Willkommen in Normal, einer wortwörtlich normal wirkenden Kleinstadt in Minnesota.
Doch in der Actiongroteske von Ben Wheatley (KILL LIST) trifft in dem verschlafenen Örtchen Bob Odenkirk (NOBODY) auf Bankräuber und die japanische Mafia.
Die Handlung von NORMAL
Nachdem der alte Sheriff plötzlich verstarb, wird Ulysses Richardson als Interims-Gesetzeshüter in einer verschneiten Gemeinde eingesetzt. Dies wird ein friedlicher Job, so scheint es, und Ulysses Aufgabe besteht im Austeilen von Strafzetteln, Hilfestellung bei widerspenstigen Snackautomaten oder auch mal der fürsorglichen Inobhutnahme einer depressiven Person.

Dass sich hier ein Banküberfall ereignen soll, scheint schon ungewöhnlich, doch dass sich dann plötzlich die gesamte Stadt gegen den Sheriff wendet und er mit den Räubern gemeinsame Sache machen muss und ums nackte Überleben kämpft, war wirklich nicht abzusehen.
Obwohl Bob Odenkirk seit fast 40 Jahren in Film- und Fernsehen auftritt, gelang ihm der Durchbruch erst mit BREAKING BAD, wo er ab 2009 den schmierigen Anwalt Saul Goodman spielte, sowie deren Spin-off BETTER CALL SAUL.
Dass er mit NOBODY 2021 zum Actionhelden wurde, passiert Schauspielern die auf die 60 zugehen eher selten.
NORMAL kommt vom Autor von JOHN WICK und NOBODY
Auf dem Papier ist auch NORMAL ein Actionfilm und würde jemand wie Jason Statham mitspielen, gäbe es wohl auch wenig Wenn und Aber.
Aber Bob Odenkirk ist kein Muskelberg, kein Kampfsportler und seine Figur Ulysses trägt Oberlippenbart. Obendrein nimmt sich der Film viel Zeit, um die Ruhe der Stadt, aber auch die innerliche Ruhe dieser Hauptfigur zu definieren.
Das mag auch daran liegen, dass Odenkirk als Co-Autor von Derek Kolstad fungierte. Während sich Kolstadt einen Namen mit JOHN WICK, aber eben auch NOBODY machte und dementsprechend etwas von Action versteht, scheint sich Odenkirk eher um die Charakterzeichnung im Drehbuch gekümmert zu haben.
Dies ist aber auch ein Film von Ben Wheatley, bei dem man so nie weiß, was man bekommt.
Von mysteriösem Thrill (KILL LIST), über morbide Comedy (SIGHTSEERS), Arthouse (HIGH-RISE), Dauer-Geballer (FREE FIRE) bis zum teuren Hai-Trash (MEG 2) hat der Brite alles im Repertoire, wirkt dabei aber meist unangepasst.
Nimmt man all diese Einflüsse zusammen, ergibt sich ein einerseits figurenbasierter Aufbau, blutige Kampfszenen und immer wieder das Gefühl, dass NORMAL einen halben Ton neben der Spur liegt, was in sich stimmig ist, aber nicht unbedingt kommerziellen Erfolg verspricht.
Konsequenterweise konnte der Film trotz moderatem Budget von 17 Mio $ das Geld nicht wieder einspielen.
Ben Wheatley setzt diesmal auf blutige Action und Bob Odenkirk
Da kommerzielle Erfolge nicht zwingend etwas über die Qualität eines Films aussagen, ist es wichtig zu betonen, dass NORMAL wenig falsch macht, zumindest nicht auffällig.
Die Figuren sind sympathisch, die Action ansehnlich, die Kills absurd und blutig.
Was man NORMAL aber vorwerfen kann, ist das Gefühl, dass der Humor in den Dialogen selten zündet und nur in den Kämpfen gut funktioniert. Die Action ist wiederum nicht auf JOHN WICK-Niveau – was auch nicht passend wäre – womöglich aber trotzdem den ein oder anderen enttäuscht. Und dann sind da Versatzstücke einer Handlung, die trotz des bodenständigen Settings sehr weit hergeholt scheint.
Spoiler:
Da hat die japanische Yakuza also Goldbarren in einer Kleinstadt in den USA gelagert und jeder einzelne Bürger scheint davon zu wissen. Das erklärt zwar, warum die gesamte Bevölkerung Jagd auf den auswärtigen Gesetzeshüter und die Bankräuber macht, es wirkt aber nicht mal auf Actionfilm-Niveau glaubwürdig.
Noch dubioser wirkt nur die Kehrtwende, dass der Sheriff dann doch wieder mit den Bewohnern zusammen gegen die Mafia kämpft.
Spoilerende
Da sich der Film nicht allzu ernst nimmt, ist es diskutabel, ob eine FSK 18- Freigabe nötig war und nicht eine FSK 16 gereicht hätte, aber womöglich hatten auch die Jugendschützer Probleme ihn zu greifen.
Fazit zu NORMAL
Bob Odenkirk ist zu wünschen, dass er nicht in die Typecast-Schiene gerät und sich plötzlich nur noch in zunehmend schwächeren Actionfilmen wiederfindet, wie es Liam Neeson passierte, der ebenfalls im „hohen“ Alter in dieses Genre einstieg.
Beide verfügen über eine Menge Talent, aber während der starke 96 HOURS bei Neeson den folgenden Abstieg einläutete, droht sich bei Odenkirk nach NOBODY ähnliches anzubahnen, wenn er nicht aufpasst.
Trotzdem hat NORMAL einiges, das man mögen kann und trotz des ruhigen Aufbaus, unterhält er über die anderthalb Stunden Laufzeit anständig. Odenkirk überzeugt, doch weder Story, noch Humor, noch Action oder Brutalität ragen aus der Masse heraus.
Legt man alle Filmelemente als Puzzle zusammen, stellt man fest, dass die Kärtchen zwar ineinandergreifen, das aufgedruckte Motiv aber aus verschiedenen Kartons zu stammen scheint.
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FAQ
Wer steckt hinter NORMAL?
Regie führte der Brite Ben Wheatley (KILL LIST, FREE FIRE, MEG 2). Das Drehbuch stammt von Derek Kolstad, dem Schöpfer der JOHN-WICK-Reihe und Co-Autor von NOBODY – die Story entwickelte er gemeinsam mit Hauptdarsteller Bob Odenkirk. Neben Odenkirk als Sheriff Ulysses sind Henry Winkler und Lena Headey zu sehen.
Ist NORMAL ein Actionfilm oder eine Komödie?
Beides. NORMAL ist eine überdrehte, sehr blutige Action-Komödie mit Western-Anklängen – oft als ASSAULT ON PRECINCT 13 trifft HOT FUZZ beschrieben. Kritiker vergleichen den Ton mit dem der Coen-Brüder: absurde Gewalt, schwarzer Humor und eine spöttische Note über Gier und US-Waffenkultur. Für Fans von NOBODY ist das genau die richtige Wellenlänge.
Wie brutal ist NORMAL?
Sehr. Sobald in der verschlafenen Kleinstadt das Blutvergießen beginnt, liefert der Film überzogene, comichafte Gewalt am Fließband – abgetrennte Ohren, Schießereien und eine anrückende Yakuza inklusive. Die Härte ist bewusst ins Groteske überzeichnet und dient eher dem schwarzen Humor als echtem Schrecken.









