Mit der vierten Runde seiner bekannten True Crime-Anthologie schlägt Produzent Ryan Murphy eine neue Richtung ein und widmet sich erstmals einem historischen Fall des vorletzten Jahrhunderts. In MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die im Jahr 1892 durch einen aufsehenerregenden Verdacht ins Visier der Justiz geriet.
Handlung von MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN
Die Handlung konzentriert sich stark auf das strenge und freudlose Umfeld der Familie Borden in Massachusetts. Die Hauptfigur Lizzie Borden, gespielt von Ella Beatty, leidet sichtlich unter den emotionalen und gesellschaftlichen Zwängen ihrer Epoche. Das Zusammenleben im Haus ist von Misstrauen und Kontrolle geprägt. Insbesondere das Verhältnis zur Stiefmutter ist von offener Ablehnung bestimmt, während der wohlhabende, aber extrem geizige Vater die Fäden in der Familie zieht.
Ein wesentlicher Teil der ersten Episoden in MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN widmet sich der engen Verbindung zum Hausmädchen Bridget Sullivan. Diese Beziehung wird als einer der wenigen Fluchtpunkte aus dem tristen Alltag von Lizzie inszeniert. Die Zerrissenheit der Tochter, die einerseits den gesellschaftlichen Status wahren muss und andererseits unter der häuslichen Kälte leidet, bildet das emotionale Fundament der ersten Staffelhälfte. Die düstere Grundstimmung im Haus baut sich so langsam auf, bis die Situation schließlich eskaliert und die blutige Tat das Leben der Familie beendet.
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Schauspieldialoge und gewagte Zeitsprünge
Schauspielerisch liefert Ella Beatty in MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN eine solide Leistung ab. Ihr gelingt es gut, die Balance zwischen einer kühlen, fast teilnahmslosen Fassade und der inneren Anspannung darzustellen. Man merkt der Figur in jeder Szene an, wie sehr sie unter dem Druck der Familie steht. An ihrer Seite agiert Charlie Hunnam als autoritärer Vater, der seine Rolle mit einer spürbaren, physischen Präsenz ausfüllt. Er verkörpert den herrischen Patriarchen der damaligen Zeit ohne jede Sympathie, was das Leid aller im Haus, verständlicher macht.
Ein unerwartetes Element in MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN sind die integrierten Gastauftritte von Sarah Paulson. Sie verkörpert in separaten Handlungssträngen die Mörderin Aileen Wuornos, deren Taten eigentlich über ein Jahrhundert später stattfanden. Dieser erzählerische Kniff von Ryan Murphy dient dazu, die gesellschaftliche Wahrnehmung und Verurteilung von weiblichen Täterinnen über verschiedene Epochen hinweg miteinander zu vergleichen.
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In der Praxis wirkt diese Strukturierung innerhalb des historischen Kriminalfalls jedoch recht konstruiert. Die ständigen Wechsel zwischen den Jahrhunderten nehmen der eigentlichen Hauptgeschichte im Jahr 1892 immer wieder das Tempo und reißen die Zuschauer aus der mühsam aufgebauten Atmosphäre des viktorianischen Hauses.
Freie Fiktion statt historischer Fakt
Handwerklich überzeugt MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN durch ihre detailreichen Kostüme und die sterile, kühle Atmosphäre der Räumlichkeiten. Kameramann und Set-Designer arbeiten mit blassen Farben, um die Lebensfeindlichkeit im Hause Borden sichtbar zu machen, was ohne Zweifel funktioniert. Wer jedoch eine detailgetreue und sachliche Aufarbeitung des realen Kriminalfalls erwartet, wird bei dieser Produktion enttäuscht werden. Das Drehbuch nimmt sich erhebliche kreative Freiheiten und erfindet viele intime Details dazu, die historisch in keiner Weise belegt sind.
Die echten Akten blieben links liegen
Dabei hätte der reale historische Fall mehr als genug dokumentierte Details geboten, um eine tiefgründige und spannende Handlung zu gestalten. Die echten Gerichtsprotokolle und Ermittlungsakten aus dem Jahr 1892 sind enorm umfangreich und enthalten Einblicke in die damalige Polizeiarbeit sowie in die widersprüchlichen Aussagen der Zeugen.
Doch diese realen Fakten waren den Machern für eine moderne Streaming-Produktion von MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN offenbar nicht reißerisch genug. Statt sich an die greifbaren Dokumente zu halten, entschied sich das Produktionsteam für erfundene Beziehungsdramen und spekulative Intimitäten. Durch diesen Fokus auf den reinen Schauwert wurde die Chance verpasst, ein historisch fundiertes Porträt über ein reales Justizrätsel zu zeichnen, das auch ohne künstliche Zuspitzungen funktioniert hätte.
Die Gefahr der verharmlosenden Darstellung
Ein großes Problem von MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN ist, dass sie die Mörderin zu nett darstellt und ihre Tat fast schon entschuldigt. Die Hauptfigur wird so stark als reines Opfer ihrer Familie gezeigt, dass die brutalen Morde am Ende wie die einzige Lösung wirken. Das ist jedoch gefährlich. Wenn ein echtes Verbrechen als verständlicher Befreiungsschlag dargestellt wird, verharmlost das die brutale Gewalt. Die echten Opfer und die Tat rücken völlig in den Hintergrund, nur um Mitleid für eine Mörderin zu wecken und die Geschichte spannender zu machen.
Fazit zu MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN
Die Serie will vor allem unterhalten. Sie achtet aber kaum auf die echten Fakten und hält keinen Abstand zur Täterin. Die Bilder und Schauspieler sind zwar ordentlich, doch die Geschichte selbst ist schwierig. Weil so viele Beziehungsdramen erfunden wurden und die Mörderin zu einseitig gezeigt wird, verliert die Serie ihre Glaubwürdigkeit. Wer einen ehrlichen Bericht über den echten Kriminalfall sucht, wird hier eher enttäuscht, wer Unterhaltung sucht, wird in MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN dennoch unterhalten.
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FAQ
Basiert MONSTER: DIE GESCHICHTE VON LIZZIE BORDEN auf wahren Begebenheiten?
Ja, die Serie behandelt den realen Kriminalfall der Familie Borden aus dem Jahr 1892. Allerdings nimmt sich das Drehbuch erhebliche kreative Freiheiten und erfindet viele Beziehungsdramen und Details dazu, die historisch nicht durch die echten Gerichtsakten belegt sind.
Warum ist die Darstellung der Hauptfigur in der Serie umstritten?
Die Produktion steht in der Kritik, weil sie die Mörderin sehr einseitig als reines Opfer darstellt und die brutale Tat dadurch fast schon entschuldigt. Durch diese Romantisierung rücken das eigentliche Verbrechen und die Opfer in den Hintergrund.
Welche Rolle spielen die Gastauftritte von Sarah Paulson?
Sarah Paulson verkörpert in separaten Szenen die historische Mörderin Aileen Wuornos. Dieser erzählerische Kniff soll die gesellschaftliche Wahrnehmung von Täterinnen über verschiedene Epochen hinweg vergleichen, wirkt in der Praxis jedoch recht konstruiert.










