Review: THE INNOCENTS (2022)

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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9/10 (2)

Darsteller: Rakel Lenora Fløttum, Alva Brynsmo Ramstad, Sam Ashraf
Regie: Eskil Vogt
Drehbuch: Eskil Vogt
Länge: 112 min
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Veröffentlichung: 21. Juli 2022 (VOD); 29. Juli 2022 (DVD+BD)
Verleih/ Vertrieb: Capelight
Sonstiges: Fantasy Filmfest 2021
FSK: ab 16

Man sagt Kindern Unschuld nach, aber man gesteht ihnen kaum Entscheidungen zu. Man nennt sie rein, aber man traut ihnen nicht über den Weg.
THE INNOCENTS zeigt uns, dass diese Widersprüche berechtigt sind.

Inhalt:
Ida zieht mit ihren Eltern und ihrer älteren autistischen Schwester Anna in einen Wohnblock, wo sie zunächst niemanden kennt. Mit Anna, die in ihrer eigenen Welt lebt, kann sie wenig anfangen, aber Ida lernt rasch Ben aus der Nachbarschaft kennen, der ihr bald seine telekinetischen Fähigkeiten vorstellt. Anna kommt ihrerseits mit Aisha, einem weiteren Mädchen aus dem Wohnkomplex, in Kontakt, die in ihre Gedankenwelt eindringen kann.
Wenn die vier Kinder zusammen sind, scheinen sich ihre Kräfte zu verstärken und weiterzuentwickeln, mit Aishas Hilfe lernt Anna sogar zu sprechen….doch nicht jeder nutzt seine Möglichkeiten für Gutes.

Wer sagt, dass es für Genrefilme keinen neuen Stoff mehr gibt, sollte sich nach Skandinavien wenden. Filme wie BORDER, THELMA oder SO FINSTER DIE NACHT zeigen, dass man aus teils bekannten Ansätzen mit Hilfe von klugem Storytelling und wohlüberlegten Figuren etwas völlig Neues machen kann.
Genau das ist es auch, was THE INNOCENTS tut. Natürlich sind Telekinese und Telepathie keine neuen Räder, aber die besondere Erzählweise macht den Unterschied.the innocents rezension

THE INNOCENTS: Superkräfte ohne Capes

So ist Ida zwar anfangs die Hauptfigur, aber keineswegs Sympathieträgerin. Wenn sie in ihrer Langeweile Regenwürmer zertritt und andere Tiere quält oder ihrer Schwester Glasscherben in die Schuhe legt, rückt das Wort „unschuldig“ in weite Ferne. Gleichzeitig mag man eine naive kindliche Neugier unterstellen, auch wenn die darin mündet, dass andere zu Schaden kommen.

Man hat den Eindruck, dass Regisseur und Autor Eskil Vogt, der schon das Skript zu THELMA schrieb, echte Kinder genau beobachtete, ihr Verhalten und das Ausloten wollen von Grenzen aufgriff und darüber eine Schicht übernatürlicher Elemente legte, sodass die Entwicklungen nicht erzwungen, sondern natürlich wirken.

THE INNOCENTS ist kein Film, der in Schwarz-weiß-Mustern denkt, was auch für andere Bereiche gilt. Viele andere Werke würden den vier Kids jeweils eine klare Fähigkeit geben, um den Zuschauer nicht zu überfordern, aber THE INNOCENTS besteht auf eine asymmetrische Verteilung und Entwicklung, sodass man gerade in der ersten Filmhälfte überlegen muss, wer gerade was kann und ebenso undurchschaubar sind zunächst die Charakterzüge.

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Daraus entsteht aber auch permanent die Frage, wie die Story weitergehen wird. Zwar wird die Geschichte mit aller skandinavischen Ruhe vorgetragen, trotzdem ist in der Handlung oder der Charakterisierung immer eine Bewegung vorhanden, weswegen nie Langeweile einsetzt.
Wagt man einen Vergleich mit dem amerikanischen BRIGHTBURN, wo ein Anti-Superman als Kind ebenfalls übernatürliche Kräfte an den Tag legt, fällt auf, dass dieser deutlich actionlastiger und temporeicher ausfällt, ab einem relativ frühen Punkt aber auch kaum noch eine Entwicklung besitzt.

Auch der Horroranteil ist in THE INNOCENTS deutlich versteckter und das nicht nur, weil an den endlosen Tagen des norwegischen Sommers meist die Sonne scheint. Der Film wechselt einfach geschickt zwischen auffälligen, aber harmlosen Begabungen, positiven Augenblicken und Grausamkeit hin und her.

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Kinder an die Macht? Nicht so schnell!

Eine weitere Sache, die man Kindern nachsagt, ist dass man schwer mit ihnen drehen kann. Mag sein, dass die Arbeit am Set hart war, aber das Ergebnis ist in diesem Fall prächtig. Selbiges lässt sich den Effekten nachsagen, die oft vergleichsweise simpel wirken, aber bis auf eine Ausnahme immer realistisch aussehen. Dieses Bodenständige behält der Film bis zum Ende bei. Eskil Vogt verfällt auch zum Finale nicht in Pathos und Effekthascherei, sondern zieht seine geerdete Erzählweise durch.

Fazit:
THE INNOCENTS ist kein Film, den man drei Mal hintereinander sehen muss, um ihn zu begreifen, man sollte ihn aber auch nicht nebenbei sehen. Man braucht kein Philosophiestudium um ihn zu verstehen, aber womöglich lässt er doch nachdenken. Er enthält komplexe Figuren, ohne verkopft zu sein. Er ist nicht der härteste Horrorfilm, aber er enthält schmerzhaft harte Szenen.
THE INNOCENTS ist definitiv “anders”, geschickt erzählt und unbedingt sehenswert.

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