VAN DIEMEN’S LAND handelt von Kannibalismus. Und das ist noch immer eines der wenigen Themen, das uns aufhorchen lässt. Vermutlich weil es so unglaublich selten ist und natürlich für die allermeisten Menschen derart ausgeschlossen ist, dass man keinen Gedanken daran verschwendet.
So sind die realen Fälle von Kannibalismus in den letzten Jahrzehnten dünn gesät und auf wenige Fälle von Menschen beschränkt, die entweder damit einen Trieb befriedigen (wie z.B. Jeffrey Dahmer oder der Kannibale von Rothenburg) oder sich in einer Notlage befinden in der Menschenfleisch die einzige Nahrungsquelle ist. Bekanntes Beispiel ist das Schicksal der Rugby-Mannschaft, die mit dem Flugzeug in den Anden abstürzte und die sterblichen Überreste der toten Kameraden aufaß (die Geschichte wurde mit dem Titel ÜBERLEBEN verfilmt).
Die Handlung von VAN DIEMEN’S LAND
Auch VAN DIEMEN’S LAND beruht auf einer wahren Begebenheit, die wenngleich sie bereits 1822 geschah, noch heute ein beunruhigendes Bild auf die menschliche Natur wirft:
Acht Insassen eines australischen Arbeitslagers gelingt die Flucht. Das Land ist dünn besiedelt, die Witterung unerbittlich und die Wälder durch die die Häftlinge irren, bieten nicht genug Nahrung.
Eine Umkehr ist ob der drakonischen Strafen keine Alternative und so wandern die Männer weiter, doch als der Hunger überhand nimmt, treffen sie einen Entschluss…
VAN DIEMEN’S LAND wirkt unangenehm real
Der erste Häftling wird überraschend getötet, doch als die Vorräte wieder verbraucht sind, muss jeder der verbleibenden Männer damit rechnen als nächster dem Hunger seiner Begleiter zum Opfer zu fallen.
VAN DIEMEN’S LAND liefert keine kannibalischen Psychopathen, die nichts anderes im Sinn haben als das nächste Opfer zu schlachten, sondern Menschen am Rande der Verzweiflung, die dabei aber doch einen Schritt weiter gehen als in ÜBERLEBEN.
Es mag eine Sache sein, in großer Hungersnot einen toten Menschen zu essen, einen Kameraden extra zu diesem Zweck zu töten, ist noch mal eine andere Kategorie.
Man fragt sich als Zuschauer unwillkürlich: Was würde ich tun? Essen oder gegessen werden? Beides wirkt nicht sehr einladend. Genau hieraus zieht der Film seine Spannung. Wer nicht ohnehin geschichtlich bewandert ist und von dem Fall schon einmal gehört hat, weiß bis zum Ende nicht, wer überleben wird. Regisseur Jonathan Auf Der Heide hat sich keinen „Liebling“ ausgesucht, keinen strahlenden Helden, sondern zeigt uns 8 schmutzige Männer, die nur mit einer einzigen Axt bewaffnet durch ein ebenso schmutziges Land fliehen.
Die Schönheit einer trostlosen Hölle
Fast lässt sich die Schönheit der Landschaft erahnen, doch wird alles im Film als kalte, trostlose Hölle dargestellt.
Als Zuschauer mag man sich zu Beginn des Films noch wundern, warum die Häftlinge mit einem einzigen Aufseher alleine gelassen werden, den sie leicht überwältigen können. Dieser fragt noch gefesselt wohin die Flüchtigen den wollen, dort draußen gebe es doch nichts.
VAN DIEMEN’S LAND ist ein ruhiger Film, der sich langsam fortbewegt und nur so allmählich weiterentwickelt, wie es die Landschaft bei einer Wanderung tut.
Freunde von schnellen Schnitten und rasanter Action dürften ebenso enttäuscht werden, wie solche die einen voyeuristischen Blick auf die Kannibalen werfen wollen. Gewalt findet natürlich statt, aber weniger als man denken würde, dafür auf realistische Art und Weise.
Fazit zu VAN DIEMEN’S LAND
VAN DIEMEN’S LAND (was übrigens der alte Name für Tasmanien ist) ist kein selbstgefälliger Horrorfilm, sondern eine nachvollziehbare Schilderung wahrer Ereignisse.
Wer den Film im Kreis seiner Freunde schaut, wird vermutlich dennoch nervös zusammenzucken, wenn der Platznachbar über Hunger klagt.
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FAQ
Beruht VAN DIEMEN'S LAND auf einer wahren Begebenheit?
Ja. Der Film schildert Ereignisse aus dem Jahr 1822, als aus einer britischen Strafkolonie im heutigen Tasmanien mehrere Sträflinge flohen. In der unwirtlichen Wildnis ohne Nahrung wurde aus der Flucht ein Überlebenskampf, in dessen Verlauf die Männer zu Kannibalismus griffen. „Van Diemen's Land
Wer war der reale Anführer der Flucht in VAN DIEMEN'S LAND?
Historisches Vorbild ist der irische Sträfling Alexander Pearce, der 1822 mit mehreren Mithäftlingen aus der Strafkolonie floh und als Einziger überlebte. Seine Aussagen über den Kannibalismus während der Flucht wurden von den Behörden zunächst kaum geglaubt. Der Film verdichtet diesen verbürgten Fall zu einem bedrückenden Überlebensdrama.
Wie brutal ist VAN DIEMEN'S LAND?
Der Film ist kein reißerischer Splatterfilm, sondern ein ruhiger, fast dokumentarischer Überlebens-Horror. Gewalt findet statt, wird aber überraschend zurückhaltend und ohne voyeuristischen Blick gezeigt. Verstörender als das Gezeigte ist die nüchterne Selbstverständlichkeit, mit der die Männer zu ihrer letzten Nahrungsquelle greifen.










