Review: LAST NIGHT IN SOHO (2021)

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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7.5/10 (2)

Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Edgar Wright, Krysty Wilson-Cairns
Länge: 113 min
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 27. Januar 2021 (DVD+BD)
Verleih/ Vertrieb: Universal
FSK: ab 16

Edgar Wright ist ein vielseitiger Regisseur, der Genrefans am ehesten von SHAUN OF THE DEAD bekannt ist. Dort vermischte er Horror mit Komödie und eine ruhige, fast gemütliche Erzählweise mit schnellen Schnitten, wo es nötig wurde.

LAST NIGHT IN SOHO führt Wright zurück zum Horror, er präsentiert uns hier aber einen Film, der zwar ganz anders ist als seine frühen Werke, in sich selbst aber ebenfalls Vielseitigkeit beweist.last night in soho rezension

Story:
Eloise (oder kurz Ellie) zieht vom Land nach London, wo sie Modedesign studieren will. Ihr Start ist holprig und nachdem es zwischen ihr und ihrer Zimmergenossin zum Eklat kommt, zieht sie in ein Privatzimmer, das von einer älteren Dame vermietet wird.
Doch fortan wird Eloise jede Nacht von einem sich fortsetzenden Traum verfolgt, in dem sie die junge Sängerin Sandy im London der 60er Jahre sieht.
Fasziniert von Sandy, der Musik und der Mode der Zeit im In-Viertel Soho passt Eloise ihr Äußeres an und lässt die Fantasie in ihre Arbeit einfließen. Doch das, was wie ein Traum beginnt, wird zu einem Alptraum, der auch nach der angehenden Designerin greift.

Traum? Alptraum? Zeitreise? Wahnsinn?

last-night-in-soho kritik

Sicher, die Mitschüler, die ihr zunächst Freundschaft vorgaukeln, wie auch die anfängliche Internatsatmosphäre kennt man aus anderen Werken, spielen hier aber eine untergeordnete Rolle.

Interessanter sind da schon die nächtlichen Ausflüge, in denen der Regisseur viel Musik der 60er einfließen lässt, ansonsten aber die Ruhe bewahrt und anfangs eine Welt erschafft, die man gerne ebenfalls besuchen möchte.
Auch wenn Wright nicht mit der Tür ins Haus fällt, sei an dieser Stelle aber verraten, dass LAST NIGHT IN SOHO eben kein Musikfilm a la COYOTE UGLY und Co. bleibt, bei dem ein Kleinstadtmädchen in der Großstadt Glück, Liebe und einen Kneipenjob findet (obwohl all das angerissen wird), sondern peu à peu in dunklere Gefilde abgleitet.

So wird Ellie nicht nur Zeugin von Sandys anfänglichem Erfolg, sondern auch davon, wie die Männer der damaligen Zeit mit ihr umgehen und einem schrecklichen Verbrechen.
Bemerkenswert ist dabei der Umgang des Films mit ihren Träumen. Oft erscheint Ellie wie ein Spiegelbild von Sandy, was sie später auch in ihrem Erscheinungsbild angleicht, aber wie ein Abbild kann auch sie kaum eingreifen und ist als Lebende in dieser Welt ein Geist, während die Traum-/Geister-/Fantasiewelt ihre Schatten auf die reale Gegenwart wirft.
Was genau die Welt ist, in die Ellie Nacht für Nacht abtaucht, wird zunächst gar nicht verdeutlicht, dafür wissen wir aber von Beginn an, dass die Studentin ein besonderes Gespür besitzt und ihre verstorbene Mutter bei sich sehen kann.

 

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LAST NIGHT IN SOHO trifft den Zeitgeist

Man könnte LAST NIGHT IN SOHO daher eine Geistergeschichte nennen, falsch wäre es nicht.
Man könnte auch von einer Detektivgeschichte sprechen, denn Sandy potentieller Mörder ist noch am Leben und Eloise kommt ihm auf die Schliche.
Aber es ist eben die Verquickung aus allen Elementen, die LAST NIGHT IN SOHO zu einer Mischung aus Zeitreise (in jedem Sinn), tanzbarem Mitsingfilm und Horrorstreifen machen.

Den schnellen Kick liefert Edgar Wright dabei nicht. Es gilt einer Geschichte ohne bemühte Jumpscares zu folgen, die gar nicht allzu tiefgründig ist, aber ihre Figuren ernst nimmt und Grusel, Gewalt (auch sexuelle Gewalt) einbindet.Vielleicht hätte dem Film hier und da etwas mehr Schmutz gut gestanden, während der Einsatz von CGI noch weiter hätte reduziert werden dürfen. Es ist aber nicht so, als würde sich LAST NIGHT IN SOHO je lächerlich machen.

Fazit: Ein gut erzählter, vielschichtiger Film mit gelungener Schauspielperformance, der den Wunsch auslöst, mal wieder Papas Plattenspieler vom Dachboden zu holen.

 

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