ZWEI GRÄBER ist eine spanische Mini-Serie, die am 29. August auf Netflix veröffentlicht wurde. Der Titel ist eine Anspielung auf einen Spruch des chinesischen Philosophen Konfuzius: „Bevor Sie sich auf eine Reise der Rache begeben, graben Sie zwei Gräber.“ Und damit ist schnell klar, in welche Richtung sich die Handlung der insgesamt nur drei Episoden entwickeln wird.
Die Besetzung ist eine Mischung aus alten Hasen und Neuzugängen zur Schauspielerei. So sind beispielsweise Álvaro Morte (IMMACULATE) und Kiti Mánver, die in einer Vielzahl spanischer Serien mitgespielt hat, dabei. Aber auch recht unerfahrene Schauspielerinnen wie Nadia Vilaplana und Nonna Cardoner haben in der Serie die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen. Ob sich die drei Stunden lohnen, könnt ihr in unserem Review lesen.

Inhalt von ZWEI GRÄBER
Die beiden Freundinnen Veronica und Marta verschwinden, nachdem sie den Abend auf der Kirmes verbringen wollten. Nach erfolgloser Suche taucht nach einigen Wochen die Leiche von Marta im Meer auf, während Veronica verschwunden bleibt.
Zwei Jahre später hat die Großmutter Isabel immer noch nicht die Hoffnung verloren, dass das Rätsel um das Schicksal von ihrer Enkelin gelüftet wird. Nachdem die Polizei die Ermittlungen anscheinend beenden will, beginnt Isabel selbst zu recherchieren.
Resümee zu ZWEI GRÄBER
Es ist nicht das erste Mal in der Filmgeschichte, dass eine ältere Dame die Ermittlungen zu einem Kriminalfall selbst in die Hand nimmt, da die Polizei es nicht schafft, den Fall zu lösen. Bekanntestes Beispiel dürfte die berühmte Miss Marple von Agatha Christie sein, aber auch die Serie MORD IST IHR HOBBY hat eine alte Frau im Fokus, die in ihrer Freizeit Mordfälle aufklärt. Doch während die genannten Beispiele aus der heutigen Sichtweise durchaus ihre humorvollen Momente haben, sind die Handlung und vor allem die Protagonistin in ZWEI GRÄBER todernst.
Isabela wirkt auf den ersten Blick – und in den ersten Szenen – wie eine freundliche Oma, die ihre Enkelin vergöttert und ihre Zeit mit Klavierunterricht und Kochen verbringt. Nachdem die Polizei jedoch beginnt, die Bemühungen für das Finden von Veronica runterzufahren, nimmt sie die Ermittlungen selbst in die Hand und gerät bald in unerwartete Situationen und reagiert mit einer Entschlossenheit, die man nicht vorausgesehen hat. Das heißt leider nicht, dass Isabels Handlungen immer realistisch oder nachvollziehbar sind. Vor allem eine Situation wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen, bringt aber immerhin die Handlung weiter. Und vielleicht reagieren auch harmlos wirkende Großmütter in Ausnahmesituationen mit einer unvorhergesehenen Härte.
Die Geschichte an sich hat wenig wirkliche Überraschungen. Wenn zwei hübsche junge Mädchen verschwinden, sind oftmals ausgelassene Feiern mit Drogen und Sex nicht weit, so auch in ZWEI GRÄBER. Etwa nach zwei Dritteln der Handlung kommt es allerdings zu einer Wendung, mit der viele nicht gerechnet haben dürften. Das ist geschickt gemacht und wirft vieles vorher Gedachte um. Aber davon abgesehen ist die Mini-Serie nicht unbedingt mit vielen Überraschungen gespickt, sondern bietet solide Unterhaltung, die aber wenig Innovation bringt und daher auch zu wenig Spannung erzeugt.

ZWEI GRÄBER hat eine Freigabe ab 16 und dementsprechend gibt es nicht viel explizite Gewalt zu sehen. Was zu sehen ist, ist handwerklich gut umgesetzt und ist dementsprechend überzeugend. Allerdings liegt der Fokus deutlich auf den Ermittlungen von Großmutter Isabel und nicht auf ausführlichen Folterdarstellungen.
Zusammengefasst bietet ZWEI GRÄBER solide Unterhaltung für drei Stunden, aber erfindet dabei das Rad nicht neu. Das meiste hat man schon einmal woanders gesehen, einzig die Kompromisslosigkeit von Isabel ist etwas außergewöhnlich. Wer auf der Suche nach abendfüllender Unterhaltung ist und dabei auf besonders innovative Handlung verzichten kann, ist mit den drei Episoden gut beraten, aber viel mehr sollte man nicht erwarten.










