Review: RITUALMORD (2021)

ritualmord rezension
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

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Darsteller: Marie Vinck, Geert Van Rampelberg, Eriq Ebouaney
Regie: Hans Herbots
Drehbuch: Carl Joos
Länge: 118 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 02. Dezember 2022 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Atlas Film
FSK: ab 16

DIE BEHANDLUNG aus der Feder der Autorin Mo Hayder zählt zu den schmutzigeren Filmen der letzten Jahre und genießt unter Fans kontroverser Filmkunst einen ausgezeichneten Ruf.
Dass nun mit RITUALMORD ein weiterer Roman Hayders adaptiert wird, der Regisseur erneut Hans Herbots ist und auch Geert Van Rampelberg wieder in die Rolle des Ermittlers Nick Cafmeyer schlüpft, lässt also auf ein ähnlich dunkles und perverses Erlebnis hoffen.

Als Kiki bei einem beruflichen Tauchgang im trüben Wasser eine menschliche Hand findet, ahnt sie wohl schon, dass dies kein normaler Arbeitstag ist. Dass die Spur, die sie zusammen mit Polizist Cafmeyer aufnimmt, aber in die ehemalige belgische Kolonie Kongo führt, wo die Europäer einst schreckliche Verbrechen begingen, war nicht zu erwarten.
Und es werden weitere Hände abgetrennt….

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Belgien: einmal mehr ein trostloser Ort

Wie DIE BEHANDLUNG verlegt auch RITUALMORD die Romanhandlung von England nach Belgien und während man in Großbritannien nicht gerade für Gute-Laune-Filme bekannt ist, scheint im gefilmten Belgien niemals die Sonne zu scheinen, dafür aber der Dreck der Menschlichkeit daheim zu sein.
Und so nimmt uns Hans Herbots erneut mit an Orte, an denen man nicht sein möchte. Sei es in brackigen Gewässern oder Kellerverliesen.

Wir bekommen es mit dem heroinsüchtigen Sohn reicher Eltern zu tun, wir erfahren von den Gräueltaten der Kolonialmacht, wir sind dabei, wenn mit der Kreissäge Amputationen vorgenommen werden….und trotzdem muss man (leider?) sagen, dass RITUALMORD mehr wie ein harter Krimi als ein Film wirkt, bei dem man sich danach heiß abduscht und prüft, dass die Tür verschlossen ist.

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Das kann nicht mal ein Vorwurf sein, denn er macht grundlegend und handwerklich keine groben Schnitzer, er ist nur anders. Er setzt Cafmeyer in die zweite Reihe und macht Kiki zur Hauptfigur. Und das nicht nur in der Haupthandlung, sondern auch in einem Nebenplot, um ihren nichtsnutzigen Bruder, der permanent Ärger bedeutet. Ums kurz zu machen, diese Zweitbaustelle hätte es nicht gebraucht, hat sie doch nichts zum Fall der „verlorenen“ Hände bei.

Der Hauptfall gestaltet sich hingegen als bewährtes Such-den-Täter-Spiel, bei dem es vielleicht zu zufällig erscheint, dass gerade die Frau, die kongolesische Bekannte hat und sich mit der Kultur dort auskennt, die erste Hand findet.
Auch die Irrungen und Wirrungen im Fall wirken nicht immer selbsterklärend, wenngleich insgesamt spannend und mit einer vernünftigen Mischung aus Crime, Privatleben und Nebenschauplätzen vorgetragen.

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RITUALMORD ohne Ritualmord

Sieht man den Film durch die Brille des Gewaltvoyeurs, so fällt auf, dass die fiktive Handlung zwar durchaus widerwärtige Augenblicke mitbringt, aber hinter der grausigen Realität im Kongo zurückbleibt.
Dort wurden seinerzeit abgeschnittene Hände der Einheimischen tatsächlich zur regelrechten Währung, mit der die Befehlshaber sicherstellten, dass ihre Helfer keine Munition verschwendeten und für jede verschossene Patrone eine rechte Hand abliefern mussten.
Das liegt zwar lange zurück, erklärt aber den Unmut heutiger Kongolesen auf Belgien und der Film schlägt zudem die Brücke in die Gegenwart, indem er die moderne Sklaverei und Ausbeutung in Afrika durch die „westliche Welt“ anreißt.

Fazit:
Ob es an Mo Hayders Vorlage, der Art der Verfilmung oder den inhaltlichen Änderungen liegt, lässt sich schwer beurteilen, aber RITUALMORD wirkt nicht nur öfters konstruiert und zufällig, es findet auch kein ritueller Mord statt.
Hinter DIE BEHANDLUNG bleibt er ebenfalls zurück, aber trotzdem ist RITUALMORD als düsterer Krimi gut schaubar.

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