MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER (2026) | Filmkritik

Mutter - The Diary Of A Mother - Offizielles Filmplakat
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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7/10 (1)

Darsteller: Hazar Ergüçlü, Güven Kıraç, Erdeniz Kurucan, Ulvi Kahyaoğlu, Cansu Fırıncı
Regie: Alphan Eşeli
Drehbuch: Alphan Eşeli
Länge: 99 min
Land:
Genre: ,
Sonstiges: Fantasy Filmfest 2026

Alphan Eselis MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER feiert in Deutschland seine Premiere auf dem Fantasy Filmfest und dies ist ein Film, der auch genau dort hingehört: Ein Exot aus der Türkei, ein Genre- aber kein Horrorfilm und garantiert nicht für jedermann.

Die Handlung von MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER

Ein Van rast durch einen Schotterweg in den Wäldern. Am Lenkrad sitzt Cem, auf der Rückbank liegt seine Frau Gül in den Wehen. Die Fahrt wird von einem umgestürzten Baum abrupt gestoppt und die junge Frau bringt das Kind im Wagen zur Welt. Doch etwas stimmt nicht mit dem Baby und sobald der Vater das erkennt, flieht er und lässt Mutter und Neugeborenes zurück.
Das Kleine ist entstellt und wirkt kaum menschlich, doch Gül kehrt mit ihm in die schlichte Hütte zurück, in dem die Familie, lebte und beschließt es aufzuziehen.

MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER ließe sich als Gegenstück zum finnischen NIGHTBORN bezeichnen, da es immerhin um zwei aktuelle Filme geht, die ein ähnliches Publikum ansprechen und Mütter eines ungewöhnlichen Babys im Mittelpunkt stehen. Wo NIGHTBORN aber etwas mehr nordische Mythologie einsetzte, wirkt MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER trotz des unnatürlichen Kindes noch mehr in der Realität verankert.

Mutter: The Diary Of A Mother - Gül und ihr entstelltes Baby

Dass der Regisseur im Abspann seiner verstorbenen Mutter dankt, kommt nicht von ungefähr und der Filmtitel spricht natürlich ebenfalls für sich (übrigens ist MUTTER kein nachträglich eingedeutschter Titel, der Film heißt auch im Türkischen so).
Aufgeteilt in drei Kapitel Geburt, Hunger und Makaber erzählt der Film Güls Geschichte von der Szene im Auto über mehrere Jahre hinweg.

MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER erzählt in drei Kapiteln vom Muttersein

MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER berichtet davon, wie die junge Frau der Andersartigkeit des Kleinen zum Trotz Muttergefühle entwickelt, wenngleich schon das Stillen zu einem äußerst blutigen Akt wird. Der Film zeigt aber vor allem was es für eine alleinerziehende Mutter bedeutet, ein Kind mit wenigen Ressourcen und in einer Welt voller Männer aufzuziehen.

Mutter: The Diary Of A Mother - Die junge Mutter Gül

Zugegeben, meine Kenntnis über die türkische Filmwelt ist begrenzt, aber MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER ist nicht der erste Film, der diesbezüglich ein verheerendes Bild der Herren zeichnet.
Angefangen vom Kindsvater, der sich feige davonstiehlt über dessen Ex-Chef, der sich Gül annähert, bis zu einem Metzger, der die Frau herablassend behandelt.
Auch wenn er von einem Mann inszeniert wurde, wirkt MUTTER feministisch.

Feministisches Body-Horror-Drama aus der Türkei

Was das Wesen denn nun eigentlich ist, das Gül zur Welt gebracht hat, wird allenfalls angedeutet, insbesondere, wenn sie eine Doku über parasitäre Insekten schaut. Optisch erinnert das Kleine passenderweise so wie man sich einen möglichen Nachwuchs von Seth Brundle aus DIE FLIEGE vorstellen würde.
Trotz seines abstoßenden Äußeren ist das Kind aber kein gefährliches Monster, wie man das aus den IT’S ALIVE-Streifen kennt, sondern so schutzbedürftig wie jedes Baby.

