine dunkle (und zunehmend brutale) Geschichte, die quasi in dem Moment Fahrt aufnimmt, als Irenes Mann aus der Haft kommt.
Hier ist es auch, wenn wir zum ersten Mal erleben, dass Driver selbst nicht nur ein Gentleman-Gangster ist, der das Fluchtauto fährt, sondern seine Abgründe mitbringt.

Im Film wird die Fabel des Skorpions und des Froschs erwähnt (drive rezension

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Spoiler:
Eine der bedeutsamsten Szenen ereignet sich in einem Aufzug und ist fantastisch inszeniert.
Hier ist Driver mit Irene und einem Fremden, der ein zufälliger Mitfahrer sein könnte, doch Driver bemerkt die Waffe unter seinem Jackett. Er zieht Irene weg, küsst sie in Zeitlupe das erste und einzige Mal im Film, während sich das Licht im Fahrstuhl auf wundersame Weise verändert. Danach geht alles ganz schnell: Driver überwältigt den Fremden und tritt so lange auf sein Gesicht, bis davon wenig übrig ist.
Durch die sich schließende Fahrstuhltür sieht er die entsetzte Irene, die erst jetzt versteht, was wir als Zuschauer zu diesem Zeitpunkt schon wissen: Driver ist nicht der harmlose Nachbar.

Spätestens ab diesem Punkt ist das Thema Romantik in DRIVE ziemlich erledigt. Für den tumben Gewaltfilm-Fan vermutlich zu spät und trotzdem ist DRIVE ein rundum gelungener und ernsthafter Film.
Das liegt neben den Hauptdarstellern und der Story natürlich auch an Nebenfiguren, die z.B. von Ron Perlman (HELLBOY) oder Bryan Cranston (BREAKING BAD) gespielt werden.
Das liegt aber auch an einerdrive kritik

Wie eingangs erwähnt enthält der Film bekannte Elemente, die man aus ähnlich gelagerten Werken kennt. Gerüchteweise ließ sich Gosling für seinen Charakter von Silvester Stallone in CITY COBRA inspirieren, sparte aber (zum Glück) alberne Oneliner aus. Es ist jedoch auch anzunehmen, dass er in der Vorbereitung den ein oder anderen Western mit Clint Eastwood oder BULLITT gesehen hat.
Auch wenn DRIVE auf dem Roman DRIVER von James Sallis von 2005 beruht, sind auch Parallelen zu dem Film DRIVER von 1978 auszumachen.

Fazit:
DRIVE zeigt, dass man das Rad nicht gänzlich neu erfinden muss und eine minimalistische Story ausreicht, solange die glaubhaft vermittelt wird und die Beteiligten was vom Filmemachen verstehen.
So wie Driver seine Regeln in aller Kürze beschreibt und immer auf den Punkt kommt, funktioniert auch der gesamte Film…und hat unter der Oberfläche trotzdem viele Details zu bieten.

 

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