Einhörner gehören traditionell zu positiv besetzten Fabelwesen. Rein, gütig und unschuldig werden sie beschrieben. Im Horrorfilm haben sie daher wenig Platz, aber eine Szene in THE CABIN IN THE WOODS zeigte auch eine andere Seite.
In DEATH OF A UNICORN wird das dunkle Wesen der pferdeartigen Geschöpfe weiter beleuchtet.
Wovon handelt DEATH OF A UNICORN?
Anwalt Elliot ist mit Tochter Ridley gerade auf dem Weg zu einem Geschäftstermin in den Bergen, als ihnen ein Tier vors Auto läuft. Zur großen Überraschung handelt es sich dabei um ein Einhorn und da die beiden mit der Situation überfordert sind, laden sie es kurzerhand in den Kofferraum.
Als Elliots Geschäftspartner, ein Familienclan, dem ein Pharmakonzern gehört, bemerkt, dass das Einhorn heilende Kräfte besitzt, ist das Interesse groß, doch während die Erwachsenen über Geld und Karriere nachdenken, findet Ridley heraus, dass man mit diesen Kreaturen besser nicht spaßt.

DEATH OF A UNICORN ist ein A24-Film und das überrascht. Zwar hatte die für Arthouse-Filme bekannte Company schon länger angedeutet, sich breiter aufzustellen und auch Werke wie BRING HER BACK sind kaum als Kunstfilm zu bezeichnen, mit DEATH OF A UNICORN geht man aber noch einen Schritt weiter und liefert trotz ein paar moralischer Fragen vor allem Entertainment.
Die Ambivalenz der Titelfigur ist dabei wunderbar. Sehen wir zunächst, wie dieses knuffige, süße, niedliche, schützenswerte Wesen Opfer eines Unfalls wird, wandelt sich der Eindruck rasch, wenn wir Zeuge werden, wie Einhörner Menschen ausweiden.
Kuscheltier goes Bestie
All das geschieht mit anderthalb Augenzwinkern, dunklem Humor und allzu ernst sollte man die Geschichte natürlich nicht nehmen. Es fällt aber auf, dass Regisseur und Autor Alex Scharfman auch eine Geschichte über die Vater-Tochter-Beziehung zwischen dem karrieregeilen Anwalt und seiner freigeistigen Tochter erzählt und auch die Profitgier der Pharmaindustrie nicht unerwähnt lässt, die selbstredend über Leichen geht, um selbige zu verhindern.

Es ist nur leider so, dass man Scharfman, der zwar schon seit längerem in der Filmindustrie unterwegs ist, aber nun zum ersten Mal selbst für einen Langfilm verantwortlich war, die Unerfahrenheit anmerkt.
Ein böser Konzern, reiche Unsympathen und eine betroffen machende Family-Story inklusive
verstorbener Mutter, das klingt wie naives 80er-Kino ohne retro zu sein.
A24 kann auch einfach
Zwar hätte man genau mit dieser simplen Herangehensweise punkten können, DEATH OF A UNICORN wirkt allerdings auch etwas fahrig, zu wenig auf den Punkt und da nicht nur das Skript strammer hätte sein können, sondern auch die Regiearbeit Längen aufbaut, hätten statt der 100+ Minuten auch 90 gereicht.
Obwohl der Personenkreis, der sich auf dem luxuriösen Landsitz aufhält, überschaubar ist, entsteht der Eindruck, dass mehr Figuren als Charaktere eingebaut wurden. Soll heißen: einige der Personen gleichen anderen oder bleiben blass.
Dabei wird hier eine prominente Besetzung aufgefahren. Paul Rudd (ANT MAN) spielt Vater Elliot, Jenna Ortega (WEDNESDAY, SCREAM 5) die Tochter und Will Poulter den Sohn des Pharma-Patriarchen. Poulter gibt einmal mehr den leicht verpeilt wirkenden Ignoranten, was er bereits in MIDSOMMAR und anderen Filmen tat. Auch das ist eine Art Typecasting.
Stars des Films sind aber die Einhörner und ohne allzu viel preisgeben zu wollen, wir werden mehr als eines sehen. Auch wenn sie sich wiederholt von ihrer finsteren Seite zeigen, man kann nicht anders als mit ihnen zu fiebern und den (meisten) Menschen den Tod zu wünschen.

Bedauerlicherweise sind auch die Effekte nicht immer ausgereift. Der Gesamteindruck ist zwar positiv, wenn aber auf Handarbeit gesetzt wird, wirkt das Einhorn-Fell stellenweise synthetisch wie ein Kinderspielzeug. Spielt der Film hingegen mit CGI, sieht auch das stellenweise gut aus, einige Szenen erinnern aber auch in technischer Sicht an das letzte Jahrtausend.
Das klingt nach viel Kritik und wenig Lob, trotzdem ist DEATH OF A UNICORN alles andere als katastrophal. Wir haben es mit einer professionellen Produktion mit Production Value zu tun, keiner der Schauspieler blamiert sich und sofern man nicht mehr erwartet als einen leicht-unterhaltsamen Abgesang auf drollige Einhörner, wird man nicht enttäuscht. Da der Film einerseits an unser kindliches Entzücken appelliert, gleichzeitig aber auch den (noch immer kindsköpfigen) Splatterfan abholt und seine Geschichte auch jugendgerecht einfach vorträgt, wirkt er tatsächlich wie die Art Familienfilm, die es heute kaum noch gibt und bei der sich horror-affine Eltern und Nachwuchs mit zunehmendem Interesse an dunkleren Themen gleichermaßen abgeholt fühlen.
Sucht man konkrete Vergleiche, reichen diese von E.T. (Kind rettet übernatürliches Wesen vor der Erwachsenenwelt), über RARE EXPORTS (übernatürliches Wesen ist nicht so nett wie erwartet) bis SLOTHERHOUSE (wer hätte gedacht, dass ein niedliches Tier Menschen tötet?).
Qualitativ bewegt sich DEATH OF A UNICORN ebenfalls in dieser Dreier-Schnittmenge und ist zwar weniger plump-dumm wie SLOTHERHOUSE, aber längst kein Meisterwerk.
Fazit zu DEATH OF A UNICORN
Trotz der ungewöhnlichen Pro- und gleichzeitig Antagonisten und dem gelungenen Wechsel aus „Oh, wie süß“- und „Das hat er jetzt nicht getan“-Momenten, fühlt sich DEATH OF A UNICORN origineller an als er ist. Mit einem zusätzlichen Autor bzw. erfahreneren Regisseur wäre eindeutig mehr drin gewesen.
Hier kannst du DEATH OF A UNICORN schauen










