In den letzten Monaten empfing M. Night Shyamalan wenig Liebe von uns. Egal, ob es Regie führte (TRAP), produzierte (THEY SEE YOU) oder auch nur ein Film erschien, der entfernt an ihn erinnerte (NEVER LET GO), es gab immer Gemecker.
Für CADDO LAKE saß Herr Shyamalan nicht selbst auf dem Regiestuhl, produzierte aber einen smarten Mysterythriller.
Wovon handelt CADDO LAKE?
Teenagerin Ellie versteht sich nicht gut mit ihrer Mutter und schläft oft auswärts. Als eines morgens ihre jüngere Stiefschwester Anna verschwunden ist, geht man davon aus, dass sie Ellie in das Sumpfgebiet am Caddo Lake gefolgt ist.
Parallel wird die Geschichte von Paris erzählt, dessen Mutter nach einem Anfall in diesem Gewässer ertrank. Während Paris versucht die Ursache dafür herauszufinden, stellt er – wie unabhängig von ihm auch Ellie – fest, dass eine bestimmte Stelle am See ein Zeitportal ist.
CADDO LAKE lief in den deutschen Kinos, aber die Chance ist groß, dass er dir – wie den meisten anderen und auch uns – dort entgangen ist. Die Gründe liegen auf der Hand: Eine FSK 12 ist die wohl unspektakulärste aller Altersfreigaben und der Film lässt sich am ehesten dem Mystery-Bereich zuordnen und der wird ja gerne als Horror Light betrachtet. Übersinnlich, aber ohne Schrecken für den Zuschauer.

Das stimmt hier auch und erschwerend kommt hinzu, dass CADDO LAKE nicht der Film ist, bei dem du nebenbei am Handy hängen willst, denn die Chance, dass du ein Detail oder einen Zeitsprung verpasst, ist groß.
Auch hat der Film keine große Star Power. Dylan O’Brien (Paris) kann man zwar aus den MAZE RUNNER – Streifen oder FLASHBACK kennen und Eliza Scanlen (Ellie) aus THE DEVIL ALL THE TIME, aber gerade die kleinere Rollen sind mit gänzlich unbekannten Menschen besetzt, die ihr Debüt geben und dabei so aussehen, als würden sie wirklich im feuchtheißen Grenzgebiet zwischen Louisiana und Texas leben.
CADDO LAKE profitiert davon. Er wirkt nicht künstlich, sondern auch durch sein Setting eher märchenhaft.
Und wie jeder gute Mysteryfilm, häuft er eine Reihe von Rätseln an, die neugierig machen, übertreibt es aber nicht, sondern tauscht jede Teillösung gegen ein neues Rätsel ein, bevor am Ende tatsächlich alles Sinn ergibt.

Letzteres ist gar nicht selbstverständlich, wie nicht zuletzt Produzent Shymalan in der Vergangenheit mit einigen schwachen Aufklärungen unter Beweis stellte.
Das Regieduo Logan George und Celine Held, die eine ganze Reihe Kurzfilme, aber nur einen Spielfilm (den wenig bekannten TOPSIDE) in ihrem Lebenslauf stehen haben, machen hier aber keine Anfängerfehler und sie pumpen die Geschichte auch nie unnötig auf, sondern halten die Balance.
Die besteht aus einer den Südstaaten eigenen Gelassenheit und auch einer Einfachheit, die sich in den Kulissen, den Menschen und im Kern der Story wiederfindet. Trotzdem ist diese Story auf eine nicht-lineare und unkonventionelle Weise vorgetragen, dass auch Zeitreisende wie Kyle Reese (TERMINATOR) oder Marty McFly (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) noch neue Erfahrungen mitnehmen könnten.

Nun kann man all das, was hier lobend hervorgehoben wurde, auch negativ auslegen, denn natürlich existiert ein Publikum, das gerne alles in mundgerechten Happen geschnitten serviert bekommt, keine 100 Minuten Aufmerksamkeit aufbringen kann, weil im Kino noch die Steuererklärung gemacht wird und sowohl Ballermann-Action als Über-Twist erwartet. Das gibt es hier aber nicht zu finden, weswegen diesen Menschen von einem CADDO LAKE – Konsum abzuraten ist.
Fazit zu CADDO LAKE
Nimm dir die Zeit, Ruhe und Aufmerksamkeit für CADDO LAKE. Es könnte sich lohnen.
Dies ist die Art Film, die du übersiehst, wenn du sagst, dass „denen“ nichts mehr einfällt.
Und bevor das vergessen geht: auch wenn er „nur“produzierte, zeigt M. Night Shyamalan, dass er es noch kann.
Hier kannst du CADDO LAKE sehen
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