MUTTER ist indes kein Film, der sich durch große Erklärungen auszeichnet. Nüchtern, immer mit etwas Abstand, lässt er uns an Güls Leben teilhaben und ihr zusehen. Nicht alle Intentionen und auch nicht alle Szenen erklären sich sofort und dies ist ein ruhiges, langsames Werk, das zwar ein paar blutig-gewalttätige Szenen bereithält, aber nie auf Show aus ist.

Hazar Ergüçlü beschützt ihr Kind in MUTTER - THE DIARY OF A MOTHER

Das wäre auch unpassend, denn vor allem ist Eselis Werk bedrückend. Hazar Ergüçlü spielt ihre Rolle als Gül unaufgeregt, aber als jemand, die tut, was getan werden muss, egal welches Opfer es bedeutet. Glück und Freude scheinen dabei (fast) kein Bestandteil ihres Lebens zu sein, egal welche Szene wir sie über die Jahre hinweg beobachten.

Mich persönlich erinnerte sie an eine ganz reale Szene, in der einmal eine türkische Frau, die sichtbar unglücklich mit ihren Lebensumständen und einer erzwungenen Ehe zu einem Mann, den sie nicht liebte, war, zu mir sagte, dass sie sich für ihre Kinder opfere. Damals wie heute empfand ich die Aussage gleichermaßen traurig wie beeindruckend. In jedem Fall hilft sie den Film etwas besser einzuordnen.

Obwohl wir nicht jedes Detail verraten wollen, warnen wir für diesen Absatz dennoch vor ein paar SPOILERN.
Seinen emotionalen Höhe- bzw. Tiefpunkt erreicht MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER mit dem Ende, als Gül nicht nur eine niederschmetternde Nachricht überbracht wird, sondern sie auch noch einmal Feigling Cem aussucht und schließlich eine Entscheidung treffen muss. SPOILERENDE

Fazit zu MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER

Ich gebe es zu, zwischenzeitlich habe ich 1-2 Mal auf die Uhr geschaut und mich gewundert, was Alphan Eselis Film von mir will und wohin er steuert. Dabei ist MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER aber gar kein Werk, das sich über einzelne Szenen oder Augenblicke definiert, nie auch nur versucht Spannung aufzubauen oder mit einem besonders garstigen Body-Horror glänzen will.
Dies ist schlicht ein von der Hauptdarstellerin gut gespieltes Langzeit-Drama, das nur als Summe seiner Teile funktioniert, dafür aber nachhallt. Das „Monster“ ist hierbei nur Nebendarsteller.

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FAQ

Wer führte Regie bei MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER?

Regie und Drehbuch stammen vom türkischen Filmemacher Alphan Eşeli (Jahrgang 1973), der in München aufwuchs und in New York Film studierte. Sein Debüt, das Anti-Kriegsdrama THE LONG WAY HOME (2013), gewann den FIPRESCI-Preis in Montreal – MUTTER ist erst sein zweiter Spielfilm, gut ein Jahrzehnt später, und er widmet ihn seiner verstorbenen Mutter.

Wer spielt die Hauptrolle in MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER?

Die Mutter Gül verkörpert Hazar Ergüçlü, eine türkisch-zyprische Schauspielerin aus Nordnikosia, die in der Türkei durch Serien wie KUZEY GÜNEY und MEDCEZIR sowie durch Nuri Bilge Ceylans THE WILD PEAR TREE bekannt wurde. In MUTTER trägt sie nahezu jede Szene.

Was hat es mit Güls Kind in MUTTER: THE DIARY OF A MOTHER auf sich?

Was Gül zur Welt bringt, hält der Film bewusst im Vagen – ein entstelltes, kaum menschliches Wesen, dessen Natur nie aufgelöst wird. Andeutungen gehen in Richtung eines parasitären Organismus, optisch erinnert es an den Nachwuchs von Seth Brundle aus DIE FLIEGE. Gefährlich ist es nicht, sondern so schutzbedürftig wie jedes Baby.

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