Obwohl Facehugger und Xenomorphe seit fast 50 Jahren das Weltall unsicher machen, kamen sie bisher nur in den ALIEN VS. PREDATOR – Filmen auf der Erde vorbei.
Mit ALIEN: EARTH ändert sich das und der blaue Planet wird besucht. Auch neu ist, dass hiermit die erste Serie aus dem Franchise entsteht.
Wir durften uns vorab 6 der 8 Episoden ansehen. Ein finales, abschließendes Urteil müssen wir also schuldig bleiben, einen ersten Eindruck haben wir aber mitgenommen und können verraten, dass wir sehen wollen wie es weitergeht.
Wovon handelt ALIEN: EARTH?
Als ein Raumschiff auf der Erde abstürzt und mit einem Wolkenkratzer einer Großstadt kollidiert, machen sich Such- und Rettungskräfte rasch auf den Weg. Doch dieser Einsatz birgt nicht nur die erwartbaren Gefahren wie einsturzgefährdete Gebäudeteile, auch ein überlebendes Besatzungsmitglied zeigt sich gewaltbereit. Der ist jedoch das kleinere Übel, denn vor allem die interstellare Fracht fordert rasch Opfer.
Gleichzeitig macht sich Wendy, ein Hybrid mit künstlichem Körper aber menschlichem Bewusstsein, auf die Suche nach ihrem Bruder, der unter den Rettern ist.
Damit nicht genug ringen zwei Superkonzerne um die Vormacht der außerirdischen Mitbringsel.
Man merkt, ALIEN: EARTH hat inhaltlich einiges vor und während Episode 1 dadurch fast überladen wirkt, sortieren sich die Handlungsstränge in den nächsten jeweils knapp einstündigen Folgen auseinander.
Dabei muss man sich klar machen, dass dies eben kein Film, sondern eine Serie ist, Spannung nicht permanent steigt, sondern auch mal ein Schritt zurück gegangen wird und ruhige Passagen eingebaut sind.
Anders ausgedrückt, es finden sich Episoden, die deutlich an die Survival-Elemente von Ridley Scotts Original erinnern und auch das Interieur des Raumschiffs erinnert optisch an die Nostromo. Das ist aber auch kein Wunder, ist ALIEN: EARTH doch im Jahr 2120 und damit nur zwei Jahre vor ALIEN angesiedelt.
Andere Episoden haben mehr wissenschaftlich-philosophischen Charakter, beinhalten mehr Dialog als Action und stehen insofern einem Film wie PROMETHEUS näher als z.B. ALIENS.
Geschwisterliebe, frische Monster, alte Schleimer und Peter Pan
Da uns die bisherigen ALIEN-Filme aber bereits eine Vielzahl von Helden und Widersachern, Welten und Monstern nahebrachten, ist der Fan der Reihe grundsätzlich vorbereitet, seinen Horizont abermals zu erweitern.
Gleich zu Beginn wird per Einblendung der Unterschied zwischen Cyborgs, Syntheten und Hybriden erklärt, es geht also differenziert zur Sache.
Wer es schlichter mag bekommt neben den klassischen schleimigen Außerirdischen weitere, neue Monster, wie etwas, das eine Mischung aus Schnecke und Zecke zu sein scheint.
Durch diese Vielzahl von Ansatzpunkten und Ideen animiert ALIEN: EARTH auch in ruhigeren Momenten am Ball zu bleiben und wirkt dadurch dann doch wieder mehr wie ein überlanger Film als eine episodenhaft erzählte Serie (was positiv gemeint ist).
Neue Ideen, aber auch Schwächen
Allerdings ein überlanger Film, der auch Schwächen mitführt.
Trotz solcher Szenen wie die in der Hauptfigur Wendy ihren Bruder bei der Rettungsaktion unterstützen will und dabei von allen denkbaren Werkzeugen ausgerechnet den Hebel eines Papierschneiders mitnimmt, hat ALIEN: EARTH wenige Momente, die knallhart danebenlangen. In Summe scheint aber schon des Öfteren durch, dass das Serien-Budget unter dem Niveau eines Kinofilms liegt.
Dass einige Landschaften ziemlich künstlich (sprich: computergeneriert) aussehen oder an scheinbar jeder Stelle am Unfallort ein Funkenregen niedergeht, ist natürlich zu verkraften, aber wenn der Xenomorph zwar hübsch auf Kommando Leute vollsabbert (eine Szene, die sich mehrfach wiederholt), sonst aber sauber und wie aus dem Ei gepellt dasteht und sich ein junges Exemplar sogar streicheln lässt, ist nicht nur eine optische Vergleichbarkeit zu den Filmen gegeben, es geht auch Schrecken verloren.
Auch über das ein oder andere Creature Design lässt sich streiten. Das Wesen, das eine Mischung aus parasitärem Auge und Tentakelarmen ist, hätte sich in einer Horrorcomedy wie SLITHER wirklich gut gemacht, passt in diese Welt aber nicht wirklich. Apropos unpassend, die Extravaganz des jungen Super-Milliardärs, der die meiste Zeit gelangweilt herumsitzt, bei einer Verhandlung um weitere Milliarden schon mal die nackten Füße auf den Tisch legt und ansonsten gerne Peter Pan zitiert, wird rasch zum Nervfaktor.
Auf der Haben-Seite kann die Serie aber für sich verbuchen, dass sie zwar merklich im bekannten ALIEN-Universum verankert ist, anders als zuletzt ALIEN: ROMULUS wird aber auf allzu offensichtliche Eastereggs (wie den Trinkvogel), betonten Fanservice und peinliche Oneliner verzichtet.
(Vorläufges) Fazit zu ALIEN: EARTH
Nach diesen ersten sechs Folgen ist es schwer ein Urteil zu fällen. Nicht nur weil zwei Teile fehlen, sondern weil diese beiden Teile mutmaßlich wichtig für den Gesamteindruck sein werden.
Denn man merkt bislang, dass die Ereignisse zueinander führen, sich das Team um Serienschöpfer Noah Hawley Gedanken machte und auch erzählerisches Talent vorhanden ist.
In anderen Momenten macht die Serie aber den Eindruck, als gäbe es da ein zweites, weniger talentiertes Team, das den Geist und Spirit der Reihe nicht transportieren kann und für fragwürde Figuren und Lückenfüller zuständig ist.
Es braucht also die letzten beiden Folgen und die Hoffnung, dass sie ALIEN: EARTH zu einer runden Sache machen.
Die 6,5 Punkte bedeuten daher momentan: will ich weitersehen, ich rechne aber sowohl mit einer positiven als auch negativen Weiterentwicklung.













