Es waren einmal zwei Mädchen…
A TALE OF TWO SISTERS ist nicht nur einer der bekanntesten südkoreanischen Horrorfilm-Exporte, sondern basiert gleichzeitig auf einem wichtigen und oft erzählten Märchen des Landes.
Die Handlung von A TALE OF TWO SISTERS
Nach dem Tod ihrer Mutter (Park Mi-Hyun) wurden die Schwestern Su-mi (Lim Su-jeong) und Su-yeon (Moon Geun-young) für längere Zeit in einer Psychiatrie untergebracht.
An einem schönen Sommertag kehren sie zurück zu ihrem Vater (Kim Kap-soo), der inzwischen mit seiner neuen Frau (Yeom Jeom-a) in einem idyllischen Landhaus an einem See lebt. Su-mi, die Ältere, benimmt sich gegenüber ihrer Stiefmutter offen feindselig und verachtend, während Su-yeon eher der ängstliche und zurückhaltende Typ und somit ein willkommenes Opfer für die stiefmütterlichen Angriffe ist. Gleich in der ersten Nacht geschehen unheimliche und verstörende Dinge in dem Haus.
Kim Jee-woons Stil zwischen Gothic-Horror und Familientragödie
Wer sich bei dem Anblick des Filmcovers von A TALE OF TWO SISTERS denkt: „Ach herrje! Und die nächsten beiden Gruselmädchen in blutigen weißen Kleidern!“, wird von Kim Jee-woon, der u.a. bereits mit seiner Episode „Memories“ in THREE … NIGHTMARES, den Filmen A QUIET FAMILY, BITTERSWEET LIFE und I SAW THE DEVIL ein unterschiedliches Repertoire seines Könnens unter Beweis stellte, mit einem feinsinnigen und psychologisch dichtem Familiendrama überrascht werden. Auch Asia-Gorehounds kommen kaum auf ihre Kosten, denn blutige Action sucht man in diesem Kammerspiel vergebens.
Während der erste Teil des Films eher die Vorstellung und Einführung der Charaktere und den Aufbau der Gruselatmosphäre beinhaltet, konzentriert sich die zweite Hälfte sehr stark auf die psychologischen Aspekte, welche von Schizophrenie über Depressionen bis hin zu Schuldgefühlen und Verdrängung reichen. Schockeffekte und Musik wurden spärlich, aber dafür umso wirkungsvoller eingesetzt. Besonders erwähnenswert und hervorzuheben sind die Darbietungen der beiden Jungdarstellerinnen.
Das koreanische Volksmärchen als Grundlage
A TALE OF TWO SISTERS erinnert stilistisch zunächst ein wenig an DARK WATER von Hideo Nakata, jedoch ist er weit entfernt von dessen konfrontativ surrealem Stil. Kims Film ist durchweg von exquisiter Liebe zum Detail und künstlerischer Ausrichtung geprägt, welches man an den hervorragenden Kamerafahrten und die stilvolle Farbgebung der Welten „Draußen“ und „Drinnen“ wahrnimmt. Man könnte ihn auch als Gothic-Horror bezeichnen, wie Charlotte Perkins Gilmans klassischer Abstieg in den Wahnsinn in ihrer Kurzgeschichte „Die gelbe Tapete“.
Einige Zuschauer mögen A TALE OF TWO SISTERS für seine dreist anmutenden, aber erfolgreichen Versuche als „schwierig“ bezeichnen, den inneren Aufruhr eines zerschmetterten Verstandes wiederherzustellen.
Die Historie von A TALE OF TWO SISTERS
Als Inspiration und Grundidee für A TALE OF TWO SISTERS dient das koreanische Volksmärchen „Janghwa Hongryeon jeon“ aus der Joseon-Dynastie. Dieses handelt von dem Konflikt zwischen den Schwestern Janghwa und Hongryeon und ihrer Stiefmutter, der ein ziemlich trauriges Ende nimmt.
Das Märchen wurde schon einige Male verfilmt: 1924, 1936, 1956, 1962 und 1972.
2009 erschien das US-Remake DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN, welches mundgerecht im typisch amerikanischem 08/15 Stil zubereitet und serviert wurde.
Ähnliche Filme
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
FAQ
Basiert A TALE OF TWO SISTERS auf einer wahren Geschichte?
Nein, aber auf einem koreanischen Volksmärchen aus der Joseon-Dynastie: Janghwa Hongnyeon jeon (übersetzt: Rosenblüte, Roter Lotus). Das Märchen handelt vom Konflikt zwischen den Schwestern Janghwa und Hongryeon und ihrer bösen Stiefmutter – eine Geschichte, die zwischen 1924 und 1972 bereits mehrfach verfilmt wurde.
Wer ist Regisseur Kim Jee-woon?
Kim Jee-woon ist einer der prominentesten Filmemacher der koreanischen New Wave. Nach A TALE OF TWO SISTERS drehte er Genre-Klassiker wie THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD (2008), den Rache-Thriller I SAW THE DEVIL (2010) mit Choi Min-sik und Lee Byung-hun sowie den US-Ausflug THE LAST STAND (2013) mit Arnold Schwarzenegger.
Warum gilt A TALE OF TWO SISTERS als Meilenstein des koreanischen Horrors?
Der Film ist bis heute der erfolgreichste koreanische Horrorfilm an den heimischen Kinokassen und der erste, der es in die US-amerikanischen Kinos schaffte. 2004 gewann er beim Fantasporto Film Festival den Großen Preis für den besten Film sowie den Regie-Preis für Kim Jee-woon.










